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Der Israelit · 1863-11-11 · Heft 45 (11.11.1863) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 45 (11.11.1863)
Date
1863-11-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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551 Leiden heimsuchen zu lassen, indem Niemand, ohne Ausnahme, von denselben ganz frei bleibt. Es liegt aber ans der Hand, daß in einem Zustande der Leiden Ergebung wohlthätig, Mangel an Ergebung nachtheilig einwirken muß. Mangel an Ergebung oder Ungeduld und Unzufriedenheit sind schon an und für sich ein Uebel, und müssen also, wenn sie zu anderen Leiden hinzutreten, den unangenehmen Zustand des Leidenden bedeutend vermehren, während im Gegentheil Ergebung oder Geduld und Zufriedenheit, besonders der beseligende Gedanke, daß unser hartes Geschick, als eine Fügung der Allgüte, gewiß zu unserem Heile unentbehrlich sei, ohne Zweifel das Drückende unseres Zustandes jedenfalls mildern und erleichtern müssen Ueberdies pflegen Ungeduld und Unzufriedenheit eine Aufregung und Unruhe in uns hervorzurufen, welche uns verhindern, über die Mittel zur Abhilfe von Leiden mit erforderlicher Ueberlegung nachzudenken und solche gehörig anzuwenden, während Geduld und Zufriedenheit gewöhnlich von einer gewissen Gemüthsruhe begleitet werden, welche uns zu Beidem gar wohl geschickt gemacht. Ungleich höher jedoch ist der Nutzen der Ergebung für die Beförderung des ewigen Wohles anzuschlagen. Denn wenn es wahr rst, daß kein Mensch von Ungemach und Leiden ganz verschont bleibt, wenn es nicht minder wahr ist, daß des Menschen ewiges Wohl oder höchste Glückseligkeit in der Liebe zu Gott besteht, so ist es ebenso wahr, daß Mangel an Ergebung diese höchste Glückseligkeit hindern und Ergebung solche befördern muffe, indem Mangel an Ergebung oder Unzufriedenheit störend in die Liebe zu Gott eingreifen muß, weil wir keinen Gegenstand, zur Zeit, da wir mit ihm unzufrieden sind, im eigentlichen Sinne des Wortes, lieben können, Ergebung hingegen oder Geduld und Zufriedenheit aus Vertrauen zur Altgüte, stets mit der Liebe zu Gott in der schönsten Harmonie bleibt. Hiernach läßt sich einsehen, warum — nach Behauptung der Talmudisten, was auch die heilige Schrift und die Erfahrung bestätigt — die göttliche Vorsehung zuweilen, während sie gewöhnliche Menschen verschont, gerade dH: tadelfreiesten ilmd frömmsten Individuen mit Ungemach und Leiden heimsucht, nicht etwa zur Strafe, sondern lediglich aus Liebe, um dadurch deren höchste Glückseligkeit zu bezwecken und wieso dergleichen Heimsuchungen zur Erreichung solchen Zweckes geeignet seien? Wenn, wie oben erwähnt, unsere höchste Glückseligkeit in der höchsten Liebe zu Gott besteht, so können wir erstere nur erlangen, indem sich uns Gelegenheit bietet, letztere an den Tag zu legen und indem wir diese Gelegenhet nicht unbenutzt vorüberlaffen. Die Liebe steigt immer höher, je schwerer sie «ns wird, je mehr Hindernisse sie siegreich überwindet, und Hindernisse der Liebe zu Gott sind ganz besonders Ungemach und Leiden. Wer diese siegreich überwindet, wer trotz dersedlen in ungetrübter Liebe zu Gott ausharret, der hat einen hohen Grad dieser Liebe bekundet und demnach einen hohen Grad der Glückseligkeit erlangt; je stärker die siegreich überwundenen Leiden, desto höher der Grad der Liebe und der Glückseligkeit. Nun läßt sich eine siegreiche Ueberwindung besagter Hindernisse mit Grund der Wahrscheinlichkeit sicherlich nur von den frömmsten, vielfach bewährten Gemüthern erwarten, nur ihnen gegenüber also dürften diese Hinderniffe sich als heilsam beweisen, dem gewöhnlichen Menschen hingegen dürsten sie leicht überaus gefährlich werden, weil zu vermuthen steht, sie werden eher Sieger bleiben, als besiegt werden, mit anderen Worten, sie werden eher eine Abnahme der Liebe zu Gott oder Murren gegen die göttliche Schickung, d. h. Unheil, als ein Ausharren in Liebe oder Ergebung, d. h. Glückseligkeit, zur Folge haben. Deswegen aber ist es der allerhöchsten Güte, welche alle ihre Kinder liebt, angemessen, Leiden und Ungemach, als schwere Prüfungen, gerade über den würdigsten, sittlich stärksten Theil des Menschengeschlechtes zu verhängen, um ihm Gelegenheit zu bieten, seine Kraft zu üben und zu bewähren, eben weil zu erwarten steht, daß er die Prüfung bestehen und sie ihm zum Heil gereichen werde, den gewöhnlichen, schwächer« Theil hingegen, von welchen ein Gleiches nicht zu erwarten steht und dem solche Prüfung hohe Gefahr droht, damit so lange zu verschonen, als sie nicht unumgänglich nothwendig ist. *) (Schluß folgt.) *) Vielleicht dürfte an diese unsere Betrachtung der Midrasch gkdacl't haben: -,8V.1 ^-> -,''x ^2' L.lHp P'SOQ 12'XW O'PP'IQ O'rplp '^'X l^'LXld' 2'2' P"N2 x^ 12! 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Wenn der Meister di« Proben mit guten und nicht mit schlechten Krügen macht, so geschieht dies selbstverständlich nicht etwa aus Mitleid und Schonungsgefühl gegen Letztere, die, als leblose Dinge, keine solche Gefühle erregen können, sondern im Interesse des Meisters, weil Erstere die Proben halten und dadurch zu dessen Lobe und Nutzen beitragen, Letztere hingegen dessen Ruf gefährden werden. Arhnlich, meint der Rabbi, wird der Fromme geprüft, weil er zumeist die Prüfung besteht, und dadurch zur Verherrlichung und Freude seines Schöpfers

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