Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 51 (23.12.1863)
- Date
- 1863-12-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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SSI aufregen, nach keiner Seite hin mißdeutet werden können; rücksichtlich der übrigen Dinge aber, die chm, und vielleicht noch manchem Andern nicht gefallen, ein Auge, eventualrter späterhin auch das zweite, zuzudrücken. Allein man soll ja nicht zum Vergnügen und um des bloßen Zeitvertreibes willen schreiben, sondern um der Wahrheit willen sin« irs. et sruäio. Daher erweiset man seinen Gesinnungsgenoffen einen sehr schlechten Dienst, wenn man aus Rücksichten irgend welcher Art in die Oeffentlichkeit gedrungene Acte ignorirt, welche von wichtigster principieller Bedeutung sind, und Präcedenzfälle involviren, die durchaus nicht stillschweigend hingenommen, d. h. gebilligt werden dürfen. Die Concursausschreibung der Rabbinatstelle in Neutra, wie solche vor einigen Monaten in pol. Tagesblättern und in den jüdischen und unjüdischen internen Organen stattfand, hat sicherlich nicht nur mich, sondern auch viele Andere mit mir auf's höchste — überrascht, nein, nennen wir es nur sogleich beim rechten Namen, auf's höchste — bekümmert. Bekümmert? Ist dies denn etwas Neues unter der Sonne? ist solches noch nicht dagewesen hier unter dem wechselnden Mond, ist es nicht jahraus, jahrein stehende Rubrik in den politischen Blättern, daß Subjecte verschiedener Art als da sind: Gouvernanten, Geschäftsgesellschafter (mit Vermögen), solide Ehehälften (ditto mit Vermögen und mit Einsendung der Photographie), Capitalien, Lehrer, Schüler, Prediger, Gemeinden, Rabbiner, Rabbinate, Schulklopfer und Hebammen gesucht werden? Nun ja, „wer wüßte nicht von allem diesem", und dennoch ist es vielleicht das allererstemal, daß eine so alte und fromme Gemeinde wie Neutra diesen schwerlich zu einem günstigen Resultate führenden modernen Weg eingeschlagen, und deßhalb schmerzt dieß sicherlich - alle wahren Freunde der dortigen Gemeinde in sehr hohem Grade. Wieso dieß aber zur Antiquität und zur Frömmigkeit einer Gemeinde kömmt: darüber eben, lieber Leser, wollen wir im Folgenden ein wenig mit einander Philosophien; und gestattest Du mir wohl für den echtjüdischen Stoff auch eine jüdische Eintheilung vorzunehmen u. z. nach: i) 1122 2) rm-Q.i rii2i> 1) Wenn es überhaupt sehr schwer ist, über diesen auf jüdischem Boden so unendlich weiten Begriff erschöpfend zu sprechen, so ist dieß so im Vorbeigehen noch weit weniger möglich. Heben wir daher von der Legion der in Talmud und Erklärest befindlichen Stellen zunächst nur eine hervor. besteht wie Maim. (Aboth IV. 8) definirt aus 3 Theilen: Streben nach Erlernung der Thora, Achtung und Ehre vor deren Trägern und Ehre der jüdischen literarischen Werke. Es gereicht der jüdischen Anschauung der Vergangenheit zum höchsten Ruhme, daß sie in den Trägern her.imr, diese selbst ohne alle Rücksicht auf persönlichen Nutzen achtete, ehrte, hochhielt. Unfern Alten gab es nur einen Adel, den Vcrdrenstaoel der Thorakenntniß, wogegen Mes — Alles in den Hintergrund trat, rchr«?sr und Tl-nri das waren die obersten Grundsätze des conventionellen Lebens. So wie es kein beleidigenderes Schimpfwort als s^->r<.-i op gab, so anderseits keinen acceptableren Empfehlungsbrief, als den von Rabina und Raw Aschi ausgestellten. Jeder, der auch nur mit seiner frühesten Jugend noch in jene schöne Zeit Hineinreichende muß, wenn er aufrichtig sinn will, gestehen, daß jene früheren Zeiten wirklich besser waren, als die jetzigen, weil die Weisheit Etwas galt, weil das Wissen eine Macht war, weil die Würde, Ehre, vwralische Bedeutung gab.*) Wenn dreß in Deutschland, England, Frankreich und Holland bis auf wenige Ausnahmen schon lange einer höchst verderblichen materiellen Anschauungsweise gewichen ist; so ist es doch in Oesterreich überhaupt und in Ungarn irisbesondere Gott sei Dank noch nicht bloße historische Reminiscenz, ungesucht und unverstanden von den Vasallen des Nutzens und der „Interessen", den Schildknappen der Lebenslust und Sinnenfreude. Rein, es gibt Gottlob hier noch viel, sehr viel .i'vrr?, Der Grundstamm der jüdischen Bevölkerung hebt sie *) Auf diese« umwandelbar wahre Prtncip, daß eine Zelt oder eine Generation nur fo groß ist, wie sie die Macht des Geistes schätzt, mag wohl auch der von den IEpp. gewöhnlich nach umgekehrter Tendenz erklärte (vergl jedoch Bers Koh. 7, 10 ff. zu beziehen sein. Sage nicht, jagr der weiseste aller Menschen, was war es denn, daß die früher» Lage besser als die jetzigen, denn nicht aus der Weisheit heraus fragst du so. — Was es wäre? Es ist. daß man in frühen» Zeiten Respect vor der Wahrheit, der Idee, batte und jetzt nur affectirt, daß die Hochachtung vor der Weisbeit und tdre Träger früher tiefianerlich im Herzen wurzelte, jetzt aber nur auf V.r Zunge liegt, daß früher der jüdisch« Idealismus jede Faser des Geistes, jcoe Falte des Herzens, jeden Pulsschlag des Gewiffens beherrschte; jetzt der scheußlichste Materialismus, die fratzenhafteste Vergötterung des Atoms, jeden höheren Aufschwung ertödtet, nur den Porentoten heuchelnd und schmeichelnd, nur jenes echt moderne: was iü. ist gut, bewahrheitend, der niederträchtigsten Gemeinheit und Lüsternheit Thür und Thor öffnet, die Weisheit aber nöthigt, sich kummervoll zu verhüllen, sich bessern Zeiten aufzubewahrcn, sich nicht wegzuwerfen. Wohl ist Besitz, hervorragende, materielle Stellung Md Wohlstand auch nach jüdischer Ansicht besonderes Glück und Geschenk Gotles; aber waun? wenn Weisheit mir Besitz verbunden ist (B. 11) und wenn dieß schon jeder Vernünftige zugestehen muß, wtevielmehr diejenige», die die Gottessonne (der sehen LMLk.l. Za (V. 12) Weisheit wirft einen weite» und breite» Schatten, in dem sich Hunderte lagern, Reichthum, materielle Fülle wirft auch einen weiten und breiten Scharten; aller» zwischen beiden besteht der wesentliche Unterschied, daß die Weisheit dem! Besitzer immer wahres, edles, wirkliches Leben zuführt i Tvnn), der Besitz aber oft de» Menschen ertödtet, ru'.nirt und vcltbiert --unt