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Der Israelit · 1863-12-02 · Heft 48 (2.12.1863) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 48 (2.12.1863)
Date
1863-12-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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596 faßt als Unterrichtsgegenftände sowohl Hebräisch wie Talmud, Mischna u. s. w., wie auch die Realien und Sprachen. Sie hat in den letzten Jahren einen bedeutenden Aufschwung genommen, die Schülerzahl vermehrt sich ansehnlich und die jährlich stattsindenden Prüfungen liefern die erfreulichsten Resultate. Der Besuch der Anstalt ist für Kinder unbemittelter Eltern kostenfrei, Bemittelte Zahlen für ihre Kinder nach einer bestimmten Scala. Alle Kinder empfangen sämmtliche Lehrbücher nebst Schreibutensilien gratis. Zur Aufmunterung der Schüler sind mehrere Vermächtnisse, von denen ich das für 2 Knaben, die die besten Fortschritte in Gemara machen, erwähnen will. Den Kindern unbemittelter Eltern wird durch einen besonderen Verein eine anständige Bekleidung geliefert. Ein anderer Verein trägt Sorge für die Beköstigung der armen Kinder und eine nicht unbedeutende Anzahl derselben wird auch im Schullokale täglich gespeist. Durch die Opferfähigkeil einiger Männer wurde ferner eine „höhere Bürgerschule" für israelische Knaben ins Leben gerufen. Diese Schule, gegenwärtig unter Leitung des Herrn Or. Ko res stehend, entspricht den gesteigerten Anforderungen der Begüterten. Trotz des bedeutenden Schulgeldes erfreut sich das Institut einer steigenden Frequenz, welches wohl am sichersten die Nothwendigkeit der Anstalt, wie auch die Zufriedenheit mit ihren Leistungen documentirt. Zu bedauern ist nur der häufige Lehrerwechsel an der Anstalt. Auch eine höhere israelitische Mädchenschule wurde jüngst unter den günstigsten Auspicien unter der umsichtigen Leitung des Herrn Dr. Katzen st ein eröffnet. Diese Schule hilft einem Bedürfnisse ab, denn für höhere Ausbildung der Töchter mußten bis jetzt die Schulen anderer Confessionen in Anspruch genommen werden. Die Gemeindeschulen für Mädchen, deren es zwei gibt, erstrecken ihre Thätigkeit auf das gewöhnliche Wissen mit vermehrter den Handarbeiten geschenkter Aufmerksamkeit. Außerdem vegitiren noch einige Schulen, deren Schülerzahl aber gering ist. Die erwähnten Schulen stehen sämmtlich auf streng orthodoxer Basis und berechtigen zu den schönsten Hoffnungen für die künftige Generation der Gemeinde. Jedoch, lieber Freund, die Schattenseiten darf ich dir nicht verschweigen, die Gemeinde unterstützt durch ihre Dotation außer der Talmud-Thora noch die „israelitische Freischule". Der Director dieser Anstalt, ein würdiger Nacheiferer Jerobeam's, arbeitet sehr stark an der Verbreitung seiner Ansichten über Judenthum, die ich Dir wohl am besten dadurch zeichnen kann, wenn ich Dir mittheile, daß er in zweiter Ehe eine irische Katholikin geheirathet und öffentlich in Versammlungen erklärte, daß er nicht auf dem Boden irgend einer Kirche stehe. Seine Reden im Vereine für Gewissensfreiheit würden Dir die Erklärung dieses Satzes im betrübendsten Maße liefern, und dieser Mann ist Direktor einer israelitischen, von einer israelitischen Gemeinde unterstützten Schule! Außer diesen Lehranstalten erhält die Gemeinde noch zwei Erziehungsanstalten für Waisen. Die Anstalt für Knaben, gegenwärtig unter der sorgsamen Leitung des Herrn Gotthold und seiner Gattin stehend, die mit elterlicher Sorgfalt über das körperliche und geistige Wohl ihrer Pflegebefohlenen wachen, wird im streng orthodoxen Sinne geleitet. Ende dieses Sommers fand in derselben der G. s. D. seltene Fall statt, daß ein Knabe dessen Vater vor seiner Geburt verstorben war, sich nach seinem 13. Jahre selbst auslöste. Die Anstalt zählt gegenwärtig 20 Knaben. Das Waisenhaus für Mädchen, Paulinenstift genannt, ist vor einigen Jahren gegründet; es beherbergt 14 elternlose Mädchen. Dieses Institut erfreut sich der regsten Theilnahme. Für heute schließend, gedenke ich im nächsten Briefe die Lern- und Lehranstalten oder richtiger Gelegenheiten für die gegenwärtigen Gemeindegeneration zu schildern. Lebe wohl. Dein B. S. Oesterreichischer Kaiser st aal. Pesth. Die hiesige Missionsschule wird von zahlreichen israelitischen Kindern besucht. Trotz vielfacher Vorstellungen von Seiten glaubenseifriger Männer verhalten sich Rabbiner und Vorstand vollständig indifferent hiezu. Briefkasten der Redaktion. Herrn Fr. in B.: Sie ersehen aus den Anzeigen dieser Nummer, wie und wo Sie Sich die Heixh.'sche Bibel verschaffen können. Wir bemerken Ihnen jedock, daß weder H. noch seine Bibel auf traditionellem Standpunkte stehen. (Hierbei eine Beilage.) «erantmortlich, Redaktion: »r. Lehman«. — Verlag der Le Roux'schrn Hofbuchhandlung. — Druck von I. GottSleben in Mainz.

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