Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 39-40 (7.10.1863)
- Date
- 1863-10-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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469 Also, worauf warten? Undsdann erst den bösen Geist austreiben, wenn er sich bereits ganz heimisch gemacht? Nein, da heißt es, dem Nebel kräftig Vorarbeiten, das an dem innersten Kern des orthodoxen Judentsums krebsartig nagt und das, ja, das, vermögen nur die geachteten Rabbinen unseres Landes. So ist es und nicht anders; ich bin des gewiß, denn ich habe es aus dem Munde eines der gelehrtesten und würdigsten — Rabbinen. Ach, hörte ich diesen Herrn wehmüthig ausrufen, daß die eigentlichen Pfleger und Träger der Zeit in einer der wichtigsten Fragen sich fahrlässig zeigen! Nun ja, die in der Ferne lebenden Rabbinen, denen der Chassidismus nicht aus eigener Anschauung, sondern aus einzelner! hinüber getragenen Anekdötchen, immens lustigen Anekdötchen bekannt wurde, sie nehmen ihn von der komischen Seite, denn wie sollte sein scheinbar burleskes Auftreten, seine Bacchanalien der Andacht, sein Haschen nach Wundermähr: alles in allem, dem Uneingeweihten, der die häßliche Tiefe nach ihrer glitzernden Oberfläche nimmt, nicht ein joviales Lächeln äbgewinnen? Anders die Rabbinen, die mitten unter den Massihim leben und die gewaltige Intensiv» ihres Cultus begreifen. Die scheuen vor der gefährlichen Umgebung sich und liebäugeln, wo es sich gut läßt, nach bester Möglichkeit mit derselben. Aber wahrhaft seine Meinung aussprechen und die Gefährlichkeit des Chassidismus Nachweisen — wem, bleibt flies Vorbehalten? mir? einem jüdischen Lehrer? einem Studirten, der für deutsche Blätter schreibt? m ns (I.Sam. 10, 27) kann ich auch anders mehr als im Dienste der Wahrheit und dev Religion auf den wunden Fleck mahnend Hinweisen, damit solche die Heilung übernehmen, die sich durch lautere Frömmigkeit und cclatante Gelehrsamkeit so viel Achtung und Vertrauen bei der Masse errangen, um dem gefährlichen Gegner mit Zuversicht die Spitze bieten zu können.- Nun noch einige Notizen anderer Art. Ich habe Eingangs dieser Zeilen der Prüfung an unserer Muster- Hauptschule Erwähnung gethan, die endlich ihren Abschluß gefunden. Soll ich Ihnen über deren Resultat berichten? Nicht doch, ich überlasse es getrost jedem Unparteiischen, über die Leistungen des Lehrkörpers in quali- und quantitativer Beziehung sich möglichst breit auszusprechen, weshalb ich auch weiter nichts sage, als daß man au unserer Schule im Ver-! lauf des Schuljahres, sowohl von Seiten der Lehrer! als auch der Direktion angestrengt bemüht war, das! Möglichste zu leisten. Unsere Schule hat dieser Tage , in der Versetzung des Herrn Becher an die Muster-! Hauptschule nach Fünfkirchen, dieses tüchtigen College»,! dem ich hiermit warm den versäumten Abschiedsgruß i Nachrufe, einen wahrhaften Verlust erlitten. Noch einen! weiteren Verlust ähnlicher Art, aber aus andern Ur- > fachen, erleidet dieselbe Anstalt, nachdem Herr Isidor j Schön, einer der achtbarsten und reichsten Männer der hiesigen Gemeinde, sich in Fräul. Moravetz, der geistreichen Lehrerin unserer III. Mädchenklasse, seine Gattin gewählt, was diese natürlich veranlaßt, auf ihren Posten zu resigniren. Also jetzt haben wir Ferien, da ist cs in der Ordnung, daß der müdgesessene Schulmeister eine Erholungsreise mache, allenfalls in der — Fantasie. Auch ich schweife mit meinen Gedanken in die weite Ferne hinaus und lade ich Ihre Leser ein, mich nach meinem lieben Heimathsort Hunsdorf, woher Ihr geschätztes Blatt schwerlich je ein Referat gebracht, für einen Augenblick begleiten zu wollen. In diesem schönen Dorfe, die einzige Kehila in der pittoresquen Cips, ist der Sitz des ehrwürdigen Comitatsrabbiners Und wie diese Gemeinde eine der ältesten, noch heute eine der bedeutendsten im Gesammtvaterlande ist, so war sie früher auch eine der blühendsten, ehe ihre wohlhabenden Mitglieder sich in den vielen Städtchen ansässig machten, mit denen die Cips wahrhaft übersäet ist. Dies datirt sich erst seit der Mitte der vierziger Jahre. Bis dahin war H. der einzige Ort im ganzen Comitate, wo Juden wohnen dursten, während heute die Muttergemeinde Filialen hat, die ihr den Vorrang abzugewinnen drohen. Aber was H. für alle Zeit verbleiben wird, ist die prachtvolle, im großartigsten Style erbaute Synagoge, die in Oberungarn nicht ihres gleichen hat. Ferner besitzt H. eine gutorganisirte Schule, mit einem erklecklichen Fond dotirt, an der seit nahzu 30 Jahren der Erzieher und Lehrer meiner Jugend, der biedere Herr I. Löwenbein, segensreich wirkt. Und die emsigen, gesinnungstüchtigen und frommen Menschen gedeihen kräftig in der herrlichen Karpathenluft und werden hochbetagte Greise. Denken Sie sich: In H. , einer Gemeinde von ungefähr 150 Familien, mögen 20 und mehr Individuen sein, die zwischen 80