Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 45 (11.11.1863)
- Date
- 1863-11-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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554 ben kann, als den zwischen uns und^ihm von jeher obwaltenden '2-ri-NQnbvv -rin Kecskemöt im October. Hs« AMHtt Amm- Md WlgertvotzmmM in zerulsltin. Bär Zopp aus Obernzenn 24 kr. — <F. d. A. d. h. L.: L. I. 3 fl.; abz. Porto 2 fl. 47 kr.) Zeitungsnachrichten A. Correspsnderyrn. Deutschland Bad Homburg, den 31. Oct. In Nr. 42 des „PH. Volksblattes (?)" theilte ein gewisser Louis Lehmann aus H. (wahrscheinlich aus besonderer Vorliebe für seine Vaterstadt nennt er bloß den Initialbuchstaben) eine Correspondenz zwischen ihm und I)r. F. in O. in drei Briefen mit, die eher ein „großes Zerrbild" als ein „kleines Zeitbild" zu nennen ist, denn besonders im dritten Briefe constatirt er muthmaßliche Thatsachen, die G. s. D. auf unsere fromme Gemeinde, die er doch offenbar im Auge hat, mit einigen Ausnahmen, nicht anwendbar sind. Nachdem er dem „Seelenarzte" in O. seine Gewissensfrage, ob er ein rein chr.-dogmatisches Lied bei dem hierorts abzuhaltenden Mainthal-Sängerfeste mitsingen sollte, vorgetragen, gesteht er, daß er nicht anstehen würde, den Stifter der chr. Religion als „großen Menschen", „Märtyrer des Forschrittes" anzuerkennen. Wir wollen ihm auf das Feld seiner dogmatischen Anschauungen nicht weiter folgen und nur soviel constatirend memoriren, daß ein soeben in den Salon eines „Seelenarztes" tretender Reformjünger den Stifter der chr. Religion als einen „Märtyrer des Fortschrittes!!" anerkennt, und von diesem „Seelenarzt", der auch ein Mann des Fortschrittes, kein wirkendes Recept gegen diese , Krankheit des gesunden jüdischen Religionsbegriffes! verschrieben bekommt. Wie sich ein solches Glaubens-? bekenntniß mit der jüdischen Disciplin und einem > „wahrheitsliebenden CharMer" verträgt, bleibt natür- > ^ich dahingestellt, nur möge sich jeder die Paralelle! ziehen, daß auch die Reformer der Jetztzeit sich „Männer" und „Märtyrer des Fortschritts" nennen. — Herr L. gerirt sich im dritten Briefe, als besitze er das, was Alex. v. Humboldt von jedem denkenden, charakterfesten Menschen verlangt, nämlich „den Muth einer Ueberzeugung"; nun — wir verlangen von ihm die „Ueberzeugung dieses seines Muthes", finden sie aber nicht in seinem Auftreten gegen den Präsidenten des hiesigen Singvereins, der seine Ansicht nicht theilte und dem gegenüber energisch aufzutreten er „im Interesse des Vereins" nicht den Willen hatte. Was wäre wohl mehr im Interesse eines jüdischen Vereins gehandelt, als dessen Mitglieder von einem „im begeisterten Gesäuge" auszusprechenden Bekenntnisse abstehen zu machen, das nicht auszusprechen Viele unserer Ahnen sich dem Märtyrertode Preisgaben! Doch was soll sich auch ein reformsüchtiger Laie, wenngleich Vorstandsmitglied, unnütz bemühen, Etwas zu Hintertreiben, was selbst einem Reformrabbiner, bei dem doch zuerst angefragt wurde, nicht gelang, und möge die Nichtbeachtung dieses Gutachtens des Reformrabbiners F. seitens des hiesigen Singvereins den „starken Beweis" annulliren, den Herr L. zu führen sucht, daß da, „wo dem gemäßigten Fortschritte huldigende Männer an der Spitze stehen, der Jude sich auch da, wo es gilt, die Fahne fernes Glaubens hoch zu halten, am würdigsten zu benehmen weiß!" Daß aber auch vom hiesigen Rabbiner Alles aufgeboten wurde, um das Singen dieses Kirchenliedes zu vereiteln, wird doch selbst Herr L. nicht leugnen; ein lateinisches Lied wurde von ihm ins Deutsche übertragen, um dem etwaigen Vorwand vorzubeugen, als hätte man den Inhalt desselben nicht gekannt; specielle Schritte wurden noch gethan, und wirklich hatte dies den Erfolg, daß Manche sich vom Mitsingen dieses Liedes enthielten, somit Herr L. nicht „allein da stand mit seiner Ansicht" und nicht allein Anspruch hat auf diese heldenmüthige Ueberwindung. Daß diese Lieder nun dennoch für den Verein im Allgemeinen angenommen wurden, lag rein am Vorstande, dessen Mitglied Herr L. ist, in dessen Hand es lag, gleich bei Feststellung des Programmes seinesrheils Opposition zu machen, wozu er aber „im Interesse des Vereins" (!) den Willen n i ch t hatte.