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Der Israelit · 1863-10-21 · Heft 42 (21.10.1863) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 42 (21.10.1863)
Date
1863-10-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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515 Judenthums darüber geklagt, daß so selten Berichte über den Stand speciell-jüdischer Verhältnisse in Bayern in jenes Blatt gelangen, und werden wir des Jndifferentisnms in hohem Grade beschuldigt. Daß derartige Klagen aber für uns höchst ehrenvoll, leuchtet Jedem ein, der da weiß, was jüdisches Leben im Munde der allgemeinen Z. d. I. zu bedeuten hat. Man weiß es ja überdies aus diesen gesch. Blättern zur Genüge, daß die gebührende Thätigkeit im Gebiete der Religion bei uns in Schule und Haus, Gemeinde- und Privatleben sich stets möglichst entfaltet, und Bayern mindestens andern Ländern nicht nachsteht. In Nr. 40 der allg. Z. d. I läßt sich nun wieder ein so schwarzsehender Correspondent vernehmen. Ueber Franken schreibt er, daß hier nur „krasser Obskurantismus", „der alte Schlenderian" und besonders im „Würzburger Rabbinate" zu finden sei. Nun denn, man weiß es ja wiederum, daß in jenen Blättern wahre Frömmigkeit und unverfälschter Glaube oft mit solchen Prädikaten bezeichnet werden und man darf auch ohnehin ein scharfes Urtheil über Franken nicht übel nehmen, da von hieraus schon manche „Fackel" gegen die große Gelehrsamkeit Philippsons geschleudert wurde. Das Alles hatte uns auch nicht zum Schreiben bewegen können; das Pikante dabei ist nur die Anmer kung der Redaktion zu diesem Referate über Franken. „Es ist dies wohl — sagt die Redaktion — doch „mehr scheinbar und äußerlich der Fall, und im Jn- „nern der Geister sieht es doch anders aus. Man vergleiche in der Spendenliste für die Rießerstiftung die „Sammlung aus Würzburg selbst— 61 Gemeinde- Mitglieder haben sich an dieser, den Fanatikern so „verhaßten Sammlung betheiligt". Dieses schmerzstillende Pulver, glaube ich, wird durch einen talmudischen Spruch am besten wirkungslos gemacht. Der Spruch bezieht sich auf die stete Bereitwilligkeit zum Geben von Seiten der jüdischen Nation und heißt povb l Zum Ueberflusse übrigens noch einige Details über diese Sammlung. Die 61 Gemeindemitglieder reduciren sich auf kaum die Hälfte dieser Zahl, also nicht 30, ungeachtet die hiesige Gemeinde an 150 Familien zählt, die übrigen Spender find theils Commis, theils Studirende und selbst Handelslehrlinge. Ferner scheint der Sammler jener Spenden zu feig gewesen zu fein, ooruw xudlieo seinen Namen zu nennen. Thun wir dies statt seiner. Es ist dies ein gewisser Emanuel Deutsch aus Gleiwitz, früher in Leipzig. Die verschiedenartigen Manöverchen bei diel er Sammlung bleiben hier unerwähnt. Uebrigens vergleiche man beispielsweise die seinerzeitigen Sammlungen für die orthodox-israelitische Bibel Anstalt dahier, welche an fünf Hundert Gulden ergeben, vergleiche man ferner die enormen Summen, die aus Bayern alljährlich nach gespendet werden mit dem Ergebniß für die „verhaßte Sammlung" und man sicht recht schön, daß die Leute doch immer zu würdigen wißen, wem und wozu sie Geld geben! Herr vr. Philipp son ist diesmal mit seiner Beweisführung durchgefallen, die Redaction hat sich total blamirt, vielleicht könnte ich mit folgendem Beweise, wie es „im Innern der Geister aussieht", dienen: Seitdem nämlich die hiesige Synagoge erweitert, mit prachtvoller Gasbeleuchtung versehen, werden Gebetstücke wie 'ii-r .-wv rc. mit Chor gesungen! Wenn wir damit dienen können — mit Vergnügen. — L.— Preußen. Köln, 9. Oct. In Folge eines Gesuchs des Vorstands der isr. Gemeinde um Beschaffung eines Locals für die jüdische Elementarschule befürworteten die Herren Hospelt und Classen-Kappelmann die Handhabung einer vollständigen Parität und beantragten . zu dem Ende die Uebernahme der isr. Schule auf das städtische Budget, event. der jüdischen Gemeinde ein Schulhaus zu beschaffen und einen der Kopfzahl derselben entsprechenden Zuschuß aus der Stadcaffe zu gewähren. Die Schul - Commission dagegen beantragte, der jüdischen Gemeinde, wie im vorigen Jahre, einen Zuschuß von 600 Thlr. und eine Miethsentschädigung von 200 Thlr. zu bewilligen. Nach langer und lebhafter Debatte wurde der Commissions- Antrag mit 13 gegen 8 Stimmen angenommen. Oesterreichifcher Kais erst« at. Wien. Wie weit Vorurtheil und Aberglaube in unserer Zeit noch geht, mag ein Fall beweisen, den die Ostdeutsche Post nacherzählt, und der erst letzter Tage sich zugetragen hat. Ein iSr. Kaufmann, der auf der Heimreise von Rohitsch nach Kapreinitz begriffen war, starb unterwegs auf dem Eisenbahnwagen

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