Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 38 (24.9.1863)
- Date
- 1863-09-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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4S7 die Kinder wachsen heran ohne Verstündniß für das Leben nnd Treiben und für die Anschauungsweise der alternden Eltern; ein Jedes von Ihnen geht seinen eigenen Weg und entfernt sich von dem alten Vater, der sich am Ende ganz und gar verlassen fühlt und trübsinnig auf ein verlornes Leb«i zurückschaut. Das Alter schwächt seinen Körper, das Dasein ist nur noch eine Gewohnheit, in der ein Tag dem andern gleicht, ohne Hoffnungen, ohne Wünsche den Geist oerdumpfend zum Stumpfsinne führt, und der schwache, stumpfe Greis gleichet nur noch einem Affen, sich selbst und Andern zur Last. II. Anders ist es mit dem Leben der Wahrheit; da wird aufgebaut ein Leben, in welchem ein Stein den andern trägt, und niemals braucht der Mensch auf verlorene Jahre zurückzuschanen. Schon im zarten Kinde liebt der fromme Israelit nichts Anderes als den künftigen Gottesdiener, den er zu erziehen hofft im Geiste der Väter, in der Thora nnd für die Thora -rp-,7 r<r>"->rr-> v'.vI' xv'ii pios' Und wenn das Kind zu lallen anfängt, so sind es Worte der Gotteslehre, die sein Mund zu sprechen lernt, und wenn der Trieb zum sinnlichen Genüsse hervortritt, so wird dieser verklärt durch den Segensspruch, der schon das zarte Kind auf seinen Schöpfer hinweist. Und auch im Scheine, im Spiele der Knaben zeigt sich Wirklichkeit und Wohnhaftes, indem seine Neigungen den Gottesgeboten zugewendet werden. Die jüdischen Feste sind es, mit denen die höchste Lust der kindlichen Spiele in innigstem Zusammenhangs stehen, mit denen die kindlichen Spiele verwachsen. Da ist es vor Allem das schöne Winterfest, das Weihefcst, an welchem die freundlichen Lichter den Geist des Knaben erleuchten und ihn begeistern, dereinst wiedieHasmonäer sterben zu wollen im Kampfe für die Gotteslehre; dann das PurimfesL mit seiner Lust und seinem Jubel, das den Gottesschutz für Israel vergegenwärtigt und den Triumph der dem Tode Geweihten über den übermächtigen Feind; das Peßachfest mit seinen vielen Vorbereitungen und Sonderheiten und namentlich mit seinen Sedernächten, in denen die Augen des Knaben hangen am Munde des erzählenden Vaters, der nicht anfhört, von der wunderbaren Befreiung aus Mizrajim immer neue Kunde zu geben; das Zählen der Tage bis zum Wochenfeste und das Wochenfest selbst, das den Geist des Knaben versetzet in die arabische Wüste und ihn gleichsam schauen läßt die Offenbarung Gottes auf Sinai; und dmm die Nationallrauer in den schönsten Sommertagen, die Klagen der auf der Erde Sitzenden und Trauernden um die Zerstörung des Tempels und den Verlust unseres Volksthumes; die Posaunentöne am Neujahrsfeste, welche ihm vergegenwärtigen das schöne Bild des sich hingebenden Jünglings, der gehorsam dem Vater sich seinem Gotte zum Opfer weihen will; der Versöhnungstag mit seiner Erhebung und Weihe, an welchem der Knabe es inne wird, was es heißt, ununterbrochen seinem Gotte zu leben; und nun gar das Lcmbhüttenfest mit seinen siebenfachen Mitzwoth; die Hütte selbst und ihre Ausschmückung — die höchste Freude der Kinder, die vier Fruchtarten und ihre Anwendung, die Bachweide am Hoschanah Rabbah und das Fest der Gesetzesfreude, der Freude, die einzig der Thora geweiht ist! O, daß sie nicht mehr allüberall mit der alten Innigkeit gefeiert werden diese jüdischen Feste! was die Erziehung der Kinder dabei verliert, ist wahrhaft unersetzlich. Der Knabe, dem es möglich geworden, an diesen Gottesgeboten so recht seine Freude zu haben, wird sicherlich Ehre und Ruhm, sobald er ein Jüngling geworden, nur in der Thora und deren Verständniß suchen. So baut der Jüngling fort aus der Grundlage, die der Knabe gelegt und der Mann voll endet das Gebäude; und selbst die sinnlichsten Triebe werden verklärt durch die Gebote des Schöpfers, die zwar mäßigend, doch die Befriedigung nicht verbieten, nicht aufheben wollen. Jede Thätigkeit ist eine geweihte, denn die Gotteslehre und ihre Herrschaft wirkt veredelnd. Am Ende einer jeden Woche ist ein voller Tag der Einkehr bei sich selbst und der Sammlung aus den Zerstreuungen des täglichen Lebens geweiht. Tie Sorge für Weib und Kind ist keine drückende, sondern eine erhebende, weil durch die Religion gebotene WNU .->1 r>p ^>22 .IMP. Seine Kinder erzieht er für einen bestimmten, ewigen, unveränderlichen Zweck, für den Gottesdienst und dieThorakenntniß; denn die Gebote Gottes und die Kunde von seiner heiligen Lehre sind nicht blos Mittel, hier und jenseits unser Glück zu begründen, sondern sie sind Selbstzweck. Co schaut der Greis auf ein schönes, reiches, mit gottgefälligen Thaten erfülltes Leben zurück; keine seiner srüh-rn Thätigkeiten ist verloren, er lebt geliebt, geehrt und geachtet im Kreise der Seinen, geehrt und geachtet von Allen, die ihn kennen; sein weiser Rath und seine reiche Erfahrung dienen zu Nutz und Frommen seiner jüngeren Mitmenschen, die bei ihm Belehrung suchen nnd finden; so bildet sein Greisenalter die Krone seines Lebens .-O'w . .—2p. Das ist das Leben der Wahrheit! wir haben in ihm keine hervorragenden Tugenden, Leistungen oder Zähigkeiten vorausgesetzt, sondern haben nur das Gewöhnliche betrachtet, ebenso wie wir beim Leben des Wahnes nicht besondere Abirrungen ins Auge gefaßt haben. Um ein gotterfülltes, gottgefälliges Leben zu führen, bedarf es weder großer Gelehrsamkeit noch außergewöhnlicher Thaten — es ist nichts dazu erforderlich, denn der ernste Wille; aber dieser ist frei L>«N2 so mögest Du denn wählen Leben, wahrhaftes Leben!