Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 43 (28.10.1863)
- Date
- 1863-10-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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53Z ten Zeloten — d. h. die Eiferer oder die Partei derer, die noch an die Möglichkeit eines, wenn auch auf Tod und Leben, sieghaften Kampfes für die Befreiung Judäa's glaubten — die das Thor bewachten, den Ausgang nicht gestatten, ohne vorher den Sarg geöffnet und durchsucht zu haben; aber ihr eigner Führer, ben Batiqch, der, ein Verwandter Jochanan's, gewonnen worden war, ermahnte sie, den Leichnam des hochverehrten Rabbi nicht zu entehren , und so gelangte der Weise als Leiche — scheinbar todt, doch im Innern voll Leben — ans der streng bewachten Stadt in das Freie. Ach, schon lange hatte Jochanan ben Sakkai die Zerstörung des Tempels verkündet! Vierzig Jahre schon vorher sprangen dessen Pforten auf der Westseite von selbst auf. Da schrie Jochanan, der Priester war, sie an und rief: „Tempel, Tempel, was willst du uns schrecken! Ich weiß es, daß du deiner Zerstörung, entgegengehst. Schon hat der Prophet SechariaH über dich verkündet und gesprochen: „„Oeffne Libanon deine Pforten, daß das Feuer deine Cedern verzehre! —"" Jochanan begab sich nun in das römische Lager uud ließ sich vor den Feldherrn führen. „Friede sei mit dir, o Kaiser!" sprach Jochanan, „Friede mit dir, mein Kaiser!" — „Du verdienst den Tod doppelt!" sagte Vespasian, der Feldherr, „du begrüßest mich mit einer Würde, die ich nicht besitze, und wenn ich sie besäße, warum kommst du so spät, mich zu begrüßen? —" „Daß ich nicht früher gekommen," erwiederte Jochanan, „lag nicht an mir; die kaiserliche Würde aber wirst du besitzen, denn also spricht der Prophet: o) „„Der Libanon fällt durch einen Herrlichen,"" der Libanon, das ist Jerusalem und sein Tempel; Herrlichkeit und Majestät aber besitzt nur ein gekröntes Haupt." — Noch waren diese Worte kaum gesprochen, und schon kam die Botschaft, daß Vespasian zum Kaiser erhoben worden sei. — „Ich muß nach Rom," sagte Vespasian zu Jochanan, „und werde einen Andern senden, Jerusalem zu fällen; doch will ich dir zuvor noch eine Bitte gewähren." — Da bat Jochanan um einen Arzt für den Priester Zadok, der durch ein vierzigjähriges Fasten seine Gesundheit zerrüttet hatte; um die Schonung Jamnia's H und seiner Weisen besonders der Abkömmlinge Gamaliel's ^), und um die Joma 39 d. Sacharia 11, 1. 3) Jes. 10, 35. 4) auch Jabneh genannt, zwischen der Hafenstadt Joppe und der ehemaligen Philisterstadt Asdod. ü) Gamaliel, der ältere, der, ein Enkel Hillels und aus dem Hause Davids, die Patriarchenwürde besaß, Nast war; er starb 18 Jahre vor der Zerstörung des Tempels, sein Sobn Simon kam um nach dem Falle Jcuusalcms, dessen Sohn Gamaliel II. war noch zu jung, und so erhielt Jochanan die Patriarchenwürde. Erlaubniß, mit seinen Genossen Wh Jüngern, selbst eine Schule dort eröffnen zu diftssu- Seme so bescheidene Bitte ward ihm gern gewHrjrmh — aus dem scheinbar nun zu Grabe getragenen Judyrjhum erhob sich der lebendige Geist desselben und trieb auf's neue Blüthen und Früchte. — Heute noch betet man in der AMssWägoge zu Jerusalem, die ehemals Jochanan's „Beth hsmichsafch", sein Lehrsaal war; wallfahrt man zu seinem eWachen Grabe bei Liberia, das ein ungemeißelter Slleiy, Hne jedwede Inschrift deckt. — Zu seiner Rechten liegen vier, zu seiner Linken einer seiner Schüler, Elieser ben Horkenos, Josua ben Chapanjah, Jose, der Priester, Simon ben Nath-Mel und Äasar ben Urach/:— „Elieser," sagte der Meister, „ist eine gut verkalkte Cisterne, die keinen Tropfen verloren gehen läßt. Josua — Heil der Mutter, die ihn geboren! Joje, der Priester, ist ein Frommer Simon scheut die Schche. Elasar ist eine immer stärker fließende Quelle». — Geht, „sprach er einst zu ihnen, „geht und seht zu. welches der Weg zum Guten ist, an den der Mensch sich halten soll?" — Elieser sagte: »Ein wohlrppÜMdes Auge." Josua sagte: „Ein braver, Genosse." Jose: „Ein rechtschaffener Nachbar." SLryon: «Der Blick auf die Folge." Elasar: „Ein gutes Herz.",— „Elasars Wort," sagte der Meister, „ziehe ich Men vor, denn in seinem ist all das Eure enthaften." — Ein andermal sagte er: „Nun sagt mir auch, welches der Weg zum Bösen ist, von dem der Mensch sich fern halten soll?" — „Ein mißgünstiges Auge," antwortete wiederum Elieser. Josua: „Ein schlechter Genosse." Jose: „Ein böser Nachbar." Simon: „Borgen und nicht bezahlen, und zwar ob von Menschen oder von Gott, wie es ja heißt. „„Per schlechte Mensch borgt und zahlt nicht; der Gerechte ist mildthätig und theilt aus,"" Elasar antwortete: „Ein böses Herz." — Und abermals sagte der Mister : „Elasars Wort dünkt mich das Beste, denn das seine schließt all die euern in sich." — Sein eigner Wahlspruch aber war: „Und rvmn Du noch so viel Gesetzeskunde (Thora) Dir erworben, thu' Dir nichts zu gut darauf; denn dazu bist Du erschaffen." — So bescheiden war der Weise, mit dessen Tod, wie es hieß, H der Glanz der WWyeit schwand, dessen Studieno) den weiten Kreis. Wuschen und talmudischen, astronomischen, geometrischen und poetischen, himmlischen und irdischen Wissens umfaßte, und von dem man sagte, daß er in seinem ganze» 1) Bergl. L. Frankl: „Rach Jerusalem ü. S. Sk u. 350. 2) Aboth II, 9—15. — 3) Ps. 37, 21. - 4) Sotah IX, 47. — H Sueea 28. —