Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 45 (11.11.1863)
- Date
- 1863-11-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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SSO nn vor dem Denkbaren zu entdecken, unter zweien Wegen, die vor ihm Kegen, den wahren aufzufinden und den falschen zu verumden. W HMrf hierüber keiner Weitläufigkeit; Kenn wer nMd «Dt schon die Erfahrung des JrrchuMs -M sich seOft geEcht haben? Wer wird es nicht bei sich selbst gewahr worden sein, daß er heute sich von irgend etwas überzeugt gehalten, das er morgen als unwahr verworfen und später wieder angenommen, und daher das. eine oder das ani dere Mal ohne Zweifel geirrt habe^ Und eben diese Anlage zum Jrrlhum machen sich die menschlichen Leidenschaften zu Nutze, indem sie die Vernunft durch allerlei Künste und Lockungen mit mächtiger Gewalt auf Abwege mit sich fortreißen, wo dann die Vernunft die zügellosen Wünsche der Leidenschaften durch "Schemgründe beschönigt und billigt und ihnen nicht nur kein Hinderniß in den Weg legt, sondern vielmehr ihrer Befriedigung das Wort. redet. Wie.gefährlich aber für uns sind die Verirrungen 5er Vernunft und die daraus fließenden Handlungen, wie viel gefährlicher, als die Verirrungen der bloßen Leidenschaften. Den Leidenschaften, wenn die Vernunft nicht mit befangen ist, pflegen wir starken oder doch schwachen Widerstand zu leisten, wir pflegen die von ihnen veranlaßten Fehltritte, nach gestillter Lust, zu bereuen und ernste Entschließungen zur Besserung zu fassen, wir suchen gewöhnlich jene Fehltritte zu verbergen und machen uns kein Verdienst daraus, Andere zu denselben zu verleiten. Mit den Abirrungen der Vernunft hingegen ist es gerade umgekehrt. Wir leisten den von ihnen veranlaßten Fehltritten nicht nur keinen Widerstand, sondern bestreben uns vielmehr, sie zu begehen, weil wir sie für recht halten; wir bereuen sie nicht, sondern sind vielmehr stolz darauf, wir tragen sie öffentlich zur Schau, halten Andersdenkende für unwissend, und machen uns ein Verdienst daraus, sie zu belehren und zu unserer Handlungsweise zu verleiten. Diese Unzulänglichkeit der Vernunft für sich allein ist sicherlich eine der vorzüglichsten Ursachen, die die Allweisheit bewogen, ihr in Rücksicht des höchsten menschlichen Zweckes, durch die Offenbarung zu Hilfe zu kommen und ihr den wahren Weg des Heils zu zeigen. Da jedoch die Offenbarung nicht für alle Zeiten jedem Individuum, was er unter allen Umständen für sein Heil zu thun und zu lasten habe, vorschreiben kann, sondern sich mit allgemeinen Vorschriften begnügen muß, so bleibt noch immer ein großer Theil seiner Handlungsweise der Einsicht und Vernunft eines jeden einzelnen Menschen überlässen, dem es übrigens obliegt, nach Anleitung der Offenbarung zu urtheilen und zu handeln, und zwar mit äußerster Vorsicht und Behutsamkeit, mit steter Erinnerung an die Beschränktheit und Unzulänglichkeit der Vernunft, um nicht durch Uebereilunä und Anmaßung in Jrrlhümer'Und 'Fehltritte zu verfallen. Wie schwer muß uns jedoch jene Vorsicht und BehUtsamkeit werden, wenn wir uns durch die Ueberredungskunst der Vernunft auf das deutlichste überzeugt halten, wie schwer muß uns die Erinnerung werden, dich unsere Vernunft dem Jrrthum unterworfen ist, werMMür die Wirksamkeit Vernunft stets auf das Ueverzeugendste in uns wahrnehmen, den Jrrthum hingegen nur selten bemerken und nur selten daran erinnert werden! Man könnte sagen, das Dasein einer Offenbarung überhaupt genüge, um uns die Schwäche der Vernunft ins Gedächtnis zu rufen, aber mit Nichten, da, abgesehen von den religiösen Thathandlungen, den rn2O, der größte Theil der geoffenbarten Vorschriften der gesunden Vernunft gar wohl zugänglich ist; ja, deshalb könnte die Offenbvrung sogar Manchen in der Meinung bestärken, daß man jedenfalls in allen Fällen, wofür keine absoluten geoffenbarten Vorschriften da sind, sich ohne Bedenken den ersten Eingebungen seiner Vernunft überlasten dürfe und müsse. Weit leichter hingegen müssen uns diese' heilsame Vorsicht und Behutsamkeit werden, wenn wir uns im Besitze von Erinnerungsmitteln sehen, die gleichsam von Zeit zu Zeit nachdrücklich den Warnungsruf an uns ergehen lassen, daß die Vernunft unzulänglich sei und daß es dieserhalb höchlich noth thue, vor Uebereilung und Anmaßung ganz besonders auf der Hut zu sein. Was aber sind die Ceremonialgebote, die religiösen Satzungen und Bräuche und gerade diejenigen, deren Ursachen wir am wenigsten zu begreifen im Stande sind, was sind sie anders — sage ich — als solche Erinnerungsmittel, die uns an die Unzulänglichkeit unserer Vernunft jederzeit und auf das Nachdrücklichste erinnern müssen? Wir üben im Leben bald diese, bald jene Handlung, welche die Allweisheit uns als verdienstlich vorgeschrieben, und gleichwohl sind diese Handlungen unserer Vernunft ein Mthsel, wäre sie geneigt, dieselben für gleichgiltig und geringfügig anzusehen. Diese Wahrnehmung muß uns jedesmal an die Kurzsichtigkeit und Unzulänglichkeit unsexer Vernunft erinnern, muß uns vorsichtig und behutsam in unseren Urtheilen machen und uns dadurch vor Uebereilung und Anmaßung und den Varäüsfließenben Jrrthümern und Nachtheilen im Leben möglichst bewahren. II. Als Förderungsmittel mancher Vorkommenheiten. Durch Gewöhnung an Ergebung in den.Willew Gatks / -- ° t Die Ergebung in den göttlichen Willssfl oder das Ertragen der hienieden uns heimsucheyden Widerwärtigkeiten, aldeine Schickung Her AlMtk //mit' Geduld und ohne Murren, ist eine dem Menschen zur Beförderung seines zeitlichen wie ewigen Wohles uneut-- behrliche Tugend. Zur Beförderung seines zeitlichen Wohles, weil es augenscheinlich int Plane des Weltonregierers liegt, den Menschen, während serner irdischen Mt, tüchr oder minder VVN Widerwärtigkeiten zmd