Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 49 (9.12.1863)
- Date
- 1863-12-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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60S Genießen nur noch reizt. Daher ist aus allen Lebensverhältnissen die Genügsamkeit geschwunden, das innige Familienleben ist ebenfalls der neuen Zeit zum Opfer gefallen, aus dem Verhältnisse der Herrschaften zu ihren Dienern ist das Patriarchalische geschwunden; die Menschen sondern sich von einander in gemächlicher Beziehung, um sich zum Erwerbe und Genüsse wieder zu vereinigen. Diese allgemeine Geistesrichtung, die das Materielle in den Vordergrund stellt, die da dem Idealen, dem Gemächlichen, dem Glauben Feind ist, hat auch auf jüdische Kreise ihre Wirkung erstreckt; aber auch diese Richtung wird, wie immer in der Weltgeschichte, einer andern weichen. Die Menschheit schreitet ihrem Ziele entgegen, nicht in geraden Bahnen, sondern in Curven; jeder Rückschritt ist daher nur ein vermeintlicher, ein Ausholen zu weiterem Fortschreiten. Vergessen wir nur nicht, daß es die Zukunft des jüdischen Volkes ist, welche einen allgemeinen Fortschritt des Menschengeschlechts in Aussicht stellt, eine Zukunft, in der „voll sein wird die Erde von Erkenntniß wie die -Wasser das Meer bedecken." — (Fortsetzung folgt.) Würtembergisch - isr. Lustündr. v. Aus Würtemberg. Mehr denn drei Monate find verstrichen, seitdem wir, nicht mit allgemeinen Phrasen, sondern unter Anführung nachgewiesener Thatsachen die religiösen Zustände Würtembergs mit der gewissenhaftesten Wahrhaftigkeit geschildert haben; bis jetzt hat sich nicht nur kein Widerleger gefunden, sondern die Richtigkeit und Treue unserer Schilderung sowohl als deren Freimuth gegen unsere religiösen Machthaber wurde auch in solchen Kreisen anerkannt, die nichts weniger als unserer religiösen Richtung zu folgen gesonnen sind. Da sieht Herr Or. E. in Lehrensteinsfeld sich veranlaßt*), — eine Widerlegung zu versuchen? — nein, unsere Auseinandersetzung mit dem Geifer seiner Schmähungen zu besudeln: doch wir werden ihm Rede stehen. Vor Allem möge der geneigte Leser erfahren, daß dieser Herr Or. E, der mit affectirter Kennermiene durch einige Sätze unsere Zustände geschildert zu haben vorgibt, vor ohngefähr 14 Jahren aus einer Entfernung von etwa zweihundert Stunden Weges in Würtemberg als Rabbiner angestellt worden ist. — Nicht wahr, der mag Alles viel bester wissen als wir, die wir hier geboren und erzogen sind, und fast in allen Gegenden des Landes schon länger uns aufgehalten haben? *) in Rr. 47 d. Z. d. I. Auf Herrn Or. E.'s Auslastungen näher eingehend können wir nicht umhin, ihm zu rächen, künftig mit dem etwas abgenutzten Citate von -S sparsamer zu sein, sonst könnte es ihm begegnen, daß wir ihm sagen müßten xi.-r :2:2z s>O?2.-r >2, was um so leichter geschehen könnte, da sein Artikel oermuthen läßt, er stehe einer gewissen, oft neben der 2^2,22 aufgeführten Zunft nicht allzufern. In der allgemeinen Betrachtung der religiösen Zustände eines Landes kann mau von verschiedenem Standpunkte zu verschiedenen Resultaten kommen; wer die Sache anders auschaut, als ich, habe ich das Recht, ihn einen Lügner zu schelten? Anders verhält es sich, wenn specielle Thatsachen geschildert werden, wie in Nr. 34 u. 35 des Israelit. Wir fordern Herrn Or. E. hiermit auf, uns darin eineLüge nachzuweisen. Dagegen beginnt Herr vr. E. alsbald mit Entstellung und Verdrehung der Wahrheit. Ist im „Israelit" je allgemein behauptet worden, sämmtliche Gemeinden Würtembergs seien irreligiös? Sind nicht in Nr. t l des laufenden Jahrgangs alle die Gemeinden als religiös aufgeführt worden, welche er neynt, und noch mehrere? *) Ja, Gottlob! unsere Gemeinden sind theilweise noch religiös; wenn wir aber noch viele Rabbiner bekommen, die in der ripZL? Woche hinausfahren, um Trauungen vorzunehmen, an einem Orte, wo ein noch rüstiger pens. Rabbiner lebt, der gewiß sich ein Vergnügen daraus gemacht hätte, den ^2x zu vertreten; wenn wir noch viele Rabbiner bekommen, die diejenigen Lehrer bis in den Himmel heben, welche ihre Söhne in Geschäften zur Lehre unterbringen, die am 5QV offen sind und gestatten, daß ihre Kinder ^110 NZV sind, während sie (die Lehrer) nur etwa eine Stunde entfernt vielleicht über 2202 21' rix -»12: predigen; wenn wir noch viele Rabbiner bekommen, die sich Leute, die schon 40 Jahre gar nicht mehr als Juden leben, die das Judenthum öffentlich schmähen und verleugnen, zu ihren intimsten Freunden wählen; wenn wir noch viele Rabbinen bekommen, die es vorziehen, Schmähartikel zu schreiben, anstatt dafür zu sorgen, daß auch in allen Gemeinden ihres Bezirks eine rituelle 21P2 bestehe und die sich besonders darnach sehnen, in einer Gemeinde zu wohnen, wo sich keine solche befindet: dann, Herr vr. E., wird es bald anders werden mit der Religiösität unserer Gemeinden. Ebenso ist es eine Unwahrheit, wennuns Herr vr. E. zu unterschieben sucht, wir greifen die Oberkirchenbehörde an, weil die Synagogenorduung Anstand in die Gotteshäuser gebracht. Wir haben ausdrückliche Ordnung in der Synagoge im *) Auf weffen Seite ist die Alge, wem» er »LS das Seamtheil »nterschiebt?