Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 50 (16.12.1863)
- Date
- 1863-12-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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617 Gott ihm Freiheit schafft, der Abrahamslehre zu leben (r>i2in-> 1. B. M. C. 22 V. 26). Noä) aber besitzet der Gedanke nicht die Kraft, fiel) eine ganze Familie zu Trägern zu gestalten, Esaw tritt feindlich auf gegen seiner Väter Beruf; feine Gattinen erzürnen durch ihren Götzendienst Jizchak und Riwka in ihrem eigenen Hause (1. B. B. M. C. 26 V. 35, Beresch. Rabba zur Stelle) — Durch harten Kampf wird Jakob gestählt, er muß sich erst Alles erringen, die Erstgeburt, den Segen; muß vor Esaw fliehen und dem Laban dienen, muß vor Laban fliehen und den Esaw fürchten, mit den Schechemiten kämpfen und im hohen Alter nach dem gefürchteten Mizrasim wandern. Schon aber ist der Familiengeist so stark, daß selbst der siebenzehnjährige, als Sclave verkaufte Joseph treu ausharrt im väterlichen Berufe, trotz des Abscheues der Aegypter seine hebräische Abkunft nicht verleugnet, die furchtbarste Versuchung überwindet, im Gefängnisse und auf dem Throne der Diener seines Gottes bleibt,, ja dafür Sorge trägt, daß seine Familie sich nicht verliere unter den Aegyptern, sondern ihnen ein gesonderter Aufenthalt im Lande Gosen an gewiesen wird. Bon Jakobs Nachkommen sagt Nch keiner mehr los von dem Fanlilienberufe; als eine besondere und gesonderte Familie ziehen sie hinab nach Mizrajim, um als ein gesondertes Volk wieder herauf zu ziehen nach dem verheißenen Lande. Aber eben diese Sonderung wird eine Quelle unsäglicher Leiden. War das Ausharrcn der Israeliten bei der Vätersitte, der Väter-Tracht und der Vätersprache wohl ein zeitgemäßes Verhalten 2 Hätten nicht auch die Egypter die Israeliten „enran cipirt", wenn die selben in ihnen hätten aufgehcn, nicht mehr von ihnen gesondert hätten sein wollen in Beschäftigung, Sitte und Sprache? Aber unsere Voreltern harrten aus und ertrugen jene furchtbare Knechtschaft, bis daß der Erlöser erschien. Dieser erschien endlich und führte sie — in die Wüste, an den Berg Sinai, wo Gott ihnen ein Gesetz gab, das sie auf Jahrtausende hinaus in den strengsten Gegensatz setzte zu den übrigen Völkern der Erde. In diesem Gesetze liegt nunmehr der Beruf Israels, der hohe, erhabene Beruf, der ganzen Welt das Heil und das Glück zu bringen, das Menschengeschlecht zu Gottesdienern heranzubilden und eine Zeit herbeizuführkn, m der die Tugend herrscht auf Erden und das Laster verschwunden ist. Ein ganzes, wenn auch kleines Volk ist nunmehr das Werkzeug in der Hand der Vorsehung, und innerhalb dieses Volkes sind wiederum nur Wenige, welche die große Ausgabe begreifen und vollführen. Die große Masse ist stets bereit, sich gegen den Gottesberus aufzulehnen, zu murren bei jeder Gelegenheit, sich verführen zu lassen von den mitgezogenen Mischlingen (Ereb Rab, Aßaphßuph), von den Kundschaftern. vonKorach, Dathan und Abiram, von dem sinnlichen Simri den Solu und seinen Gesinnungsgenoffen. Das Streben des murrenden Aßaphßuph, der verleumdenden Kundschaf-? ter, der die Gleichheit verkündenden Korachiten, des der Sinnlichkeit huldigenden Simri war stets ein zeitgemäßes, dem die große Masse des Volkes jubelnd zustimmte, während Moscheh, Ahron, Josua, Kaleb und Pinchas oft mit dem Tode bedroht wurden und Chur wirklich vom aufgeregten Volke ermordet ward. Als dann die Israeliten das heilige Land in Besitz nahmen, da galt es wiederum für zeitgemäß, den benachbarten Völkern nachzuahmen und ihren Götzendienst sich anzueignen; da wurden die Richter, welche die Sünder bestrafen wollten, von den Verbrechern gerichtet und mißhandelt (siehe Midrasch Ruth zu Anfang), und später nach der Theilung des Reichs vertraten die goldenen Kälber Jerobeams und noch später der Baaldienst Ahabs und Jsebels die zeitgemäße Richtung. Da wurden die Propheten Gottes mißhandelt und getödtet und der für Gott eifernde Elijahu ein „Ocker Jisrael", ein Bekümmerer Israels genannt. Jene Zeitrichlung war wohl die verderblichste, die Israel jemals ms Unglück zu stoßen bedrohte; da waren nur „70< 0, deren Knie sich nicht vor Baal gebückt und deren Mund ihn nicht geküßt hatte". Eine solche Zeit ist G. s. D. nicht wieder über Israel gekommen. Diejenigen, welche der Zeitrichtung gehuldigt hatten, fielen durch die Schwerter Chasaels und Jehu's und durch den Mund Elischa's; die ihr widerstrebt halten, sie blieben. Auch in Juda wurden die Propheten Gottes mißhandelt und getödtet (Secharjah, Jirnnjah-, bis die zeitgemäße, aus Götzendienst, Mord und Blutschande gehende Richtung in der Zerstörung des Tempels und der Wegführung des Volkes in die babylonische Gefangenschaft ihren Abschluß fand; aber auch hier bückte sich alles Volk vor dem Götzenbilde des Nebukadnezar, während die einzig Widerstrebenden Chonanjah, Michael und Asarjah dem Feuerofen überliefert wurden; betete alles Volk den König an, während der Gottesdiener Daniel in die Löwengrube geworfen ward; allein Daniel und seine Gefährten wurden errettet und ihr Andenken wird in aller Ewigkeit noch gepriesen werden. AlsCyrus die Erlaubniß zur Rückkehr ertheilte, da war es wiederum nur die Minderzahl, welche die Sehnsucht in das Heimathland zurücksührte, die den heiligen Tempel wieder ausbaute und das jüdische Reich zu neuer Blüthe entfaltete. Als die Syrer Israel vom Gotte seiner Väter abtrünnig machen wollten, da waren es Anfangs nur Wenige, die unter der Anführung dev Hasmonäer Widerstand leisteten. Nach dem Siege wurde der Sadducäismus mit seinen Irrlehren und seinem Abfälle vom geoffenbarten Gottesgesetze zeitgemäß; allein der Sadducäismus ging spurlos unter, während das echte, wahre Judenthum die Nationalität Israels überdauerte und sogar jugendlich frisch und kräftig sich auf