Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 45 (11.11.1863)
- Date
- 1863-11-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage zu Nr. 45 des Zsraelit. Zeitungsnachrichten u. Carrrspandelyrn. Deutschland. Leipzig. In Nr. 44 d. a. Z. d. I. wird anläßlich des berüchtigten pommerischen Urtheils eine öffentliche Aufforderung erlaffen, das Kol Nidre allgemein abzuschaffen. Wie wir hören, sollen künftighin noch andere derartige „Aufforderungen" folgen; da nämlich die Juden vielfach wegen des Nichtgenuffes des Schweinefleisches verhöhnt werden, so wird man in der a. Z. d. I. nächstens sämmtliche Reformrabbinen auffordern, das Verbot des Schweinefleisches aufzuheben. Aehnliches soll dann auch in Bezug aus die Beschneidung geschehen und so fort, bis dann endlich .Allein auch die Taufe kann höchstens aus Juden nur „ getaufte Juden" machen — was dann? O, über die Gefinnungs- und Characterlosigkeit, die nicht den Mnth und die Kraft hat, unsere heilige Religion zu vertheidigen, die durch Aufgeben mißdeuteter Gebräuche der Verleumdung noch den Schein des Rechtes verleiben will! Zwar verwahrt sich die Red. d. a. Z. d. I. in einer Anmerkung hiegegen, wozu aber veröffentlicht sie jene schmähliche Aufforderung? In Nr. 43 des B.-Ch. befindet sich eine Correspondenz vom Rhein, deren Schreiber der liebenswürdige Herr Löw, Red. d. B.-Ch., selber ist — wie er ja auch unlängst dem Gerichte zugestanden hat, daß er viele von auswärts datirte Correspondenzen an sich selber schreibt, „von mir an Mich". Namentlich geschieht das bei solchen Correspondenzen, bei denen es sich ohnedies um Lüge und Verleumdung handelt, wo es dann auf eine Lüge :mehr der weniger nicht ankömmt. Jeder, welcher die Schreibweise des Herrn Löw kennt, erkennt sofort in dem erwähnten Artikel das Geistesprodukt des Redacteurs: das schlechte Deutsch voller Barbarismen und Provinzialismen, die Menge grammatischer Fehler, der ebenso elende wie hämische Witz, wie „ M'Orkus statt Markus" charaeterisiren diesen maghrürifirtenMarhanen genugsain, die Fluch von Flüchen urtd Schimpfworten gegen Sie, geehrter Herr Redacteur, nicht minder; lasten Sie Sich durch diese letzteren nicht beirren. Von Löw beschimpft zu werden kann nur ehrenvoll i sein — theilen Sie doch dieses Loos mit den edelsten und heiligsten Männern Israels, mit den Amaraim, j Maimonides, R. Moscheh Sopher u. s. w.; die Flüche wird der Allgerechte in Segenssprüche umwandeln wie die des Bileam. Einen eigenthumlichen Eindruck macht es jedoch, zu sehen, wie Löw, der Lügner und Verleumder von Profession, Stellen aus schriftlicher und mündlicher Lehre sammelt, die den Verleumder und Lügner be- , drohen; möchte er doch die von ihm citirten Aus-! sprüche des Psalmisten und der Talmudisten, sowie noch manche andere, sich recht zu Herzen nehmen und endlich von seinen bösen Angewöhnungen lassen. Oesterreichischer Kaiser st aal. Abony (Ungarn), Ende Oktober. (Schluß.) Aber bei allem Respekt, den wir vor der wissenschaftlichen Bildung haben, bei aller Huldigung, die wir gerne dem Genius der Wissenschaft darbringen, stehen wir dock nicht an, unsere unmaßgebliche Meinung auszudrücken, daß wir lieber bei einem Rabbiner die akademische Bildung, als die gründliche Talmudkenntniß vermissen. Wir sehen schon das mitleidige Lächeln, welches diese unsere „befangene" Ansicht auf den Lippen einer gewissen Coterie hervorruft, doch das kümmert uns wenig, wir glauben vielmehr, daß auch das gewiß unbefangene Urtheil einer verehrlichen Redaktion d. Bl. uns beipflichten wird, wenn wir sagen, daß ein Mann, der seine wissenschaftliche Bildung auf Kosten seiner Talmudkenntniffe erlangt in;edem Amte eher aus seinem Platz sein werde, als in dein eines jüdischen Rabbiners. Wir glauben, daß jeder, der auch nur einen Begriff vom Judenthum und seinen in s Leben tief eingreifenden Anforderungen hat, die Wahrheit unserer Behauptung erkennen wird. Daß es wohl so sein sollte, ist ««bezweifelt, aber von der Theorie zur Praxis ist ein gar weiter Sprung, und ein Blick in das Leben läßt uns die traurige Wahrnehmung machen, wie oft gar arg gegen diese einfache Wahrheit gesündigt wird. Bei uns in Ungarn nämlich find die Aspiranten, die sich um ein Rabbinat bewerben, größtentheils in