Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 51 (23.12.1863)
- Date
- 1863-12-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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gesetzes entspreche und vernachlässige dasselbe nicht außer Deinem Hause; sei bemüht zu lernen und zu lehren und versage Niemandem Deinen Rath und Deine thätige Hilfe. Siehe, wir haben Dir nur Einiges, nur Weniges vorgeführt aus dem großen Schatze der Gotteslehre und der Gottesgebote, und schon bald, wenn Du danach verfährst, wird Dein Beispiel mächtig wirken auf Deine Umgebung, man wird Dich lieben und bewundern und, was die Hauptsache ist, man wird Dir nachahmen; und Die, so Dir nachahmen, werden wieder selbst zu nachahmungswürdigen Beispielen für viele Andere werden, und so wird das Gute sortwirken ohne Ende, und vielleicht Dir selbst unbewußt, wirst Du einen mächtigen Einfluß gewinnen auf die Richtung der Zeit. Was jedoch der Einzelne nicht kann, das vermag er in Verbindung mit Gleichgesinnten; und wo sich Gleichgesinnte zusammenfmden, da ist das erste Mittel, um auf die Richtung der Zeit zum Bessern zu wirken, Schulen^ tüchtige, lebensfähige Unlerrichtsanstalten zu gründen, in denen die Kinder mit den allerdings nicht zurückzuweisenden zeitgemäßen profanen Kenntnissen Kunde erhalten von unserer heiligen Religion, in denen sie erlernen unsere wundervolle heilige Sprache, in denen sie erlangen das Verständniß unserer ebenso erhabenen wie unaussprechlich schönen Gebete, in denen sie das Buch der Bücher, den Lebensquell Israels die heilige Schrift in der Ursprache kennen lernen, in denen sie die Pflichten Israels erfahren nicht durch Neligionsbücher und Katechismen, sondern aus den Herligen Quellen: Mischnah, Gemarah, Schulchan Aruch, in denen sie gekräftigt und gestählt werden, zu widerstehen den Versuchungen und Lockungen, auszuharren in den Stürmen des Lebens. Seit einem Jahrzehnt hat man angesangen, solche Schulen ins Leben zu rufen in Frankfurt a. M., Mainz, Hamburg, Würzburg, FürtA Paris, London rc., und schon empfindet man hie und da die segensreiche Wirkung; möchten doch solche Schulen überall erstehen - wie bald möchte dann die Richtung der Zeit eine bessere werden. Ihr sagt, es fehlt an geeigneten Lehrkräften — doch das hat man schon lange gesagt, und hat es etwa den erwähnten Anstalten gefehlt? Möchte nur das Bevürfniß nach solchen Anstalten erst überall gefühlt werden, das Bedürsniß wird sich dann schon die Drittel schaffen und das Jnslebenrufen und die gedeihliche Entwickelung wird unter Göttlichem Beistände gelingen. Freilich fehlt es uns leider an Anstalten zur Heranbildung tüchtiger Lehrer; es gibt zwar in Deutschland einige Lehrerseminare: in Kassel (Kurhesten), Münster (Westphalen) und Hannover. Doch, wie Vieles lasten diese Anstalten zu wünschen übrig! Jetzt geht Herr Rabbiner Bamberg er in Würz bürg damit um, ein LehreHeminar zu errichten; gebe ihm der Allgütige Gelingen — die segensreichen Früchte werden nicht ausbleiben. Was uns aber ganz und gar fehlt und wozu noch nicht einmal ein Anlauf da ist, das sind Rabbi n e r h o ch s ch u l e n, die im echten Judenthume wurzeln, das echte Judenthum lehren, talmudische Gelehrte erziehen und ihnen zugleich die Mittel zur Ausbildung in den andern Wissenschaften bieten. Wohl gibt es G. s. D. noch Jeschiboth, noch Gelegenheiten, für lernbegierige Jünglinge in das Meer des Talmuds zu Lauchen, um die Perle talmudischer Gelehrsamkeit zu gewinnen, allein es fehlt die geregelte Disciplur für das unabweisbare profane Wissen. Die Talmudstudirenden wüsten entweder als Autodidakten mühsam ringen uno vielfach ihr Ziel verfehlen, oder sie wüsten auf christlichen Gymnasien die kostbarsten Jahre vergeuden und auf chr. Universitäten blind umhertappend vielfach das Unrechte finden, während sie nach dem Rechten vergeblich suchen. Dieser unheilvolle Zustand hat sich bereits bitter gerächt und rächt sich noch an jedem Tage. Ein Rabbinerseminar besieht in Deutschland und dieses eine ist leider das verkörperte Bild der religiösen Zerfahrenheit und Inkonsequenz unserer Tage. Wollen wir Frankel und Grütz unsere Zukunft überantworten? O, wo sind die wahrhaft frommen, edlen und zugleich reichbegabten Männer in Israel, die uns aus dieser Gefahr erretten, welche die bedeutenden Geldmittel gewähren, eine rabbinische Hochschule zu gründen und die an deren Spitze die rechten Männer berufen möchten! O, wir haben noch Männer in Israel, die einer solchen Hochschule die gedeihliche Entwickelung zu geben vermöchten, ihr mit Aufopferung vorstehen und sie mit Hingebung leiten würden. Wir wollen unter Vielen nur einen Mann namhaft machen, freilich einen ganzen Mann — einen Mann von seltener Begabung, siaunenswerther Gelehrsamkeit, echter Gottesfurcht, dewundernswerther Thatkraft, ausdauerndstem Fleiße, strenger Uneigennützigkeit und erhabener Charakterstärke: Herr Rabbiner l>r. Hildesheimer hat zu Eisen stadt in Ungarn mit fast beispielloser persönlicher Aufopferung eine Rabbinerschule gegründet, die gegenwärtig 65 Zöglinge zählt; er allein bildet das gesammte Lehrerpersonal dieser Schule, er lehrt den Talmud, Lateinisch, Deutsch. Mathematik rc., freilich opfert er dieser angestrengten Thätigkeit seinen ganzen Tag und einen großen Theil der Nacht, und dennoch gewinnt er, wie die Leser dieses Blattes wissen, noch Zeit zu literarischen Arbeiten, und die ihn näher kennen, wissen, mit welcher Regsamkeit und Emsigkeit er auch noch für jedes allgemein jüdische Interesse wirkt. — Er hat auch die Freude, daß bereits mehrere Rabbinen aus seiner Schule hervorgegangen — allein trotz seiner persönlichen Aufopferung kann ein Mann, wenn auch ein solcher, doch nicht die Ek-