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Der Israelit · 1863-10-14 · Heft 41 (14.10.1863) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 41 (14.10.1863)
Date
1863-10-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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501 so ist diese ausgesprochene Hoffnung nicht als der Wunsch und die Meinung eines Einzelnen zu betrachten, sondern es ist die Meinung, welche in den maßgebenden Kreisen, resp. der Majorität des Gemeinde- Vorstandes herrscht. Die Reform ist beschlossene Thatsache, über das Wie? ist man einig, das Wann? ist noch unbestimmt. Man will eine Reform, in welcher die Orgel die erste Stelle einnimmt, daß darnach die Liturgie einer Aendernng unterworfen ist, ist natürlich. Daß sich nun in alte Synagogen nicht sehr gut eine wirkliche Umänderung des Gottesdienstes einführen läßt, daß diese hier aus tausend Widersprüche stößt, ist bekannt, ein Neubau muß vorangehen, und wäre es auch nur ein Umbau. Hier ist also die Ursache zu suchen, warum der Vorstand so sehr auf den Umbau der Synagoge dringt. Nur deshalb will man die alte, ehrwürdige Synagoge angreifen, um durch Orgelklang und Ausmerzung der alten Gebete, welche das Andenken an die Vorfahren aufbewahrcn, den abgeschiedenen Seelen der alten Glaubenshelden, den Manen der Großväter und Großmütter, die muthig für Gott in den Tod gegangen sind, desto besser Hohn zu sprechen. Hand aufs Herz gelegt, ihr Männer von Worms, die ihr den Gottesdienst zu reformiren beabsichtigt, gesteht es, ob ihr, indem ihr den Gottesdienst umgestaltet, im Geiste eurer großen Ahnen handelt, oder ob ihr nicht vielmehr ihrem Geiste und ihrem Willen durch solches Vorgehen stracks zuwiderhandelt? Wird nicht jeder Stein der alten Synagoge, der einst wiederhallte von den Seufzern eurer in den Tod gehetzten Voraltern, euer Ankläger werden vor Gott, wenn ihr, die Söhne jener erhabenen Eltern, die ihr unter dem Gestirne einer freieren Zeit als freie Männer eure Häupter erheben dürft, als freie Bürger dem Staate dienen könnt, zum Danke dafür das Andenken an eure Vorältern aus dem Gebetbuche streicht und eine Musik anstimmt, deren Schall früher dazu gedient hat, den Angst- und Schmerzruf eurer dem Holzstolz übergebenen Vorältern zu übertönen? Wir erinnern nicht an jene dunkeln Zeiten, um Galle und Wehmuth in das Herz zu tröpfeln, und einen Haß zu schüren zwischen Brüdern, die friedlich beisammen wohnen — Gott bewahre! Haß und Groll bewahren verpönt das jüdische Gesetz, die Kinder sollen nicht um der Väter willen sterben, heißt es ausdrücklich in unserm Codex, und Harnan, der Judenfeind, war es, der einst den Haß der Väter auf die Kinder überrrug; was können die Kinder dafür, wenn die Väter geirrt? Aber jenes Instrument in unsere Synagoge herübernehmen, das hieße, außer dem religiösen Vergehen, welches begangen wird, schwer die Pietät verletzen, ja jede Pietät verläugnen, die wir dem Andenken unserer glaubensmuthigen Vorältern schulden. Waget es dann nicht mehr, euch zu rühmen, daß ihr im Besitze eines heiligen Ackers fett», in welchem heilige Gebeine ruhen, dieser Ruhm würde für euch nur eine Anklage werden, saget, ihr besitzet eure Sehenswürdigkeiten, wie Aegypten seine Katakomben hat, weiset aber nicht mehr auf die „großen Männer" hin, die im Schooße eures Bodens ruhen. — Ihr wollt reformiren, gut, thut solches, sorget dafür, daß man sich mit Anstand in der Synagoge betrage, daß das ungezogene Geplauder aufhört, von dem man so oft in eurer Synagoge belästigt wird, achtet darauf, daß die Synagogen-Ordnung gehandhabt wird, die uns der Schulchan-Aruch vorschreibt. Sorget dafür, daß eure Kinder Ehrfurcht vor der Religion eurer Väter bekommen, laßt sie nicht in Unwissenheit über ihr Gesetz aufwachsen, bereitet wiederum der Thora eine Stätte in einer Milte. Entfaltet in dieser Weise eure Thätigkeit, so übt ihr ein Werk, das den Beifall eurer hohen Ahnen und vor allen Dingen den Beifall Gottes haben wird, und was euch spätere Generationen noch danken werden. — Bis jetzt herrschte Einigkeit in der Gemeinde zu Worms, beginnt ihr Herren Vorsteher euer Kunststückchen mit dem Umbau der Synagoge und der Umgestaltung des Gottesdienstes, so habt ihr den Erisapfel in den Frieden der Gemeinde geschleudert, die Folgen habt ihr alsdann zu tragen. Wir hoffen zu Gott, daß es nicht so weit komme, wir glauben , daß es noch Männer in Worms gibt, an deren gesundem und religiösem Sinn das Vorhaben des Vorstandes scheitern wird; auch der Vorstand wird von seinem Vorhaben abgehen, er wird es einsehcn, daß das Säen der Zwietracht keine guten Früchte dem Sämann tragt. — Sollte aber der Vorstand sein Lreblingsproject durchsetzen wollen gegen den Willen vieler Gemeindeglieder, nun dann, ihr Männer von Worms, denen die jüdische Religion kein leeres Traumgebilde ist, dann nicht Frieden um jeden Preis, nehmet den Fehdehandschuh auf, der euch hingeworfen wird, ihr kämpfet alsdann um das unveräußerliche Recht eurer Autonomie und eurer Religion, der Sieg kann nicht zweifelhaft sein! Nachbemerkung der Redaction! Es sind bereits einige Wochen verflossen, seitdem der Anfang des vorstehenden Aufsatzes in diesen Blättern erschien. Inzwischen hat die bekannt gewordene Absicht des Wormser Vorstandes, die alt-ehrwürdige Wormser Synagoge durch Umbau zu verunstalte», nicht geringes Aufsehen in der Welt, namentlich iu England erregt Ein Correspondent des Londoner „Jkwish Chronicle" hat sich sehr energisch darüber ausgesprochen und seine Landsleute von Vnfluß und Bedeutung aufgefordert, gegen dieses Attentat auf eines der ältesten und ehrwürdigsten jüdischen Gotteshäuser zu wirken. Was unterdeß von dort aus ge-

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