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Der Israelit · 1863-10-07 · Heft 39-40 (7.10.1863) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 39-40 (7.10.1863)
Date
1863-10-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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4, .tu L. a.lljhely, Text. Andauernde Berufspflich- Len hatten seit längerer Zeit mich dercM"n^Anspruch" genommen, daß ich nicht einmal an die Fortsetzung meiner unterbrochenen Correspoudenz zu kommen vern mochte. Kaum aber sind die Prüfungen an unserer Schule zu Ende, so eile ich schon, die versäumten Pflichten des Referenten getreulich nachzuholen, wobei ich keinen Anstand nehme, die banale Bemerkung auszusprechen, daß es mich recht sehr freuen würde, wenn mich Ihre Leser einstweilen ein bischen vermißt, nunmehr auch mit einem Händedruck im Geiste willkommen hießen. Und ob ich nicht diesen freundlichen Willkomm verdiene, der ich in der Heimath des Chassidismus es wage, gegen die Verfinsterung anzukämfen und bei jeder Gelegenheit ihr das herbe Wort der Wahrheit ins Gesicht zu schleudern! Sie draußen im Reiche können noch lange nicht ermessen, welcher Muth hiezu gehört, nachdem selbst die meisten Rabbinen Ungarns, denen unsere Zustände unmöglich fremd geblieben sind, die Gefahr nicht kennen wollen, die mit unbemerkbar leisem Schritt dem echten Judenthum in der Gestalt des Chassidismus nah und näher rückt Aber sie werden es über kurz oder lang fühlen, was sie jetzt mit diplomatischem Lächeln ignoriren. Denn, die „heiligen Frommen" sind überaus thätig; sie sind, nach der sauberen Maxime: der Zweck heiligt das Mittel, in der Wahl derselben nicht eben häkelig, und aüiiren schlimmsten Falls sich mit der Heterodoxie, wenn sie anders nicht im Stande sind, eine Bresche in unfern Wall zu schießen. Was will der Chassidismus? und wirkt er zu dem hohen Ziel der Menschenveredelung mit? Nun, das muß er doch, weil sonst in der langen Kette der Ereignisse kein Glied für die! Dauer existirt, das nicht als Ausfluß der unendlichen! Weisheit Bestand sich sucht und gar noch in den! Herzen der Menschen als solcher Wurzel fassen will.! So muß auch die aufgeregteste Phantasie dem ausgetrockneten Materialismus dämmend entgegen treten und ihn im Dienste jener Weisheit mit bekämpfen helfen. Darum sollte man dem veredelten Chassidismus, wie er sich in einzelnen sinnigfrommen Individuen constatirt, wie die Physiologen ihren heilsamen Giften, beredt das Wort leihen. Ja wohl, Ehre dem Chassidismus, dessen Streben selbst in seiner Abirrung ein heiliges, gottgeweihetes ist. Anders freilich stehet es um die verfinsternde Scheinheiligkeit, die mit bor- » .r' AZ/' *>? 4 A nirtem Eigendünkel allem zeitgemäßen Bessern pch hemmend entgegen wirst und sich^"IoH"MWgend^ii^ rechnet, wenn sie dem elendsten Aberglauben jrn Kampfe mit dem unschuldigsten Fortschritt äuf deiU'Fekd Pädagogik eine Gaffe macht. Nieder mit den Schulen! ist die ewige Parole, die durch das Lager der Afterfrommen tönt. Und geben Die sich, verehrter Herr Redacteur, gar nicht der Täuschung chm)?däß Ihr den Interessen des orthodoxen Juden!hums geweihter „Israelit" solchen Pietisten werther als irgend ein Blatt der Reformpartei zu sein vermag. Weshalb schreiben Sie auch ein schönes Deutsch, das Sie mit deutschen Typen abdrucken lassen? Um dem „Am ha Arez Chassid" zu gefallen, müßte man vielmehr in seinem armseligen Kauderwälsch den kläglichsten Unsinn produciren und gegen alles, was nicht Superstition ist, mit blindem Fanatismus eifern. Darum nur keine Täuschung! Die Wahrheit, die herbe, schwerverdauliche allein kann uns vor dem größten aller Uebel retten, welcher uns in dem aus grober Unwissenheit entsprungenen Aberglauben höhnisch entgegen grinst. Und deshalb sollten die Rabbinen Ungarns, welcher Richtung sie auch angehören, mit vereinten Kräften — „Vli-idus umtir;!« — den: Uebel entgegen wirken, oder, wohin dieses noch nicht gedrungen ist, ihm in vorne hinein den Boden abgewinnen, damit es immer mehr auf engen Raum beschränkt, immer kleinere Dimensionen annehme und mit der Zeit in seinem eigenen Fett ersticke. Gewiß, das sollten die Rabbinen selbst der fernsten Commitate thnn und es wäre die schlechteste ihrer Thaten nicht. Aber sie lassen es fein bleiben, weil ihr eigenes Haus noch lange nicht brennt. Was auch daran liegt, daß sich während dem das eiternde Geschwür wieder um einige Zoll weiter ausgedehnt! Uns müßte es freilich Wunder nehmen, wenn wir bei derartiger Bewandtniß es nicht erleben, daß sich auch noch in dem frommen Presburg, welches wir beispielsweise anführen,, der Chassidissnus Mnisten wird. Was nicht alles möglich ist! Und hören wir denn nicht , von dorther, auch trübe Mißtvne der Parteiung zu uns herüber klingen? Zerklüftung, allüberall Zerklüftung, und wer es nicht wüßte, daß die schroffsten Gegensätze sich berühren! Freilich, von der Hyperausklärung bis zum Fanatismus ist es nicht gar^weit und hast du es nicht, so hat sich der craffe Chassidismus mit seinen traurigen Jnductionen eingefunden.

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