Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 43 (28.10.1863)
- Date
- 1863-10-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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525 gute Mensch ist stets bereit, zu helfen, zu rathen und zu stützen; keine Thräne, die er nicht zu trocknen, keinen Kummer, den er nicht zu lindern, keine Noth, die er nicht zu heben versucht. Er wird die Bösen ermahnen, die Leichtsinnigen zurecht weisen und die Guten kräftigen. Den Erwachsenen wird er ein Maßstab des Urtheils und der Jugend ein leuchtendes VorÜld sein. Er wird Lehre und Erkenntniß verbreiten, gegen Wahn und Vorurtheil kämpfen, und das geistige Saatkorn, das er pflanzt, wird aufgehen und gute Früchte tragen. Die Erkenntniß wird wachsen, die Sittlichkeit sich heben, und, wie immer, in ihrem Gefolge höherer Wohlstand erblühen. Solch ein Segen ist ein wahrhaft guter Mensch seiner gesummten Umgebung. Wie groß muß erst der Segen werden, wenn sich solch ein Einzelner zu einer gleichgesinnten Familie entfaltet, wenn die Gattin und die Kinder in demselben Maße Gutes wirken! Wenn aber ein ganzes Volk von diesem Sinne getragen, von diesen Absichten durchdrungen ist, so muß dieses Volk ein Segen werden für die ganze Welt ''.i '->2x1 und Abraham wird sich entfalten, bis daß er wird zu einem großen und mächtigen Volke. Dieses große jund mächtige Volk wird wirken in seinem Sinne, nach seinem Beispiele und dann werden durch ihn gesegnet werden alle Völker der Erde. IN. Die Erfüllung dieser erhabenen Bestimmung hat sich sofort an Abraham selbst vollzogen. '2 denn ich habe ihn erwählt, habe ihm meine besondere Fürsorge gewidmet. Die göttliche Vorsehung sorgt für die ganze Welt ki.-un.-!; eine ins Einzelne gehende Fürsorge entwickelt der Allmächtige für Israel, sein Volk (ruvis .-iMV.n); der vollkommene Fromme aber freut sich der immerwährenden, nie unterbrochenen Fürsorge seines Gottes; niemals überläßt ihn der Allgütige den das All beherrschenden Naturgesetzen; Er hebt ihn heraus aus der Mitte der Geschöpfe, führt und leitet ihn, rettet ihn und Hilst ihm m jedem Augenblicke .-rMLn). Mit solcher Fürsorge hat Gott den Abraham erwählt und geweidet, damit die von ihm vertretenen Ideen sich fortpflanzen und entwickeln in seiner Familie, dauni er befehle seinen Söhnen und seinem Hause nach ihm, daß sie beobachten den Weg des Ewigen, zu üben Gerechtigkeit und Recht. Wie kein Mensch vor chm und «ach ihm befand sich Abraham im Gegensätze zu der gesummten Mitwelt. Seine Zeitgenossen waren Götzendiener —- er war ein Diener Gottes; sie warm «ich, Mächtig, vornehm, die Götzendiener seiner Zeit, es gab unter ihnm Könige und Helden — Abraham war ein umherwandernder Hirt! vor dem mächtigen Einflüsse dieser Mitwelt sollte er seine Nachkommen bewahren und hat sie bewahrt. — Wir befinden uns in unserer Zeit fast in einer ähnlichen Lage wie unser Vater Abraham; auch wir sehen uns in die Nothwendigkeit gesetzt, den herrschenden Zeitideen entgegenzutreten und unsere Kinder vor ihrem Einflüsse zu bewahren. Möchten wir uns doch die dazu erforderliche Kraft und Entschiedenheit erhallen, und wo sie fehlen, sie erlangen. Seit Jahrtausenden hat es der heiligen Bestimmung Israels nicht an Trägern und Vorkämpfer» gefehlt und es wird ihr auch niemals daran fehlen. Es kömmt nur darauf an, daß wir uns für dieselbe erhalten und unsere Kinder dafür erziehen, daß wir, daß sie beobachten den Weg des Ewigen, den Weg, den Gott uns vorgezeichnet hat. Unsere heilige Thora zeichnet uns genau diesen Weg vor, sie ordnet unser Familienleben, unser Eheleben, unsere Speisen und Getränke, lenkt und leitet jeden Schritt, zähmt nufere Willkür, läutert unsere Gedanken, ermuntert uns zu gottgefälligen Thaten — auf daß wir üben Gerechtigtigkeit und Recht. Die Gerechtigkeit soll wohnen in unserm Herzen, beherrschen unser Haupt, den Sitz des Gedankens und mit unserm Arme sollen wir ausführen, das, was unser Herz als gut billigt, und unser Geist als wahr erkannt hat, damit Gott über Abraham bringe, was er über ihn verheißen hat: daß seine Nachkommen werden sollen ein Segen der ganzen Wett. — Literarisches. Apostag, im October. Das hochgepriesene, allgemein herbeigewünschte goldene Zeitalter des np-r scheint in unfern Tagen allen Ernstes — mindestens seiner materiellen, greifbaren Seite nach Heranbrechen zu wollen. Die Werke und Merkchen, in welchen die Schätze menschlicher Weisheit und Einsicht niedergelegt sind, dürften wohl bald vermöge ihres riesigen Umganges in die Lage gerathen, das winzige Erdenrund förmlich zu bedecken. Dank dem vorherrschenden Streben und Ringen nach immer neuen Entdeckungen und Errungenschaften im Reiche des Geistes, werden dem ewig jugendlich grünenden Erkenn tnißbaume tagtäglich frische Knospen und Blüthen abgewonnen, die wieder dazu beitragen, zu ununterbrochener rüstiger Thätigkeit anzuspornen und avszumuntern. Auch die jüdischen Disciplinen erfreuen sich offenbar der sorgsamsten Pflege und angestrengtesten Wartung Nur das Feld der Halacha macht eine auffallende Ausnahme, hier maA sich seit Decennien sine first beunruhigende Ruhe und Stille bemerkbar; die muthige« öffentlichen Kämpfer haben das Terrain geräumt und sich von der großen Schaubühne der Oefifentlichkeit zurückgezogen in die bescheidensten geschlos-