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Der Israelit · 1863-12-09 · Heft 49 (9.12.1863) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 49 (9.12.1863)
Date
1863-12-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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610 Feuilleton. Jüdische Gebräuche im westlichen Persten. (Schluß.) Männer und Frauen tragen kleine Pantoffeln in aufwärts gebogenen Spitzen endigend. Die der Frauen sind von Seide oder mit Stickerei versehen. Die Frauenzimmer flechten ihre Haare in viele Zöpfe, bedecken aber Kopf und Gesicht sorgfältig mit verzierten Kopftüchern, so daß kein Fremder ihre Gesichtszüge erkennen kann. Ihr Hals ist geschmückt mit allerlei Gold und Silbermünzen. Um ihren Leib tra-! gen sie silberne Gürtel. Sie schmücken sich zu dem j Zwecke, um ihren Gatten zu gefallen; denn das alte j persische Gesetz, daß jeder Mann unumschränkter Ge-! bieter in seinem Hause sei, ist noch in Kraft. Wie! im ganzen Morgenland ist das Frauengemach im i Innern des Hauses, wo sie den Gatten mit Ehrenj bezeugungen und tiefer Ergebung empfangen. Die! Frau darf dem Manne nichts versagen und hat alle! seine Befehle zu vollziehen.! Tritt ein Fremder ins Haus, so zieht sich die! Frau schnell ins Frauengemach zurück; ist dieser jedoch I ein Familienmitglied, so empfängt sie ihn und wäscht ihm Hände und Füße. Männer und Frauen speisen besonders. Am Hochzeitstag speist der Bräutigam in einem besonder« Zimmer, um ihn herum brennen j Wachskerzen; vor ihm eine gebratene Gans, und jeder; Gast gibt dem Bräutigam beim Eintritt irgend eine! Silbermünze oder sonst etwas Werthvolles. Der! Bräutigam seinerseits wartet jedem einen Becher Wein! auf. Einige Frauen mit Schleier bedeckt, sitzen zu i seiner Linken und rufen: „Wer erzeigt Ehre? Es ist > der Bräutigam, der Ehre erzeigt." Die Braut sitzt - in einem anderen Zimmer mit einem weißen Schleier bedeckt, so daß sogar Frauen ihr Gesicht nicht sehen, j Ihre Gespielinnen sitzen in einem Halbkreise um sie > herum, und jede reicht ihr beim Eintritt ein Geschenk.! Sie reicht jedem Gaste einen Becher Wein, und die! Jungfrauen rufen laut: „Wer erzeigt Ehre? Die! Braut erzeigt Ehre." Der Bräutigam darf die Braut erst nach vollzogener Trauung sehen. Die Gespielinnen besuchen, um der Braut ihre Alchänglichkeit zu! zeigen, dieselbe noch ein ganzes Jahr sehr häufig.! Stirbt Jemand, so versammeln sich Freunde und! Bekannte, um ihn zu beklagen. In Trauergewänder l gehüllt, begleitm sie die Leiche, bitterlich klagend, bis ' zum Grabe. Hier rühmen sie seine edlen Thaten. i Ist die Leiche ins Grab gesenkt, so erheben sie noch! ein Mal ein nach allen Seiten hin tönendes Jammeri geschrei. Einige schlagen sich mit den Händen auf > die Brust, bringen sich Wunden bei, raufen, um ihren i z Schmerz für den Verstorbenen zu zeigen, sich die Haare; aus, ohne das Gesetz zu beachten, welches ausdrücklich > derartige Trauerbezeigungen verbietet. Umwölkt ist Juda's Himmel dicht; Wild braust der Sturm in seinen Gauen. Der Morgen naht, der Frohsinn nicht, — Der Abend kommt, ihm folget Grauen. — In düstres Schweigen ist gehüllt Das Land, wo Freiheit ward besungen; Jetzt ist's der Knechtschaft traurig Bild, Und ängstlich schweigen alle Zungen. Denn Juda's lichtem Glauben ließ Der Syrer Fürst den Krieg verkünden. Ja, was es als sein Höchstes pries, Sollt' flücht'gem Schatten gleich verschwinden. — Den freien Geist wollt' der Tyrann In harte Todesfeffeln zwängen, Und Schreckensqualen er ersann, Den weiten Busen einzuengen. — Sieh! lauernd schleicht der Sykophant Dem Jäger gleich mit seiner Meute Durch das zum Tod erstarrte Land Und triumphirt ob seiner Beute. Kein gottgeweihter Festtag ruft Den Beter in des Tempels Hallen, Nur in der finstern Felsenkluft Wagt betend er auf's Knie zu fallen. Durchdringt kein Stern die dunkle Nacht? Flieht vor dem Mondglanz nicht die Wolke? Ruft Keiner in des Jammers Schacht: „Glück auf!" Dem unterdrückten Volke. Und eilt voran in's Kampfgewühl, Ein Schreckbild den entmenschten Schergen, Und setzt der Knechtschaft Nacht ein Ziel, Verkündend Freiheit von den Bergen? Vom Berge Modin schaute kühn Jn'S Thal der Hasmonäer Stätte; Der Freiheit Sonne droben schien, Ein Gräul war Knechtes-Sinn und Kette. Vom stillen Haus in's Schlachtenfeld Zieht Mathatias unverdrossen, Ein greiser Priester und ein Held, Begleitet von fünf wackern Sprossen.

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