Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 46 (18.11.1863)
- Date
- 1863-11-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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565 Twov r« N2Vsr^lv' 'priOL' r«vl7. „Immerhin möge der Mensch sich mit dem Gesetze und den Gebotausübungen, wenn auch in uneigentlicker Absicht (d. h. in Rücksicht auf Ehre, Nutzen u. s. w.) beschäftigen, weil er durch solche Ausübung endlich doch zur Ausübung in eigentlicher Absicht gelangen wird (Pesachim 50). Die Gebotsausübungen, selbst in uneigentlicher Absicht, wiewohl zu tadeln, haben doch den unleugbaren Nutzen, daß sie den Ausübenden oft an hohe Wahrheiten und Pflichten erinnern und ihn gewöhnen, für die Erfüllung des göttlichen Willens chatkräftig Hand ans Werk zu legen; es steht leicht zu erwarten, daß diese Erinnerungen endlich ihren Zweck erreichen werden, ihn auf das Ungenügende seiner bisherigen Handlungsweise und sein wahres Heil aufmerksam zu machen; und ist dies der Fall, wieviel leichter muß es ihm dann, durch seine Vorübungen, werden, thatkräftig au seinem wahren Heil zu arbeiten (Schluß folgt.) Literarisches. i. Halberlstadt, den 3. Nov. In meiner in Nr. 43 des Israelit angeregten Frage über die Stelle der in dem pu-, '.i> von den Talis - Anlagen enthaltenen Parallele der 365 Verbote mit den 365 Adern des menschlichen Körpers ersuche ich verehrliche Redaction folgenden Nachtrag aufzunehmen. R. Joseph Aldo (vor ungefähr 500 Jahren lebend) hat in seinem Jkkarim O. 27 diese Parallele indirect desavouirt. Er sagt nämlich unter Anderm: „Die Vollkommenheit, welche die Ausübung der Gebote gewährt, verschafft die Beobachtung der Verbote „nur dann, wenn man der Versuchung der Uebertre- „tung aus reiner Liebe zu Gott und aus Ehrfurcht „vor ihm widersteht. Und deßhalb hat Gott neben „den 248 Geboten, welche den Gliedmaßen des Menschen entsprechen, auch 365 Verbote, ganz entspre- „chend den 365 Tagen des Sonnenjahres, uns vorgeschriebe«, um uns durch diese in die Augen fallende „Parallele begreiflich zu machen, daß durch die Verbote sich ebensowohl Vollkommenheit erreichen laste, „als durch die Gebote, trotz ihres bedeutenden Gegensatzes; denn Thun und Unterlasten stehen sich doch offenbar diametralisch entgegen. In dem Umstande „nämlich, daß die Zahl der Gebote 248 der Zahl der „menschlichen Gliedmaßen entspreche, liegt die Andeu- „tung, wie durch die Glieder, insofern sie wirklich vorhanden find, die mit ihnen bezweckte Vollkommenheit „fiir den Menschen, Käfern er ein lebendiges We- „sen ist, erreicht wird, so wird durch die positiven Gebote die mit ihnen bezweckte Vollkommenheit für „für den Menschen, insofern er Mensch ist, erreicht, „indem sie nämlich thatsächlich, nicht blos nach „Glauben und Wissen, ausgeübt werden. In dem „Umstande aber, daß der Verbote 365 find, entsprechend den Tagen des Sonnenjahres, soll „begreiflich gemacht werden, daß die Verbote, trotzdem, haß sie nichts wirklich Vorhandenes zu thun bestim- „men, der menschlichen Seele Vollkommenheit bringen. „Wie nämlich die Zeit nichts wirklich Vorhandenes „ist — denn die Vergangenheit ist nicht da, und die „Zukunft ist noch nicht in die Wirklichkeit herausge- „treten, es bleibt demnach nichts übrig, als die, das „Bindemittel zwischen Vergangenheit und Zukunft, bildende Gegenwart, welche aber im wahren Sinn des „Wortes Z eit. (welche aus einer aneinandergereihten „Vielheit besteht und darum nothwendig den BegrU „der Theilbarke t mit sich führt) diesen Namen schon „deshalb nicht tragen kann, well ihr Verhältniß zur „Zeit das des Punktes zu der Linie, und sonach „erwiesenermaßen die Zeit nichts wirklich Vorhandenes „ist — und dennoch allen Dingen, die in der Zeit vorhanden sind, die Vollkommenheit des Daseins gibt, „so geben auch die Verbote, trotzdem, daß sie nichts „wirklich Vorhandenes haben, der menschlichen Seele „Vollkommenheit, insofern das Verbotene aber unterhleibt. Ihre Anzahl ist nämlich deßhalb 365 um „auzudeuten: wie die Zeit nicht wirklich da ist, so soll „auch alles Verbotene unterbleiben, und dadurch geben „sie der menschlichen Seele Vollkommenheit, wenn das „Unterbleiben aus Liebe zu Gott und aus Ehrfurcht „vor ihm geschieht, gerade wie die Zeit durch ihr Nicht- „wirklich-vorhandensein den vorhandenen Dingen Vollkommenheit bringt." Hätte Aldo eine Ahnung von der Parallele der 365 Gebote mit den 365 Adern des menschlichen Körpers gehabt, die — und noch viel mehr — wirklich vorhanden sind und seine schöne Conjunctur vernichten, so würde er diese Unterlasten, oder mindestens die contraversirende Ansicht angeführt haben. Dagegen weiß Bechai (der jüngere, ungefähr vor 550 Jahren lebend, conf. Commentar zu Paraschat Jitro) Treffliches über die Vergleichung der 365 Verbote mit 365 Adern zu sagen (Notiz aus dem Brief eines Gelehrten, besten Namen ich nicht weiß, weil im Drange der Geschäfte der Brief abhanden gekommen). Auch R. Majir b. Jecheskel b. Gsöbbai (nicht lange nach Albs lebend, berühmt durch seine Schriften snipn riiap ,.inos« schon im Jahre in Mantova erschienen) spricht ausführlich im 27. C. des zweiterwähnten Werkes über diese Parallele, und gibt zugleich die sinnreiche Erklärung (welche ich auch bei dem spätern Alschich am Ende des Commentars zu Kohelet finde) über die Schluß-