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Der Israelit · 1863-12-09 · Heft 49 (9.12.1863) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 49 (9.12.1863)
Date
1863-12-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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6LS Auch die Aerzte, welche kamen, Nicht weil Nathan um sie bat. Sondern in der Freunde Namen, Sie auch wußten keinen Rath, Sagten alle, daß vergebens Jede Hoffnung sei des Lebens. „Nun denn," war der Spruch der Weisen, „Besser ist's, es sterb' der Mann, Ms ein heil'ges Band zerreißen, Wenn er sich nicht zügeln kann. — Kann er seine Seele wahren, Mag der Leib zur Grube fahren." — Auch daß Hanna zu ihm gehe Und mit frommem, mildem Wort Um sein eignes Heil ihn flehe, Zeigend auf den ew'gen Hort, — Könnten sie wohl thunlich glauben, Doch die Weisen nicht erlauben. — Und so schwanden seine Kräfte, Selbst das Klagen ward chm schwer, Und es trockneten die Säfte Sichtlich immer mehr und mehr. Seufzer nur und stetes Beben Zeugten noch von innerem Leben. — 2. Nun geschaht, daß Hanna's Gatte, Früher schon in dürft'gem Stand, Mannigfaches Unglück hatte, Daß das Wenige noch schwand; Daß er in den Schuldthurm mußte, Well er nicht zu zahlen wußte. Frühe und in später Stunde Saß das treue Weib und spann, Und entzog dem eignen Munde, Was der Hände Fleiß gewann. Nimmer sah man sie ermatten, Gatt es doch dem armen Gatten. Lange, lang schon sitzt der Arme, Sieht kein Ende seiner Noch, Ueberläßt sich tiefem Harme, Wünscht in Unmnth sich den Tod. Selbst der Gattin treues Ringen Will chm nicht zu Herzen dringen. „Müde," spricht er zu der Armen, „Müde bin ich dieser Pein, Und auch Du scheinst ohn' Erbarmen, Ohne Herz für mich zu sein. Solltest Du Dich nicht befleißen, Dieser Noth mich zu entreißen?" — „Wer des Todes strengem Walten Auch nur eine Seel' entreißt, Der ist, wahrlich, gleich zu halten Dem, der Viele selbst gespeist. — Mich auch wird der Tod ereilen, Muß ich hier noch länger weilen." — „Schlägt Dein Herz noch ungetheilet, Liebevoll für Deinen Mann, Geh zu Nathan unverweilet, Rufe ihn um Hülfe an. Laß von ihm das Geld Dir leihen, Mich vom Tode zu befreien." — „Gott, mein Gott!" versetzt die Arme, „Ist mein Unglück noch nicht voll? Daß sich meiner Gott erbarme! Hast bedacht Du, was ich soll? Soll zu Nathan selber gehen, Ihn für Dich um Hülfe flehen!" — „Hast Du es denn nicht vernommen, Ist es Dir nicht längst bewußt, Welche Macht ihn eingenommen, Ihn erfüllt mit sünd'ger Lust? Wie er fast zu Tod verschmachtet, Weil er Gottes Wort nicht achtet!" — „Boten, die in seinem Namen Und mit Gold in großer Meng' Wiederholt in's Haus mir kamen, Wies zurück ich ernst und streng. Nimmer, ließ dem Mann ich sagen, Sollt' er mich zu sehen wagen." „Jetzt, nachdem ich so gesprochen, Willst Du, daß zu ihm ich geh', Und, als ob mein Sinn gebrochen, Selber ihn um Hülse fleh'! Hinter Schloß und Kerkerpforten Bist Du fühl- und sinnlos worden!" — Und sie geht erzürnt von dannen, Met unmuthsvoll nach Haus, Bis die Thränen reichlich rannen Und sie brach in Klagen aus: „Mags ihm auch an Allem fehlen, Mich soll nimmermehr er quälen!" — Und wenn auch am andern Tage Sie bereits im Herzen wankt.

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