Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 42 (21.10.1863)
- Date
- 1863-10-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage;« Rr. 42 des Israelit Zeitungsnachrichten U. CorresponSenM. Ken t s ch l an d. Aus Württemberg. Der Protest deL Herrn Rabb.WaHder aus Laupheim rn Nr. 39 und 40 dieser Blätter veranlaßt den Verfasser des in Nr. 34 und 35 des Israelit abgedruckten Aussatzes „aus Württemberg" zu der Erklärung, daß er die Gemeinde Laupheim weder ja noch nicht im Ange gehabt habe, da er es außer Stuttgart duf'Hrne andere Gemeinde abgesehen hatte und nur württembergische Zustände im Allgemeinen schildern wollte. Daß nun das Eine auf diese, das Andere auf jene Gemeinde, auf manche Alles, auf Manche gar nichts anzuwenden sein wird, das wird Herr Rabb. Waelder nicht in Abrede ziehen wollen. Die unverkennbare Tendenz des Aufsatzes ist, den Nachweis zu liefern, wie weit ab vom Judenthum die Mitglieder der Oberkirchenbehörde stehen und wie ungeeignet und verderblich es sei, daß sich dessen Leitung in solchen Händen befindet. Wir glauben Herrn Rabb. Waelder mit Vergnügen, daß die Gemeinde Laupheim zu den bestgesinnten in Württemberg gehöre und es wird unS herzich freuen, wenn diese zahlreiche und respectable Gemeinde auch dahin wirken wird, daß die religiösen Angelegenheiten nicht länger in Händen bleiben, die es bald dahin bringen werden, daß man in manchen Gemeinden das Judenthum wird mit Laternen suchen müssen. Nicht minder gerne bezeugen wir, daß wir von dem Gottesdienste in Laupheim stets nur Rühmenswerthes gehört haben, wie wir es auch sehr hoch anzuschlagen wissen, daß Herr Rabbiner Waelder mit Mannesmuth der gewiß auch an ihn stark genug herangetretenen Versuchung widerstanden, die Orgel und den so geistreichen Stuttgarter ThoraleseciÄus einzufuhren. Uebrigens wolle man nicht übersehen, daß der Attdkl, der Herrn Waelder zum Proteste verankaßte, im „JSraelit* abgedruckt war, dem Organe des orthodoxen Judenthums , dessen Streben umvanVekbar dahin gerichtet H, das Ledch' der Genteiüden idie der Einzelnen zur strengsten Treue gegen das. jüdische Gesetz, wie es im Talmud und Schulcharr'HrüH oorliegt, zurückzNführen. Diese Orthodoxie verzeichnet es mit Freuden Ln ihren Annalen, wenn innerhalb der Gesetzlichkeit der Gottesdienst durch Ordnung, GesaNg rc. veredelt wird oder wenn Israeliten auf socialen Gebieten, wie der Laupheimer Gesangverein, Anerkennung' finden. Mein solche Fortschritte find uns nur unter bestimmten Voraussetzungen erfreuliche Ereignisse, wir wenden traurig unsere Blicke von ihnen ab, wenn sie "mit dem Abfall vöm^ gesetzlichen Judenthum" gepaart auftreten. Wir hören lieber die altmodischen Triller eines gesehdstteüen Vdrstintzers, als die herrlichsten Chöre, deren Sänger sich erst vor wenig Minuten die Seife vom rasirten Barte gewaschen, die, nachdem sie wie mit Engelsftimmen ->vn2 rQwri gesungen, die Zeche für vielleicht verbotene Speisen und Getränke bezahlen oder den Sabbath durch Kegelschieben entweihen, von der Cigarre gar nicht zu reden. Wir wissen nicht, ob in Laupheim solches vorkomme, aber in Württemberg kommt es da und dort vor, in Gemeinden, welche einen in seiner Art sehr würdigen Gottesdienst haben. Man sagt uns wohl, wir seien pedantisch „> unduldsam rc., das mag sein, aber wir werden uns wohl hüten, uns der mittleren Richtung auch nur um einen Schritt zu nähern; darum können wir nicht so viel loben und rühmen, wie die allgemeinen und gemeinen Organe. Wenn man uns unter solchen Umständen unser häufiges Klagen und Zanken zum Vorwurf macht, so müssen wir uns damit trösten, daß seiner Zeit den Propheten Gottes von den Anhängern derjenigen Propheten, die dem Volke immer mehr Angenehmes als Wahres zu sagen wußten, ähnliche Borwürfe gemacht wurden. München, 3. Oct. Wie man vernimmt, ist der bisherige Konsul zu Athen, Herr Bernau, der feit einiger Zeit hier lebt, zum Generalkonsul in Triest, mit entsprechendem Gehalt und pragmatischen Rechten, ernannt worden, — die erste Anstellung eines Israeliten in dem Departement unseres Ministenums des Aeußern.