Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 41 (14.10.1863)
- Date
- 1863-10-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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503 wahrhafte Belebung des Volkssinnes, für Pentateuch- und Talmudstudium, Verbreitung desselben unter der Volksklasse eifrigft Sorge zu tragen, denn unsere heilige Thora, an der sich das Judenthum der Vorzeit, der Gegenwart und der Zukunft emporgehalten, hält und halten wird, die ists, welche uns vor den Stür^ men der Außenwelt, den Rauhseiten des Lebens bewahrt. O ihr Reformanhänger! lasset euch von den falschen Propheten nicht täuschen, unsere heilige Thora und angestammte Religion kann keine negative Umformung zulassen; die Reform mit ihren trügerischen Gaben und Geschenken kann euch nur momentan verleiten, nie aber feste Wurzel fassen, denn der Orthodoxie stehet der ewig wahre Glaube, stark durch die Macht seiner Wahrheit, zur Seite und wahrlich an dem Felsen der Wahrheit muß endlich doch das Schiff der Lüge zerschellen. Unter der Fülle der sich innerhalb des Judenthums kundgebenden Erscheinungen drängt sich dem ruhigen und ernsten Beobachter besonders die Erscheinung von der Synagogenbausucht, die sich unserer dem Materiellen so sehr hrnneigenden Zeit bemächtigt hat, auf, was sich aber bei dem Umstande, da mit der Hinabsenkung des Grundsteines Zum neuen Baue auch zugleich der Grundstein zu allen künftighin einzuführenden destructiven Neuerungen, so unschuldig diese auch anfangs sein mögen, gelegt wurde, erklären läßt. Ohne mich eines Längeren hierin zu ergehen, verweise ich nur auf die Geschichte der jüngsten Zeit. Wie erquickend und erhebend muß es nunmehr auf das für unseren wahrhaften unverfälschten Glauben und für unsere von unseren altehrwürdigen Weisen angeordnete, für das gesummte Israel Kraft habende Institutionen warm fühlende Herz einwirken, wenn wir heute von einer in einer der größten Gemeinden Israels neuerbauten Synagoge berichten, bei welcher nicht nur dem Glanze und Flitter, sondern auch dem Wesen und Kern des Judenthumes Rechnug getragen wurde, von einer Synagoge, in welcher nicht der falschangepriesenen blendenden Aufklärung ein Altar aufgerichtet wurde, vielmehr nur in der reinsten edelsten Absicht, den Namen des Allmächtigen durch das 'Jbv rni.i op in der Menge des Volkes liegt, die Majestät des Königs zu verherrlichenund zugleich durch Konzentrirung der Gemeindeglieder auf einen heiligen > Versammlungsort — die über 150 Jahre alte Sy-! nagoge reichte bei weitem nicht dazu aus, — das! Band der Einheit und Eintracht um so inniger und! fester um dieselben zu schlingen, ihren Entstehungsgrund > findet; und haben wir uns bei allen diesen Umstän-! den umsomehr zu freuen, das '-r-r 7N bei diesem Gotteshause in so hohem Maße verwirklicht zu sehen. Sie wissen, wovon ich spreche, ich meine nämlich unsere am 26. Elul v. I. hier eingeweihete Synagoge, unbedingt das prachtvollste Gebäude, welches Preßburg in seinen Mauern erstehen sah. Die Pflicht eines Berichterstatters für Ihr die wahrhaften Interessen des Judenthumes mit so glühendem Eifer vertretenden Organes veranlaßt mich, überdie Einweihungsfeierlichkeiten, wie sie hier stattgefunden, zu refenren. Doch bevor ich mit der Skizzirung derselben beginne, werden Ihre Leser mit Recht eine Schilderung des Gebäudes verlangen; indem ich diesem Wunsche nachher möglichst Nachkomme, muß ich aber schon im Voraus bemerken, daß es kaum möglich ist, den Eindruck zu schildern, den dasselbe auf jeden Einzelnen machte und machen muß; auch wir, die nur uns bereits früher mit den einzelnen Theilen desselben vertraut gemacht, vermögen es nicht, den Eindruck wiederzugeben, den das vollendete Ganze durch die wunderbare Uebereinstimmung aller Verhältnisse während der Einweihung auf uns hervorbrachte. Und nun zur Abbildung der Synagoge und ihrer innern Ausstattung.*) Dieselbe wurde auf der Stätte der alten Synagoge und eines der Gemeinde gehörigen benachbarten Hauses erbaut. Sie bildet ein längliches Quadrat mit zwei bis zur Gassenflucht reichenden Flügelbauten und einem dazwischen liegenden, mittelst eines schönen, bro»zirten Gitters abgeschlossenen Vorhof. Das rückwärtige Quadrat enthält, nebst einem imposanten gewölbten Nischenraum für die h. Bundeslade, ein 74^ Schuh langes, 57 Schuh breites Schiff mit 515 Männersitzen, und in 2 Stockwerken an 3 Seiten herumlaufende zierliche Gallerten mit 563 Frauensitzen, jede derselben getragen von 8 goldartig bronzirten schlanken eisernen Säulen. Die Höhe des Schiffes' beträgt 45 Schuh; der reich gemalte und mit goldenen Sternen in blauem Grund decorirte Plafond desselben ist *) Nach dem Entwürfe der Preßburg er Zeitung, welche alle diesbezüglichen Arten zu sammeln, Gelegenheit hatte, gezeicbnet.