Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 44 (4.11.1863)
- Date
- 1863-11-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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539 sen, und siehe, es war sehr Mt (kB. M. 1. 3 t). Hierunter ist auch der Trieb zum Sinnlichen gemeint " Sollen jedoch die Begierden und Leidenschaften für uns wirklich heilbringend sei», so dürfen wir nie vergessen, daß sie nur Mittel -um Zweck und Nicht der Zweck selbst sind, so müssen wir jenen hohen Zweck unserer geistigen Vervollkommnung nie aus dem Auge verlieren und der Mittel uns nur bedienen, insofern sie zur Erreichung desselben unentbehrlich find. Thun wir das Gegentheil und sehen die Mittel für den Zweck an, so gehen wir dadurch zumeist unserer wahren Glückseligkeit verlustig; und leider begehen wir oft dielen Mißgriff, leider läßt sich der Mensch oft. von der Heftigkeit seiner Begierden und Leidenschaften Hinreisen, um nur für die Erde mit ihren Gutem und Genüßen Auge und Ohr zu haben, das Höhere und Göttliche hingegen auf unverzeihliche Weise zu vernachlässigen. Wohl wäre es der Allmacht leicht gewesen, uns das Vermögen zu benehmen, unsere Triebe zu unserem Nachthcil zu gebrauchen, allein damit wäre es um die freie Wahl der moralischen Handlungen geschehen gewesen, welche deren höchstes Verdienst ansmacht. Eine freiwillige Beherrschung unserer irdischen Triebe, eine Bezähmrmg der Begierden und Leidenschaften ist zur Erstrebung der Glückseligkeit unumgänglich nvthwendig, dies lehrt die Vernunft, dies bestätigt die Ossi nbar rmg; aber wie schwer ist eine solche! Welch ein großer Schritt ist von der Ueberzeugung der Nothwendigkeit ein r Handlung bis zur Handlung selbst! Wie oft halten wir uns von Pflichten überzeugt, ohne jedoch Me Gewalt zu haben, dieser Ueberzeugung zu folgen; ja, nicht selten handeln wir solcher Ueberzeuguug zuwider, bereuen es und wiederholen unseren Fehltritt, sobald es wieder aut eine solche Handlung aukömmt; und dies ist besonders der Fall mit Bezähmung der Begierden und Leidenschaften. Wir sehen die Nothwendigkeit der Bezähmung ein, sind fest dazu entschlossen und lasten uns doch jedesmal wieder von ihnen sortreißen und zu Fehltritten veranlassen. Das beste Mittel bleibt hier, unserer Schwäche durch häufige Uebung zu Hilfe zu kommen, oder deutlicher unserer Einsicht und unserem Willen Gelegenheit zu verschaffen, wirklich iu Handlung überzugehen und sich in der Kunst der Beherrschung der irdischen Triebe thatkräftig zu üben. Es erscheint enr Bedürfniß, uns von früher Jugend an stets oder zu bestimmten Zeiten Aufopferungen und Entbehrungen vorzuschreiben, damit wir uns frühzeitig und oft an die Unterjochung der irdischen Triebe gewöhnen und es nns durch Uebung unserer Kräfte immer leichter werde, jedesmal und aus eigenem Antriebe den Anforderungen der Vernunft und der Offenbarung Gehör zu geben und dem Ueberhandnehmen der Sinnlichkeit zu wehren. Nun denn, diesem Bedürfnisse entspricht ein großer Theil des israelitischen Eeremouialgesetzes wirklich, so z. B. mögen die Speiseoerbote mitunter dazu dienen, uns an Unterdrückung der übermäßigen Lüsternheit in Speise und Trank zu gewöhnen, um besser dem Laster der Völlerei widerstehen zu können; ebenso mögen die Verbote, keine Kleider aus Mischung von Wolle und Leinen zu tragen, keinen Umgang mit diesem oder jenem Weibe zu pflegen, das Gebot, uns der eigenen Gattinen zu Zeiten zu enthalten und die Gebräuche ihrer Reinigung, sowie die Gebote, am Sabbat und den Festtagen keinerlei Arbeit zu verrichten, mitunter gegen Ueppigkeit, Mißbrauch der Geschlechtstriebe und Habsucht gerichtet sein u. s. f. An diese Bestimmung des Ceremonials dürften unsere Alten gedacht haben, wenn sie sagen: „Woraus ist zu ultuehmen, daß man „nicht sprechen solle, mir ekelt vor dem Genüsse der „unerlaubten Thiere, ich möchte kein Kleid aus vermischten Gattungen, kein verbotenes Weib, sondern, „ich möchte wohl, aber der himmlische Vater hat es „mir untersagt? Weil es heißt: ich habe euch von den „Nationen abgesondert, auf daß ihr mein seid. (3. B. „Mos. 20, 26). Eure Absonderung geschehe nur in „meinem Namen, ihr müßt euch vom Verbotenen nur „znrückhalten, um das Joch des himmlischen Gesetzes „zu tragen" (Jalkut zu 3. B. M. 6, 26) Sehr wahr, weil derjenige, der kein Gelüsten zu haben vorgibt, die Absicht nicht hat, seine Begierden zu bezähmen und ihm daher die Ausübung des Gebotes nicht so heilbringend werden kann, als dem, der wohl ein Gelüsten verspürt, solches irdische Gelüsten aber aus Ehrfurcht vor dem Höheren überwindet und sich dadurch zur Erstrebung seiner Vollkommenheit tüchtiger macht. (Fortsetzung folgt.) Äen-Chnnanjah und seine Tenden?. Beleuchtet vom Rabb. 8. II.?i8ekmaun. Das Eingangs genannte Blatt, welches zu Ende eines Jahres wenigstens 50 Bogen — die Beilagen wären noch hinzuzuzählen — voll von lügnerischen Berichten, entstellten Thalsachen, falsch gedeuteten Giraten, hämischen Angriffen gegen Talmud, Schulchan Aruch und deren Anhänger, bitterbösen Zänkereien mit Rabbinen, Vorständen und aller Welt u. m. dgl. aus dem Gewissen hat, legte in den jüngst verflossenen Bußetagen sein SündenbekeNntmß in der Weise ab, daß es in einer einzigen Correspondenz und der daran geknüpften Redaetionsbemerkung alle obgenannten und nicht genannten Beschuldigungen auf unverkennbarster Weise vereinigte und anhänfte. In Rr. 38 vom 2t. Sept. läßt B.-Ch. sich aus Miskolcz berichten, daß