Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 43 (28.10.1863)
- Date
- 1863-10-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Beilage zu Nr. 43 des Zsraelit. Zeitungsnachrichten u. Correspsndklyen. Deuts ch l a n d. Gniilingen (Baden), den 20. Oct. Zur Gründung des hiesigen Beth Hamidrasch hat ein auswärtiger Wohlthäter 150 fl. gespendet, die sofort beim Zustandekommen des Projekts zu erheben sind. Möchte das gegebene Beispiel anregend wirken, damit wir bald dazu schreiten können, 7n-> — G. L. Asien. Der in Jerusalem erscheinenden hebr. Zeitschrift Lebanon (Nr. 5) entnehmen wir folgende Erzählung des Reisenden Rabbi Jakob Sapir: „Am 3. Adar 5623 kam ich nach Aden und fand dort Glaubensgenossen, die aus Sanaa (Südarabien) entflohen waren; sie erzählten mir die folgenden haarsträubenden Begebenheiten: In Sanaa lebte eine begüterte, angesehene Familie, Namens Al-Schech, deren Stammvater vor 200 Jahren die dortige Gemeinde begründet hatte. Das /gegenwärtige Haupt der Familie hieß Solyman Ha-Lewi Al-Schech, ein ebenso gelehrter, wie reicher, angesehener Mann; er hatte vier Söhne, sämmtlich gottesfürchtig und in der Thora wohl erfahren, von denen der eine der Schwiegersohn des Oberrabbiners von Südarabim ist; sie waren Silberschmiede und mit der Münzpräge betraut. Im Monat Kislew erhob sich ein Tyrann und setzte, wie das in jenen Gegenden häufig geschieht, den regierenden Fürsten ab, um selbst den Thron zu besteigen; Mein er war noch nicht König und hatte «och viele Widersacher zu überwinden, da ließ er schon die drei ältesten Söhne Solymans: Joseph, Salem, und Michael rufen und befahl ihnen, Geld mit starkem Kupferbeisatze und seinem Bilde zu prägen. Joseph sprach zu ihm: „Möge Gott dich beschützen, deine Wünsche erfüllen und dich zum Könige machen; erst dann können wir deinen Befehlen gehorchen". Diese Worte verdrossen den Gewalthaber sehr; er entließ die Männer,! schwur ihnen aber Rache in seinem Herzen. Es «ährte nicht lange, so besiegte er seine Feinde und ward König; sofort ließ er die Brüder fesseln »nd beschuldigte sie, daß sie unter dem vorigen Könige die Münzen verfälscht hätten, und verlangte ein Strafgeld von 18,000 spanischen Piastern. Das ganze Vermögen der Familie, die Synagogen-Utensilien rc. wurden verkauft, was jedoch kaum 5000 sp. P. aufbrachte. Der feile Richter (Kadi), dem der Tyrann das Urtheil zu sprechen übertrug, verurtheilte sie zum Tode, es sei denn, daß sie den Islam annähmen. Dieses Urtheix wurde ihnen im Gefängnisse vorgelesen; zugleich wurden sie ermahnt, ihr Leben zu retten und ihre Religion abzuschwören. Die muthigen Brüder jedoch zitterten und wankten nicht; ihr Herz blieb treu ihrem Gotte und sie beschlossen, seinen heiligen Namen zu verherrlichen; einer ermunterte den andern, und einmüthig sprachen sie: „Wir wollen das ewige Leben nicht preisgeben, um das vergängliche zu retten". Da befühl der Tyrann, sie zu foltern; sie bekamen die Bastonnade, ihre Schultern wurden unter eiserne Joche gepreßt und sie wurden mit noch andern furchtbaren Qualen gepeinigt; sie aber blieben standhaft und riefen: „Höre Israel, der Ewige, unser Gott, ist einzig — wir sind bereit, uns schlachten zu lassen". Es vergingen nur wenige Tage, da wurden die drei Brüder auf den Markt geführt; noch einmal versuchten die Priester sie zum Glaubenswechsel zu überreden. Die Brüden wiesen all diese Zumuthungen, Lockungen und Versprechungen auf's Entschiedenste zurück. Die Juden und viele vornehme Muselmänner, bei denen die Brüder sehr angesehen und beliebt waren, mühten sich unterdeß um ihre Befreiung vergeblich; der Netteste wurde hingerichtet; die beiden andern riefen: „Auf, thuet uns, wie ihr ihm gethan habt; mögen wir auch im Tode nicht getrennt werden und gemeinsam hintreten vor Gottes Thron!" — Allein eine fürchterliche Angst bemächtigte sich der Hertker; Niemand wagte, die Hand zu ihrer Tödtung arksznstrecken. Sie wurden ins Geftingnkß zurüchgeführt; dort schmachten sie noch, bis sie die 18M0 sp. P. erlegt haben, die man von ihnen verlangt. Ebenso wurde allen Israeliten Sanaa'- eine unerschwingliche Steuer anfgotegt. In Folge dessen sind «eile entflohen."