Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 44 (4.11.1863)
- Date
- 1863-11-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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540 Schreiber dieses, der mit dem Szikszver Rebbi auf einer Stufe stehet und der dortigen Gern, förmlich aufgedrängt wurde zur Abhaltung der Tempeleinrveihungsrede, mit seiner langweiligen, inhaltlosen Rede vor dem gebildeten Publikum Fiasco gemacht. — Wir glaubten bisher immer, man könnte selbst bei einem ungebildete» Publikum mit einer langweilig inhalt losen Predigt nichts weniger als Furore machen. — Jndeß wußte Schreiber dieses sich beliebt zu machen bei der mit Finsterniß geschlagenen Partei — weil sie sich der Führung B.-Ch.'s und seines Corresp. nicht anvertrauen will — indem er in seiner samstägigen Draschah den Zeitgeist — den B.-Ch.'s und seiner Gesinnungsgenossen — wie auch den geregelten — d. h. gemaßregelten — Gottesdienst ins Lächerliche zog und die Behauptung ausstellte, daß nur ein lärmend tobendes Gebet zu Gott dringt, während eine ruhige Andacht im Widerspruche mit der Religion steht!! Dieser Bericht war so ganz nach dem Geschmacke und Geiste B.-Ch.'s, daß er nicht umhin konnte, in einer Anmerkung zuförderst seine erstaunliche Gelehrsamkeit bewundern zu lassen, indem er mit Hilfe des aus seinem Arbeitstische stets offen liegenden priL' 1,-12 — ob ihm bei leinen journalistischen Arbeiten auch ein anderer iris vor Augen steht, wollen einige bezweifeln, wir aber gehören nicht zu denselben — sogleich mit einem Citat vom Gaon R. Schrira bei der Hand ist, daß es verboten sei mit lauter Stimme zu beten — B.-CH. ist ein wahrer 'vpi', er läßt selbst die abgeschiedenen Geister nicht in Ruh, legt ihnen etwas in den Mund und sie muffen sagen was er will — darauf hält B.- Ch. eine wahrhaftige Buß- und Strafpredigt den Rab binen — nicht etwa den zanksüchtigen, die in ihrer unbändigen Streitlust mit aller Welt täglich anbinden und viel 2^.1 machen, nein, nur denen — welche aus wohlfeiler Klugheit der Unwissenheit — nach B.- Ch.'s Anschauung identisch mit Frömmigkeit — den Hof machen, sich um die talmudischeü Autoritäten nicht kümmern und nicht bedenken, welch ein böses Beispiel sie geben! — Man wird hier unwillkürlich erinnert an das jüd. Sprichwort von der besten Eignung zum r>'2v2. — „Wenn sie, die zur wissenschaftlichen Behandlung des Talmud weder Kenntnisse noch Arbeitslust besitzen, sich so leicht über den Talmud hinweg setzen, was sollen erst die thun, die das von den ardeitscheuen neuorthodoxen Rabbinen vernachlässigte Talmudstudium auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen beflissen find?" (!!!) Man wird es nicht für unbescheiden halten, wenn wir hiermit versichern, daß wir uns nie herabgewürdigt hätten, einer solch unverschämt boshaften Correspondenz auch nur mit einem Worte entgegen zu treten. Wir haben seit einigen Jahren unsere Feder gebraucht sirn heiligen Kampfe für die Kräftigung der noch vorhandenen Glaubenslxeue, für die Erhaltung ) des alten jüdischen Geistes in Synagoge und Volksschule, für die Wahrung des Friedens in den Gemeinden durch Duldsamkeit der Parteien, im ehrlichen Kampfe sowohl gegen Neuerungen, die nichts als Nach ahmungssucht zur Triebfeder haben wie gegen verjährte und noch bestehende Mißbräuche und Uebelstände bei der Heranbildung und Anstellung von Rabbjnen. Wir haben unsere Feder nach unfern wohl geringen Kräften, aber in bester und lautester Absicht gebraucht, bald im offenen Kampfe, bald gedeckt durch den Schild der Pseudonymität, je nachdem wir es mit offenen Gegnern oder mit der verlangten auf Umwegen einherschleichenden Arglist zu thun hatten, und dieses Rüstzeug wollen und dürfen wir nicht entweihen durch eine persönliche Fehde mit einem Parteisöldling, der sich nicht entblödet, uns die gemeinsten Lügen anzudichten, Ansichten und Behauptungen in oen Mund zu legen, die in schreiendstem Widerspruche stehen mit den Ansichten, zu denen wir uns offen bekannt, ja im Widerspruche mit unserem vieljährigen amtlichen Wirken. Wenn aber ein öffentliches Organ einem solchen Berichte, dessen lügenhafte Parteilichkeit ihm vollkommen bekannt ist und für jeden offen am Tage liegt, nicht nur den Eingang in die Oeffentlichkeit mit eifrigster Freundlichkeit öffnet, sondern noch überdies mit einem empfehlenden Geleitschreiben in der Form einer Randglosse versieht; wenn ein jüdisches Blatt seinen im Dienste der Lüge stehenden Berichterstatter noch zu übsrbieten sucht, indem es den Ausspruch einer höchst achtbaren Autorität citirt, falsch auslegt, verkehrt anwendet und die Mehrzahl seiner Leser, die sich nicht Zeit und Mühe nehmen kann, die citirte Stelle auf ihre richtige und eigentliche Bedeutung zurückzuführen, absichtlich irre leitet; wenn die Redaction eines jüdischen, theologischen Blattes mit dem Talmud, seinen eifrigsten Forschern, treuesten Anhängern und Vorkämpfern unverzeihlichen Spott treibt — denn jener Passus, welcher den Neuorthodoxen vorwirft, daß sie sich leicht über den Talmud hinweg setzen nnd sie verantwortlich macht für alle Sünden, die sich B. - CH. gegen den Talmud zu Schulden kommen läßt, muß jedem unverständlich bleiben, der sich nicht hierbei vergegenwärtigt das spöttisch lachende Angesicht B.-Ch 's — wenn man endlich noch erwägt, wie durch solch unerquickliches Gebühren, womit freilich B.-Ch. unaufhörlich seine Leser amüsirt, in denselben jeden Rest von Achtung gegen die im Dienste der jüdischen Wissenschaft stehen sollenden zerstören und sehr traurige Betrachtungen erwecken muß über die Richtung, welche die jüdische Intelligenz der Neuzeit eingeschlagen; dann wird jeder uns zustimmen, daß es unverzeihliche Schwäche oder gar Gleichgiltigkeit wäre gegenüber der belogenen und getäuschten öffentlichen Meinung , und der beleidigten Wahrheit, wenn wir hier schweigen möchten und das Opfer scheusten, das Lügengewebe,