Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 44 (4.11.1863)
- Date
- 1863-11-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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541 womit mau unfern öffentlichen Character zu umgarnen gesucht, durch eine wahrhafte Darstellung der verdrehten Thatsachen zu zerreißen, den von B.-Ch. uns aufgedrängten Kampf entschlossen unzunehmen, indem wir bei dieser Gelegenheit auf die ganze Tendenz B.-Ch.'s das Augenmerk des geehrten Lesepublikums, wende« und selbe zu beleuchten suchen. Wir vörhehlen uns nicht, daß wir voraussichtlich hiedurch B.-Ch. Gelegenheit geben, sein Blatt allwöchentlich mit Schmähungen über uns zu stillen und uns zum Stichblatt seiner Zankmanie zu machen; allein diesen Liebesdienst sind wir ihm schuldig, nachdem er unsere Wenigteil all den hochverdienten und von ihm bestgeschmähten Männern beigesellt hat. Schreiber dieses, dessen ehrw. Vater im Amte ergrauet und seit acht und zwanzig Jahren in der drittgrößten ungarisch jüdischen Gemeinde zu Miskolcz als Oberrrabbiner friedlich wirkt, wußte von dem seiner Vollendung entgegenschreitenden Tempelbau zu M. nur so viel, daß die von seinem ehrw. Vater zu niedrig befundene Frauengallerie zufolge seiner wie immer im freundlichsten Tone gestellten Aufforderung durch ein dem Tempel zur Zierde dienendes Gitter erhöhet ward. Am 24. August erhielten wir ein Telegramm mW einige Tage darauf ein Schreiben, worin der ehrsame Vorstand unserer vaterstädtischen Gemeinde uns einladet, der auf den 3. September festgesetzten Tempelweihe anzuwohnen und dem ehrw. Vater affistirend die Festrede zu halten. Durch eine dringende Angelegenheit der eigenen Gemeinde zurückgehalten, konnten wir erst am 2. September Mittags in M. eintreffen, rvo als Zeichen der Hochachtung für den geehrten Vater, und weil überhaupt Ti-nnii in M. noch heimisch ist, eine zahlreiche und hochachtbare Deputation, den geehrten ersten Vorsteher an der Spitze, uns empfing — dies nennt B.-Ch. einer Gemeinde ausgedrängt werden. — Die wenigen Stunden bis zum folgenden Morgen waren schnell verflossen. Um 9 Uhr begann die Einweihungsfeier, wobei der ehrw. Vater beim Anzünden des -i'On eine an die geknüpfte paffende Ansprache hielt, das Weihgebet in ergreifender Andacht vortrug, woraus, nachdem noch vr. P. in einem ungarischen Vortrage die Geschichte dieses Tempelbaues geschildert hatte, die Festrede von uns folgte, die der Correspondent B.-Ch.'s so langweilig und inhaltlos gefunden; wir muffen es Andern überlassen zu beurtheilen, welchen Einfluß dessen klar am Tage liegende Unparteilichkeit und Wahrheitsliebe aus seine gelinde und schonungsvolle Kritik geübt haben mag. Nun erst, nachdem die festliche Aufregung vorüber war, überzeugten wir uns von dem Vorhandensein einer zwar still enOppofition gegen die einge^ führten Choratgesänge, die absr theils von Außen geweckt wurde, durch solche, welche ernstlich meipey, Map könnte eine große aus den verschiedensten Elementen bestehende Gemeinde eben so rückfichtslos leiten wie selbe ihre die über den höchstehrw. Rabbiner H., weil er durch Wort und That dafür wirkt, daß die Rabbinatsjünger auch in profaner Wissenschaft unterrichtet werden sollen, über die Gemeinde zu P., weil sie einen Kanzelredner angestellt ihr Anathem ausgesprochen; theils im Innern genährt wurde, weil eine Partei kein Hehl daraus machte, beim Choralgesang nicht stehen bleiben zu wollen. Dieß bestimmte uns am Schluffe des samsttägigen Vortrages — in welchem wir nachzuweisen gesucht, wie die Aufklärung durch Eintracht bedingt ist, diese hinwieder in jüdischen Gemeinden nur erhalten werden kann, wenn im jüdischen Geiste fortgebauet und das Uebereintommen geschützt wird — folgendes zu erklären: „Der Choralgesang ist ^an sich durchaus nicht gegen den n und obwohl rn-H, dürfen wir uns diese Behauptung „hier erlauben, weil der Schulchan Aruch nichts vor- „schreibt über die Gesangweise, mit Ausnahme dessen, „daß an den 2'2' eine Veränderung der Gelänge zu vermeiden sei , damit die Andacht nicht gehört werde. Nun sind eben bei den Chorälen die „alten dem Volke lieb gewordenen Melodien beibehal- „ten und den Worten angepaßt worden, während die „sogenannten polnischen Chasanim-Gesänge, die bei „mehr als blos profanen Gelegenheiten erecutirt wer- „den in die Synagoge eingeschmuggelt und Worte und „Sätze durch einm langen Zwischensang von einander „gerissen hatten. Daß aber dennoch der Choralgottes- „dienst bei den Frommen verrufen ist, hat seinen Grund „darin, weil derselbe zumeist Hand in Hand gehet mit „gänzlich unbegründeten Neuerungen, mit nnjüdijchen „Einrichtungen, ja sogar mit Abrogirung der Gebete. „Nicht wenig hat zu dieser Verrufung die verbreitete „Ansicht beigetragen, als müßte beim Choralgottes- „dienst die Gemeinde zur schweigenden Theilnahmlosia- „keit verurtheilt sein, wodurch allerdings die Andacht „bei einem mehrstündigen Gottesdienste unmöglich wäre.^ — In der That war dies in M. der eigentliche Stein des Anstoßes. — „Allein die gotterleuchteten Ordner „unserer Gebete, die haben sowohl „der stillen Andacht in den .-u'22' als „vorgeschriebener Rechnung getragen, als „auch dem innern Herzensdrange zur regen Theilnahme „der versammelten Beter in den Recitativen und Re- „sponsen zwischen b.-ipi und das unleugbar Erhebende des Choralgottesdienstes bestehet eben darin, „daß die Choralien sehr bald der ganzen Gemeinde „geläufig werden und das Einsallen derselben in die „Responsen des Chors nicht nur keine Dissonanz, sondern eine gehobene feierliche Harmonie bewirkt. Wenn „jedoch der an und für sich erlaubte weihevolle unv „nur durchseine gewöhnliche Bnndesgenossenschaft ver „dächtigte Chor die hiesige beim Tempelbau so ein-