Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 49 (9.12.1863)
- Date
- 1863-12-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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613 Fürchtend, daß noch größre Plage Ihn betroffen, er erkrankt, — Wollt" ihr's erst am vierten glücken, Allen Groll zu unterdrücken. Und als sie mit vollem Herzen Wieder rn's Gefängniß kam, Findet sie ihn, o der Schmerzen! Aufgezehret fast vor Gram; Findet ihn auf seiner Truhe, Liegen, wie in Todesruhe, „Gott!" ruft sie und wirft sich nieder, „Mann! verzeih, was ich gethan!" Matt erhebt er Kopf und Glieder, Blickt sie starr und fühllos an, Spricht mit hohler, dumpfer Stimme, Doch mit unerlofchnem Grimme : „Möge Gott im Himmel schauen, Wie Du wehe mir gethan! Ja, ich will auf Ihn vertrauen, Ihn ruf ich zum Richter an. Wünschest wohl mich bald von Erden, Daß Du Nathans Weib kannst werden!" „Muß ich," sprach sie drauf und weinte, „Muß ich denn zu Nathan geh'n, Lös' das Band, das uns vereinte, Laß die Scheidung erst geschehen. Erst entbind' mich meiner Pflichten, — Gott im Himmel möge richten." — „Ist Das nicht, was ich gesprochen?" Ruft der Mann voll Zornes aus, „Möchtest gern ihm ungerochen, Offen folgen in sein Haus!" Da durchbebt ihr's alle Glieder, Und sie fällt zur Erde nieder. „Hat man," ruft sie, „je vernommen, Ist es jemals schon geschehen, Daß ein Mann zu seinem Frommen Hieß sein Weib zur Sünde gehen! Opfre, sagt er, Deine Ehre, Daß man Freiheit mir gewähre!" — „Gehe!" ruft er, wie von Sinnen, „Geh mir aus den Augen gleich! Mag mein Leben rasch verrinnen, Sterben muß ja arm und reich. Daß sich meiner Gott erbarme, Mich erlöse von dem Harme!" — Ohne noch ein Wort zu sprechen, Kehrt das arme Weib zurück, Ach, die Beine wollten brechen, Und umnebelt ist der Blick. Spät erreicht sie ihre Kammer, Da beginnt der laute Jammer. „Gott, mein Gott! was nun beginnen?" — Ruft's und wirft zur Erd' sich hin — „Gott erhalte mich bei Sinnen, Denk', welch schwaches Weib ich bin! Gott des Himmels und der Erden, Laß mich nicht zu Schanden werden!" — Und wie jetzt die Worte flogen Mehr und mehr von Herz zu Mund, Legten auch des Herzens Wogen Nieder sich zum Herzensgrund. Ruh' begann zurückzukehren Und der Blick auch sich zu klären. Und befreit von Furcht nnd Grauen, Und gekräftigt im Gebet, Neu gestärkt im Gottvertrauen, Steht sie endlich auf und geht, Geht, wenn auch mit einigem Zagen, Für den Mann den Schritt zu wagen. Und wie sie an's Haus gekommen, Das erwartet sie so lang, Als man kaum da wahrgenommen, Daß zu Nathan sie verlang', Eilten Alle, Magd und Knechte, Wer zuerst die Botschaft brächte. „Hanna, Herr! ist vor dem Thore!" Rief der Erste, dem's geglückt. „Sprichst Du Wahrheit meinem Ohre." Sagte Nathan, schon entzückt, „Werd' die Freiheit ich Dir schenken Und noch reichlich Dich bedenken." Und dem Zweiten, mit dem Rufe: „Hanna, Herr, verlangt zu Dir!" Und dem Dritten, auf nächster Stufe: „Hanna, Herr, sie folget mir!" — Nathan gab aus vollen Händen Allen seines Dankes Spenden. Aber welch ein freud'ges Leben, Faßt ihn, als sie vor ihm stand! „Herrin!" spricht er, „sieh mein Leben Steht allein in Deiner Hand. Sag, o Herrin, Dein Begehren, Kann ich, will ich's voll gewähren." * -