Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 41 (14.10.1863)
- Date
- 1863-10-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage zu Nr. 41 des Israelit. Zeitungsnachrichten u. CsrrespondenM. Deuts ch l a n d. Koburg, 26. Sept. Heute Morgen fand man die seit vorigem Jahre übergesiedelte jüdische Familie Meyer-Stern in ihrem Zimmer todt. Der Tod derselben wurde durch das Ausströmen von Kohlengas aus einer unverschlossen gebliebenen Gaslampe herbeigeführt. Die mit ihnen angestellten Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Aus Bayern werden mehrere Facta mitgetheilt, welche beweisen, daß die Vorurtheile gegen unsere Glaubensgenossen immer mehr zu verschwinden beginnen: In Fürth (Mittelfranken) und Markfteft (Unterfranken) wurden bei den eben stattgehabten Gemeindewahlen Israeliten zu Magistratsräthen gewählt. München, 29. Sept. Herr Landtags ^Abgeordneter vr. Arnheim aus Bayreuth ist von der Stadtgemeinde Höf zu ihrem Ehrenbürger ernannt worden und zryar „zur Würdigung seiner ausgezeichneten Verdienste, welche er sich seit einer Reihe von Jahren um das Wohl der Gemeinde erworben hat". Der deßfallsige Beschluß der beiden Gemeindecollegien hat die allerh. Bestätigung erhalten, vr. Arnheim ist der erste Israelit in Bayern, dem von einer unserer Städte das Ehrenbürgerrecht verliehen wird; er ist seit, fünfzehn Jahren Vertreter des Wahlbezirks Hof in der Kammer der Abgeordneten und seitdem auch immer Mitglied und Secretär des ersten Ausschusses, zur Zeit auch Mitglied des Gesetzgebungs-Ausschusses der Kammer. (N. C.) O e st e rr e r ch i s cher K a i s erstaat. Wien. Ein Antrag, dem Prediger der hiesigen israel. Cultusgemeinde, Herrn I. N. Mannheimer, seiner vielen Verdienste halber das Bürgerrecht der Stadt Wien taxfrei zu verleihen, wurde ohne Debatte einstimmig angenommen. (W. Z.) Italien. Nom, 23. Sept. Das neunjährige Juden Mädchen Graziosa Cariglia, dessen Entführung durch eine Kupplerin und Unterbringung in dem Kloster der Katechumenen in Rom gemeldet wurde, ist trotz der ver?. zweifelten Schritte ihrer Eltern endlich getauft worden. Auf eine Supplik der jüdischen Gemeinde in Rom an den Cardinal Cagiano, Vorsteher des Conservatoriums, worin derselbe beschworen wird, den unglücklichen Eltern ihr Kind wieder zu geben, schrieb dieser einfach das Wort „leetum", und Tags darauf zeigt das osficielle Journal von Nom der Wett die Bekehrung des neunjährigen Mädchens an. Obwohl eine päpstliche Bulle vorschreibt, daß ein Israelit erst nach zweijähriger Instruction getauft werden kann, beeilte man sich in diesem Fall, die Zwangstaufe nach drei Monaten vorzunehmen. (Oesterr. C. Ztg.) Serbien. Belgrad. Bei Gelegenheit einer Reife lernte ich die jüdische Gemeinde in Belgrad kennen. In einem nahe an der Festung und von den Christen abgesondertem Orte kennzeichneten die schmalen Gaffen, die auf der Erde sitzenden und mit Arbeit beschäftigten Frauen den Aufenthalt der Israeliten und die 4 Synagogen ihre Zahl. Viele wohlhabende und reiche Familien, seit dem Ausbruche der serbischen Revolution abwesend, fürchten sich noch, zurückzukehren; denn die Serben hoffen noch, der Festung Meister zu werden und in ihren Arsenalen werden Tag und Nacht Kriegsmaterialien beschafft. Zwischen den niedrig gebauten Häusern ragt die Schule hervor; ein prächtiges Gebäude, dessen Inneres jedoch der schönen Außenseite nicht entspricht. Vier Melamdim unterrichten jeder circa 20 Schüler, von denen manche auf der Erde herumkricchen und manche, nämlich die höhere Klasse, auf Bänken fitzen; alle aber sind schmutzig, ungekämmt, übersetzen die Thora mit einer dazu geeigneten Melodie, Rasch! wird sehr wenig gelernt, geschweige Mischnah oder Gemara und von profanen Kenntnissen ist keine Spur vorhanden. Wie aber soll diese arme Gemeinde sich entfalten und eine intellektuelle Geistesentwickelung erlangen, wenn die Verwal-