Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 50 (16.12.1863)
- Date
- 1863-12-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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616 r - r i i i i durch Fülle belehrender, anregender und interessanter Mittheilungen, durch Nachrichten van Nah und Fern jeder Empfehlung zur Ehre zu gereichen. — Seit der Zeit ihres Erscheinens hat diese Zeitschrift an Umfang stets zugenommen, ohne daß deßhalb eine Preiserhöhung eingetreten wäre; sie kann sich an Gediegenheit der Leistungen getrost mit jedem andern jüdischen Blatte messen; an Wohlfeilheit des Preises kömmt ihr keines gleich. — Wir erlauben uns daher, zu einer frühzeitigen und allseitigen Abonnementserneuerung dringend einzuladen. — t Religion Israels und der Zeitgeist. Mainz, den 1. December. II. Wir haben im ersten Theile dieser Abhandlung darzulegen versucht, aus welchen Momenten der Zeitgeist denn eigentlich besteht, durch den dem traditionellen Judenthume so furchtbare Gefahren wie Auflösung und Umwandlung bevorstehen sollen. Wir haben gefunden, daß das, was man Zeitgeist nennt, allerdings an Momenten reich ist, die der Erfüllung und Manifestirung der Religion Israels widerstreben, wir haben aber schon am Schlüsse des ersten Theiles darauf hingewiesen, daß die Religion Israels eine ewige und hie Zukunft unseres Volkes eine herrliche ist, so daß wir weder Umwandlung noch Auflösung zu fürchten haben. Daß wir unverzagt der nächsten wie aller zukommenden Zeit entgegenschauen dürfen, darüber belehrt uns die Geschichte unseres Valkes, dem nur sehr selten die Zeltverhältnisse, d. i. der Zeitgeist günstig waren und das sich dennoch in ungeschwächter Kraft und Jugend erhalten hat. Es hat viele, viele Zeiten gegeben, die der Entfaltung unseres Volksgeistes, unserer Religion bedeutend feindlicher entgegentraten als die Gegenwart — Israel hat alle jene Zeiten dauernd überstanden, ihre Gefahren siegreich überwunden, und so wird es auch mit der Jetztzeit geschehen. Um das zu verstehen, müssen wir uns die Bedeutung Israels in der Weltgeschichte klar machen. Als der allmächtige Gott das Menschengeschlecht auf Erden erschuf und zum Herrn der diesseitigm Welt einsetzte, schon damals trat unverkennbar die weise Absicht des Allgütigen zu Tage, einen Zustand des Glückes und der Freude aus Erden herbeizuführen. Hätte Adam der Versuchung widerstanden, so wäre der paradiesische Zustand nicht verloren gegangen; seitdem ringt die Menschheit danach, ihn wieder zu gewinnen. Den ältesten Söhnen Adams konnte die Zukunft i des Menschengeschlechts nicht gehören; der dem äußern! Scheine huldigende Hebel (vergleiche die Midraschim i zu 'Di'N b2.-r, Mischte Ende) fiel dem nach unbeschranktem Besitze ringenden Kajin (raäix rup, erwerben) zum Opfer; erst der im Ebenbilde Adams und somit auch Gottes (1. B. M C 5 V. 3) erschaffene Schet konnte die Grundlage (vergleiche ruON.-r Psalm Ildes Menschengeschlechts bilden; aus Schets Nachkommen, die ebenfalls zum größten Theil dem allgemeinen Verderben anheimfielen, kosnte sich nur Noach als ein neuer Vater des Menschengeschlechts sondern. Obwohl Noachs Arbeit, da er die Arche baute, welche die Zukunft der Welt retten sollte, als eine zeitgemäße erschien? Sicherlich nicht, denn er wurde von der gesummten Mitwelt verhöhnt uuo verlacht und später bedroht (siehe Raschi zu 1. B. M. C. 7 V. 16) Von Noachs Söhnen ward einzig Schem ersehen, „daß Gott in seinen Zelten wohne", und als auch den Nachkommen Scheins das alte Gotteslicht erloschen war, da war es nur Einer, Abraham, der es von Neuem wieder anzündete. Dieser Eine, der Gott erkannte, kämpfte gegen die ganze Welt. Sein Vater und seine Brüder sind Götzendiener, der mächtigste König der Erde, Nimrod, läßt ihn in den glühenden Kalkofen werfen. Er steht allein entgegen den Bestrebungen der Zeit (Thurmbau) und verläßt endlich Heimath, Vaterland und Familie, um als Fremdling im fremden Lande umherzuirren; selbst der Brudersohn Lot, der ihn anfangs begleitete, muß sich bei späterer Entwickelung erst von ihm trennen, ehe Gott wieder mit ihm redet. Nur die treue Gattin Sara steht ihm helfend und rathend zur Seite. Allein verkündet er der ganzen entgegenstehenden Welt die Erkenntniß des einzigen Gottes und zeigt als mustergiltiges Beispiel den Wandel in Seinen Wegen. Ob Abrahams Streben und Mühen wohl als ein zeitgemäßes galt? Und doch sollte er und nur er der Segen werden für das ganze Menschengeschlecht. Das ist auch die Aufgabe Israels, ein Segen zu sein dem Menschengeschlecht; dieses hohe Ziel wird aber erst in vielleicht noch ferner Zukunft derart erreicht werden, daß die Aufgabe Israels, nachdem sie vollbracht sein wird, allgemeine Anerkennung findet; rx Op lEzft (Ps. 128) „erst dann wird man sprechen unter den Völkern, Großes hat Gott mit diesen da vollbracht"; bis dahin haben wir von der Welt nichts Anderes als Verkennung zu erwarten und daher kann bis zu jenem erhabenen Zeitpunkte wahrhaft israelitisches Streben nicht anders als unzeitgemäß sein. Selbst Abrahams Kampf gegen die Zeitverhältnisse kann noch kein vollendet siegreicher fein; von ihm sondert sich Jischmael ab, um sich den Gegnern des Abrahamitifchen Berufes anzuschließen. Nur Jizchak, der Opferfähige, bleibt diesem Berufe treu; allein die Philister verstopfen die Brunnen, die Abraham gegraben hat und streiten um die, so Jizchak gräbt, bis