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Der Israelit · 1863-10-21 · Heft 42 (21.10.1863) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 42 (21.10.1863)
Date
1863-10-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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518 beiden christlichen Confesfionen und endlich für die sämmtlichen beim Baue betheiligten Künstler und Handwerker. Nach Abfingung des -pv2 s'x und des .1PN72;r>U7I ,-s-OV '2 UNd 2^NP schloß UM 7 Uhr das Minchah-Gebet, die so herzerhebende und in unser Gedächtniß tief eingegrabene Feier. Tief gerührt empfand die ganze Versammlung den imposanten Eindruck, und die Anwesenden der anderen Konfessionen waren nicht minder von diesem feierlichen Acte ergriffen. Alles ging in musterhafter Harmonie und brüderlicher Eintracht vorüber. Zahlreiche Menschenmaffen, die herbei geströmt waren, erhielten jetzt nach und nach in die Synagoge Einlaß, um ihre Neugierde zu befriedigen. Und so ist denn geweihet und eröffnet unser neuerbautes Gotteshaus, ein Gotteshaus, in welchem von einem sogenannten „veredelten Gottesdienst" keine Spur vorhanden; wir suchen und finden unsere Ordnung in den uns immer und überall kompetenten wpoiLi O"w, welche uns dieselbe zur heiligsten Pflicht machen; ein Gotteshaus, dessen Aeußeres wohl dem neuesten Geschmack, aber dessen innere religiöse Einrichtung ganz den alten traditionellen im wahrhaften Geiste unserer h Religion begründeten Institutionen entspricht; und rufen wir schließlich mit dem Herrn Oberrabbiner in seiner Festrede die schönen Worte 2'^' 2U Moses Schreiber. Feuilleton. Auszüge von Erzählungen, Gleichnissen, Gedanken und Meinungen, wie Erklärungen von Schriststellcn aus hebräischen Werken. Von ÜLvrier iu Nach dem Midrasch Rabba Bamidbor Seder Noßoh. sv v'ppu i'nrr 'vi vip. Bereschith 4, 10. Wozu diese umständliche sinnbildliche Bezeichnung der Kenntniß Gottes von dem geschehenen Morde? Diese Frage wird im Midrasch Rabba Bereschith Paraschah 22 durch drei Gleichnisse erläutert. Ein Statthalter fand einst auf seinem Spaziergange einen Gemordeten in einer Straße liegen. „Wer hat diesen getödtet?" fragte er den dabei Stehenden. „Darnach wollte ich mich bei Dir erkundigen," antworteteder Gefragte. „Dazu verweilst Dü also in Deiner Einsamkeit hier, und siehst mit einer von Wuth und Verzweiflung heftig erschütterten Mene auf de« Gemordeten hin, um bei mir Nachforschungen über den Mördern anzustellen?" schrie der Statthalter ihn an. ,-Deine Antwort , ist keine, verräth jedoch Dein schuldbeladenes Gewissen; vergebens suchst Du es zu verhehlen, daß die nagende Reue ob der Frevelthat an Dir zehrt. Deine Strafe folgt und wird noch entsetzlich schlimmer folgen — Ein Herr Nimmersatt ging einst in einen fremden Garten, sah sich um, ob kein spähendes Auge ihn belauscht, und als er kein Hinderniß bemerkte, las er in aller Mfertigkeit Maulbeeren auf und beförderte sie so schnell in seinen Mund, daß sie kaum eine Spur in der Hand zurückließen. Der Gartenbesitzer gewahrte jedoch die diebischen Streiche, jagte mit langen Beinen dem Herr Langfinger nach und stürzte auf ihn mit der Frage los: „Was hast Du, Bube, in Deiner Hand?" — „Gar nichts". — „Wenigstens sehe ich doch," grollte Jener, „daß Du etwas hattest; der Schmutz Deiner Hände klagt Deine diebische Geschäftigkeit an; Du kannst das Geheimniß der gestohlenen Maulbeeren nicht verschließen, Du wirst das Vergehen unter Schloß und Riegel bereuen. — Jemand betrat einen Weideplatz, ergötzte sich an einer dort werdenden Heerde und wurde nach einem Lamme lüstern. Heftiges Schmachten nach einem Bedürfnisse erhöhet den Werth des Ersehnten bedeutend. Wenn ich nur ein Lamm kriegen kann, sagte der Lüsterne, gebe ich mich zufrieden, die Erfüllung meines Wunsches darf nicht lange auf sich warten lassen, sonst muß ich das Warten lasten, es könnte mich Jemand überraschen. Er suchte schnell ein Lamm wegzumausen, warf es behend auf seinen Rücken, um jeden: Zweifel an seiner Ehrlichkeit zu begegnen. Der Hirth setzte ihm nach und schrie ihm mit dem drohenden Tone der Gewißheit zu: „Halt, was hast Du genommen?" „Nichts, gar nichts, halte mich nicht auf." „Was blöckt denn aber hier auf Deinem Rücken?" „Es ist meine eigne Last." „Schurke, Deine Last, die Du Dir eigen machen willst, sie soll Deine eigne Last werden, Du wirst die Schuld lange zu tragen haben". — „Die verlegene Stimme, sprach der Ewige zu Kajin, die Blutflecken, Deine brüderliche Verwandschaft schreien zu mir und klagen Dich des Mordes des aus der Erde um Rache zu mir schreienden Bruders an." — Achte auf die warnende Stimme der Vernunft, dieses göttlichen Funkens, vor der bösen That, nachher hilft sie Dir nur, die Falle zu schauen, in die Du hineingerathen, den Boden zu sehen, der Dich nicht mehr tragen kann, weil das Gewicht des Frevels Dich immer tiefer und tiefer in das Grab zieht. Zittere und sündige nicht. Halte über den neben dem Pfad des Lebens sich hinschlingenden grauenvollen Abgrund die Augen offen und xüste HA gegen die Dich umgebende Gefahr mit aller StäkK. und Wachsamkeit der Seele. Höre u. lebe ein wahrhaftes Lebett. (Hierbei eine Vellage.) Verantwortliche Redaktion: Dr. Lehma«». — Verlag der Le Noax'schrn Hofbuchhandlung. — Druck von I. SottSlebe« in Main»

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