Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 39-40 (7.10.1863)
- Date
- 1863-10-07
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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491 Tugendhaften abzuwenden". Indem ich dem Leser überlasse, diese Erklärung zu einer befriedigenden zu commentiren, theile ich die meinige in Folgendem mit: Der religiös gesinnte und durch das Leben nicht gedankenlos wandelnde Mensch nimmt von den mannigfaltigen Erscheinungen, Veränderungen nnd Auftritten aus dem großen Schauplatze der Natur Veranlassung zu belehrendem Nachdenken. Himmel und Erde, Sonne und Mond, Luft und Meer, Licht und Finsterniß, Thiere und Gewächse — wem gilt ihr Vortheil? dem Menschen. Der Umkreis seiner Genüsse ist über die ganze Natur verbreitet; Alles, was der Erdkreis enthält, hat Einfluß auf ihn, dient ihm bald zur Nahrung und zur Bekleidung, bald zur Bequemlichkeit, zum Schmuck und zum Vergnügen, — die ganze Welt ist seinetwegen erschaffen. Der Mensch ragt über alle Meisterstücke, über alles Große und Prachtvolle in der Natur hervor, er übertrifft und verdunkelt alle ihre Herrlichkeiten, mit ihm hat der Schöpfer die sichtbare Schöpfung abgeschlossen, als Merkmal des Adels und der Krone derselben; ihm hat Er die unverkennbaren Züge der Aehnlichkeit mit Ihm, Bewußtsi-in, Vernunft und Freiheit aufgedrückt, er kann die Elemente zu seinem Nutzen weise beherrschen und leiten, er gilt so viel wie die ganze Welt. — Aus der Schöpfung lernt der Mensch Vorschriften für ein, seiner erhabenen Bestimmung gemäß, vernünftiges Verhalten. Die nach den weisesten Regeln wechselnden Jahreszeiten sind ein Bild des menschlichen Lebens. Die schöne Zeit der Jugend gleicht den Tagen im Jahre, wo de' Acker bestellt, der Baum gepflanzt und der Grund zur Ernte im Sommer und im Herbste gelegt werdmmuß. DieIugendjahre sind Jahre der Saat und der Entscheidung für dre ganze Zukunft; jede fromme Empfindung, jede große Gesinnung und jede edle Bildung frühe gesäet und angepflanzt, blühet kräftig auf, entfaltet sich und reift zur möglichsten Vollkommenheit. Aus der Schöpfung lernt der Mensch eine Vorsehung anerkennen; er sieht einen unermeßlichen Vorrath von Mitteln in der Hand des Allmächtigen, dessen er sich zur Beförderung seiner edelsten Zwecke bedienen kann. Thöricht und unbesonnen ist es, die Gesetze des Schöpfers des Lichtes zu verdunkeln, weil man bei der Finsterniß seinen Vortheil sieht; thöricht und unbesonnen ist es, dem Willen einer Macht sich zu widersetzen, nach deren Wink Himmel und Erde sich richten; thöricht und unbesonnen ist es, bei der Erfüllung seiner Pflichten zu verzagen und Kümmerniß zu hegen, wenn man einen Regierer der Welt wahrnimmt, durch dessen An- I ordnung die finstere Nacht wie der heitere Tag, der tobende Sturm wie die erquickende Lust, die furchtbare Stimme des Donners wie der bezaubernde Gesang des Vogels Mittel zum Guten und zum Segen wird; — die ganze Welt ist nur dazu erschaffen, um dem Menschen zu gebieten, ihn dem Gehorsam und dem Vertrauen gegen Gott näher zu bringen. — Der Scher auf dem Neöo. Bon Herr! Zuflucht bist Du uns in Ewigkeit! 1. Spannt auch Aegyptens Macht den schwarzen Fittig aus, Verliert selbst Dein Volk des heil'gen Lichtes Spur; Treibt sie Tyrannenwuth auf's neu in's Sclavenhaus Und tilgt die heil'ge Saat auf hoffnungsvoller Hur: Dein Ruhm, o Herr, ist ewiglich, Gerecht sind Deine Pfade; Du krönst unsrer Hände Werk, Werk Deiner reichen Gnade. 2. Jetzt ziehet hin Dein Volk in seiner Väter Land, Das ich erblicken nur und nicht betreten soll; Ich seh' — bald löset sich der Stämme reges Band, Ein Jeder kämpft für sich nur seines Vortheils voll. *) Die schöne Jugendkraft Wird nutzlos nur vergeudet, Und nicht das Wort des Herrn, Der eigne Will' entscheidet. 3. Da eilt das thörichte, das ungetreue Kind, Weicht ab nach Augenlust, nach blindem Herzenswahn; Verläßt die Weg' des Heils, die ihm gezeichnet sind, Und schreitet üppig wild auf selbst gewählter Bahn. Vergißt den Fels, der es gezeugt, Den Born, der es erquicket; Und fällt dem Wahn zurück, Der alle Völker noch umstricket. Herr! Zuflucht bist Du uns in Ewigkeit! 4. Da buhlet Israel nach fremder Völker Sitt', Nicht mehr genügt es ihm, der Knecht des Herrn zu sein: Den König wählt es sich aus seiner eignen Milt',**) Giebt seine Freiheit hin und tauschet Knechtschaft ein. Doch sieh — ein König kommt, Der Herr hat selber ihn erkoren; —***) Der führt sein Volk ihm zu, Und neu wird Gottes Bund beschworen. *) Zeiten Josua's und der Richter. **) Saul. ***) David.