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Der Israelit · 1863-11-18 · Heft 46 (18.11.1863) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 46 (18.11.1863)
Date
1863-11-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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564 len Operation der Beschneidung. preis. Der Art ist ferner das Erlaß- und Jubeljahr, Mg die Furcht vor Hungersnoth zu überwirtden ist, das dreimalige Erscheinen jährlich alles Männlichen in Jerusalem, wo man das Theuerste, Weib und Kind und greise Eltern, wenig beschirmt vor Feindeshand, zurücklafsen und für ihr Leben und Wohlsein zittern mußte und noch andere ähnliche Gebote mehr. V. Durch nachdrückliche Erinnerung an den Himmel und Gewöhnung an thatkräftiges Handeln. Es ist eine schon oft gemachte Bemerkung, daß die Sinne und das Sinnliche über den Menschen eine stärkere Gewalt üben, als die Vernunft und überhaupt Alles, was den Geist angeht. Die Ursachen liegen nicht fern. "Äje Sinne sind beim Menschen, schon in frühester Zeit/^U reger Thätigkeit, schon das Kind wird von der Ramr mächtig angetrieben, den Anforderungen des Hungers, Durstes und anderer sinnlichen Bedürfnisse zu begegnen, die Sinne sind ferner beinahe ununterbrochen thätig und dringen sich dem Menschen fast unabweislich auf, während Vernunft und Geist in der Kindheit noch halb im Schlummer liegen und erst im reiferen Alter zu einer gehörigen Wirksamkeit erwachen, und auch dann noch mehr unterbrochen auftreten und sich minder gewaltig äußern. Zudem liegt auch das Sinnliche uns weit näher, indem hier auf Erden alle Gegenstände um uns her sinnlicher Art sind, und es kann uns daher wenig in Verwunderung setzen, wenn die Sinne ein entschiedenes Uebergewicht erlangen und es ihnm gelingt, den Menschen vom Höheren, wenn ich so sagen darf, vom Himmel, wo sie Fremdlinge sind, ab, und zur Erde, wo sie heimisch sind, niederzuziehen. Vernunft und Offenbarung haben schön lehren, daß unsere eigentliche Bestimmung darin bestehe, höherer Pflichten zu warten und daß wir deßhalb die Smnenlust möglichst bezähmen und uns sinnliche Genüsse, so weit sie entbehrlich, versagen müssen; wir sind damit einverstanden, und gleichwohl pflegt die Sinnlichkeit uns unzählige Mal zu unterjochen und uns zu verleiten, ihr zu Liebe jene Pflichten gar nicht oder doch sehr schlecht zu üben. Wie oft pflegt das Streben nach irdischen Gütern und Genüssen oder auch nur die Freude über Erlangung derselben, wie oft pflegm wieder drückende Sorgen, fehlschlagende Hoffnungen, ja, das Gewühl des Geschäftslebens unser ganzes Wesen so zu erfüllen, daß für alles Andere kein Raum bleibt, daß wir für alles Andere gleichsam weder Aug noch Ohr haben! Und wenn auch zuwejlen ein geistiger Funken in unserem Gedächtnisse aufglimmt, wenn wir auch zuweilen im Gewühl des irdischen Treibens uns flüchtig a« unsere hohe Bestimmung erinnern, wie schwer hält den Funken zur Flamme anzufachen , wie schwer es für den, dem solche Erinnerungen selten kommen, denselben Dauer und Uebergewicht zu verschaffen, wie leicht verwischen sich nicht solche seltenen Erinnerungen wieder aus dem Gedächtnisse! Wir bedürfen öfterer Erinnerungsmittel, um von Zeit zu Zeit die Erinnerung an unsere hohe Bestimmung in unserem Gedächtnisse aufzufrischen; und zwar bedürfen wir sollcher Mittel, die an sinnliche Gegenstände geknüpft sind, damit sie, selbst sinnlicher Ratur, geeignet seien, sich unserem Hange zur Sinnlichkeit mit genügender Lebhaftigkeit entgegenzustellen. Aber auch solche Erinnerungen allein genügen nicht, und lassen noch immer eine Lücke auszuküllen. Wir mögen von unseren höheren Pflichten noch so sehr überzeugt, an sie noch so oft erinnert werden, bis zur Handlung bleibt immer noch ein großer Schritt zu thun übrig. Wenn wir auch den festen Vorsatz gefaßt haben, das sinnliche Interesse dem höheren aufzuopsern. diese oder jene moralische oder religiöse Pflicht zu üben, es fehlt uns häufig an gehöriger Thatkraft. Wir zaudern und verschieben und darüber geht der schickliche Moment verloren, oder wir gehen träge und lässig zu Werke und thun, was wir thun sollen, nur halb. Die Thatkraft bedarf der Uebung, und es kann daher nur von außerordentlichem Nutzen sein, wenn wir bestimmt werden, aus höheren Rücksichten gewisse, den zeitlichen Interessen fremde Handlungen, zu bestimmten Zeiten, durchaus zu üben, um dadurch besser die schwere Kunst zu erlernen, rasch und thatkrästig die Hand ans Werk zu legen, wo es höhere Pflichterfüllung, wo es die Erstrebung unserer eigentlichen hohen Bestimmung gilt Entsprechen aber die israelitischen Ceremoniulgebote jenen eben erwähnten beiden Erfordernissen nicht? Sind nicht z. B. die M'L'L am Gewände, die pvOcr, die täglich um Haupt und Hand gewunden werden, solche an sinnliche Gegenstände geknüpfte Erinnerungen mittel, die ein gläubiges Gemüth täglich, ja. stündlich auf das Anschaulichste an dm himmlischen Gesetzgeber und sein Gesetz, an Offenbarung, Vorsehung, eine Menge damit verbundener ewiger Wahrhelten und überhaupt an seine hohe Bestimmung und Pflichterfüllung erinnern können und müssen? Dieselbe Bewandtniß hat es mit der an der Thürpfoste befindlichen mnv, die uns jedesmal beim Ein- und Ausgehen ein anschauliches Erinnerungsmittel werden kann und so mit allen ähnlichen Geboten und Benoten; der Unterschied besteht hauptsächlich darin, daß di.se zu dieser, jene zu jener Zeit ihre Erinnerung au bringen. Sind nicht ferner diese Gebote, deren Ausübung uns zu dieser oder jener Zeit durchaus obliegt, zugleich die besten Mittel, uns zu gewöhnen, unsere Trägheit zu besiegen und unsere Dhatkrast für die Vollziehung des göttlichen Willens und der höh ren Pflichten zu übest und zu stählen? G'wiß, sie si d es, und völlig gerechtfertigt srscheint demgemäß die Reg. l unserer? weisen Lehrer: s"p"« mLv2r.7r-i.ivr v-w p.vz,'

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