Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 38 (24.9.1863)
- Date
- 1863-09-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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466 gen und Kümmernisse auf, die der, welchem Gott sein leidliches Auskommen geschenkt hat, nicht kennt? Wieder Andere streben nach Macht und Ehre und Ansehen, und wenn sie erlangt haben, was ihrem Herzen als das höchste Glück erschienen, so fühlen sie nur noch das Drückende der Lasten, die auf ihren Schultern ruhen; ja selbst der Ruhm, der vielbegehrte, reizt nur so lange, als er in der Ferne dem nach ihm Strebenden vorschwebt; ist er erlangt, so wird der Ruhmgekrönte gleichgiltig gegen ihn. Selbst die Weisheit, die vielgepriesene, vermag nicht das Menschenherz dauernd zu beglücken, und wer zunimmt an Erkenntniß nimmt nur zu oft zu an Schmerz — Alles ist eitel. Wäre dem aber unbedingt so, so wäre das Leben des Menschen ein vergebliches und sein Dasein ein ungelöstes Räthsel; doch unsere Weisen mögen uns das Räthsel lösen. Hören wir, was sie zu dem Ausspruche des weisen Königs bemerken: 'i 72 ^122? 1222 71-.1P 12x2? 2'-27i x"2"e?"i vie?2 ri- 712712 /NL' ppdlia -;-2- 71211 7122? ,71x11 21x.iL? 7112-ip r p ,L'didd i'i' vllid 1171- '21 '2;2 ,i7nx pps?22i '^21 .1'212- .l'IOL? ,27112 Olvs) 71211 '2 ^2 ,'122 j>S1p '' 2-22 1'P2 2'22 l'^ITI ,11271- Tlvll 7IL?X XL?2 ,X7»71'X 1271X1 X17I ,r)1p2 X171 '171 Pj717! ,7112112 271^ X'271- O'2'2 X2 1'1 -'-2711 2112 711171 '222 -2X "X7l"p2 1-2;pi xiiL' 2'px. Rabbi Samuel, Sohn des Rabbi Jizchak, lehrte im Namen des R. Simeon, Sohn des Eleasar: die sieben Male, die Salomo von den Eitelkeiten der Welt spricht, entsprechen den sieben Lebensaltern des Menschen: als einjähriges Kind gleicht er dem Könige, dem Alles huldigt, Alles küßt und liebkost es; in den folgenden Jahren gleicht er jenem schmutzigen Thiere, das sich gern im Schlamm umherwälzt; als zehnjähriger Knabe hüpft er wie ein Böcklein; als zwanzigjähriger Jüngling gleicht er dem wiehernden Rosse, schmückt sich und sucht die Lebensgefährtin; ist er verheirathet, so gleicht er dem lasttragenden Esel; als Familienvater ist er keck wie der Hund, um seinen Kindern Nahrung zu schaffen; als Greis gleicht er dem Affen. Das Alles bezieht sich aber nur auf den rohen, unwissenden Menschen, der dem Geiste der Thora und der Erfüllung ihrer Gebote fern blieb; von denen aber, die der Thora leben, heißt es: „und der König David war alt und betagt", wiewohl alt und betagt, dennoch ein König. Mit dieser Darstellung des R. Samuel, Sohn des R. Jizchak, ist das Räthsel des menschlichen Daseins gelöst; es ist das Leben des Wahnes, über das der weise König sein Urtheil fällt und dessen Bestrebungen er als eitel und nichtig kennzeichnet, das Leben der Wahrheit aber, das sich der ewigen Wahrheit, der Thora weiht, ist zwecklos nimmer. I Betrachten mir ein Leben, das nur irdischen Bestrebungen gewidmet ist, dessen Endziel das größte Maß von Freude und Vergnügen, von Behaglichkeit und Bequemlichkeit ist; bei fortlaufendem Alter verlieren die frühern Bestrebungen und Ergötzungen ihren Werth, und der Mensch spricht beim Abschlüsse eines jeden verflossenen Lebensalters beim Zurückschauen: auch das war eitel. Betrachten wir diese verschiedenen Lebensstufen der Reihe nach. Das zarte Kind erscheint seinen Eltern als der Inbegriff aller Vollkommenheit. Die ganze Welt-steht einem solchen Kinde, dessen Neigungen und AÄageu sich noch nicht entschieden haben, offen, und U^nn die Mutter mit zärtlichem Blicke ihr in der Wiege^schlummerndes Kindlein betrachtet, da baut sie sich die grüß^ ten Lustschlösser, macht die weitfliegendsten Pläne, wer weiß, ob nicht ein Alexander oder Napoleon da schlummert! Wahrlich, ein König ist solch ein Kind, dem Alles huldigt, Alles dient; gerade seine Hilflosigkeit und Schwäche ist die gebietende Nothwendigkeit, welche ihm die Erwachsenen dienstbar macht. Wie lange währeu diese Träume und Luftschlösser der Eltern, diese Pläne einer glänzenden Zukunft für das Söhnchen? Bald kehrt sich die rein sinnliche Natur desselben heraus; es hat Freude am Schmutz, wie das Thier, das gern im Schlamme wühlt, bis es an sinnreicheren Spielen Gefallen findet. Dann hüpft es und springt es wie ein Böcklein — die Welt des Scheines, das Spiel ist ihm aufgethan. In scheinbar ernster Beschäftigung baut der Knabe, um wieder zu zerstören, ordnet um wieder zu verwirren, schafft um wieder zu vernichten, bis er den Knabenjahren entwächst und er lächelnd und bedauernd auf die vergangenen Jahre zurückschaut. Jetzt gleicht der Jüngling dem kühnen, wiehernden Rosse; seine muthige Brust athmet hoch auf; er möchte die Welt zerstören, um sie nach seinen Idealen wieder aufzubauen; alle Ehren möchte er gehaust sehen auf sein Haupt und das Weltall erfüllen mit seinem Ruhme. Die Ideale, welche seine Brust erfüllen, glaubt er verkörpert zu erblicken und die Befriedigung seiner Sehnsucht in dem Besitze eines geliebten Weibes zu erlangen. Wie bald haben sich alle seine Träume als Träume, seine Plane als eitel Schaum, sein gehofftes Glück als ein Trugbild erwiesen! Wehmüthig lächelnd schaut er auf sein vergebliches Hoffen zurück und selbst mit dem Besitze des Erlangten ist nur zu oft die Freude daran entschwunden. Gebeugt und niedergedrückt von der Wucht des Lebens gleicht der hoffnungsreiche Jüngling nunmehr dem lasttragenden Thier Was er erreichen konnte, das hat er erreicht, und es befriedigt ihn nicht. Was chm unerreicht geblieben, das, er weiß es jetzt, wird ihm auch unerreichbar bleiben; aber der Mensch muß etwas hoffen; seine alten, kühnen Pläne will er in seinen Kindern verwirklichen. Ihnen will er den Pfad ebnen, der ihm selbst voller Hindernisse war. Für sie ist er unersättlich, für sie nrüht er sich Tag und Nacht; aber