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Der Israelit · 1863-09-16 · Heft 37 (16.9.1863) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 37 (16.9.1863)
Date
1863-09-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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460 Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien. Der G.-Corr. wird geschrieben, daß die letzte Nummer des „Magyar Jzraelita" confiscirt wurde wegen einer Kritik des ungarischen Sprachunterrichtes an der israelitischen Lehrerbildungsanstalt. Donaufürstenthümer. Zaffy. Der hier erscheinende begleitet das neue Ministerial-Reskript gegen die Juden in den Donaufürstenthümer» mit einer scharfen Kritik, aus welcher wir folgende Stellen hervorheben: „Es ist leider wahr, daß der Ex-Oberst Couza, der Erwählte der Rumänen, sich seit langer Zeit schon ziemlich despotischen Gelüsten überläßt, und daß die Furcht allein ihn verhindert, seine Träume von Autokratie in Miniatur bis zu Ende zu verwirklichen. So wird nach den Ausdrücken dieses höchst intelligenten Rundschreibens der freie Boden der Donaufürstenthümer den Gelehrten, den Künstlern, den Handwerkern und Grundbesitzern u. s. w., sobald sie dem jüdischen Glauben angehören, untersagt, und die Herren Pereira z. B. könnten selbst nur die Erlaubniß zu einem vorübergehenden Aufenthalte Mangen, wenn sie sich als Handeltreibende an der Grenze erwiesen hätten. Wenn die jüdischen Kapitalisten ihrerseits, um ihre Glaubensgenossen zu rächen, die Fürstenthümer mit dem Banne belegten und den magern Credit auf dm europäischen Märktm ruinirten, so würde sich die Regierung des Fürsten Couza in einer traurigen Verlegenheit befinden. — Aber wenn wir die Frage aus dem Gesichtspunkte der Grundsätze der Gewissensfreiheit und bürgerlichen Gleichheit betrachten, welche zukünftig die Grundlage jeder lebensfähigen Gesellschaft bilden, ist es nicht traurig, eine Regierung, welche Ansprüche an die Sympathien und die Achtung der liberalen Geister erhebt, mit einer solchen Hartnäckigkeit auf dm schlimmsten Traditionen des religiösm Fanatismus beharren zu sehen? Ist es nicht interessant, zu beobachten, wie in demselbm Augenblicke, wo die Danksagungen von allen Seiten an den Sultan für die unbeschränkte Duldsamkeit gelangen, von der er die Beweise seinen Unterthanm aller Confessionm gibt, die vorgeblichen Regenerationen von Rumänien sich zu neuen Verfolgungen gegen die Juden erhitzen? Und ist es nicht wahrhaft sonderbar, constatiren zu müssen, daß auf Grund dieser ministeriellen Verordnung der konstitutionelle Bodm der Moldau-Waüachei dem ehrwürdigen israelitischen Philantropen Sir Moses Montefiore, welchen Abdul-Azis jüngst mit so edelherziger Höflichkeit empfing, verschlossen wäre? Es gibt dies Stoff gmug dm Gegnern der Türkei zum Nachdenken." Schweiz. Zürich, 10. August. Professor Lazarus, der erst seit einem Jahre kroksssor vräivariuo und Decan der philosophischen Facultät ist, würbe vom Senat für das nächste Jahr zum Rector der Universität erwählt. Das erste Mal, daß ein Jude eine solche Würde bekleidet. — Italien. In Rom ist schon wieder einmal eine Mortarageschichte vorgefallen. Ein Mädchen von ungefähr neun Jahren, Tochter israel. Eltern, entfernte sich aus Furcht vor einer Strafe aus dem Hause. Auf dem Platze St. Caterina de Funari fing das Kind heftig zu weinen an; da erfaßte es eine alte Betschwester, frug es nach seinem Namen, und als sie erfuhr, daß das Kind eine Israelitin sei, führte sie dasselbe in das Kloster der Catecumenier. Das Mädchen weigerte sich jedoch einzutreten, und nun zog die Betschwester dasselbe bei dm Haaren zum Thore hinein. Die Mutter gelangte mittlerweile auf die Spur ihres Kindes, erfuhr, daß es zu den Catecumeniern gebracht worden sei und reclamirte es daselbst. Aber die Antwort, die man ihr dort gab, lautete, „daß an jenem Orte hebräische Kinder weder Vater noch Mutter mehr haben, daß im Augenblick, wo eine Israelitin die Schwelle des Klosters überschreitet, sie getauft werde." Man denke sich die Verzweiflung der armen Mutter und der übrigen Verwandten, deren Reklamationen bis jetzt noch Nichts gefruchtet haben. (Pf. K.) (Hierbei eine Beilage.) Verantwortliche Redaktion: vr. Lehman». — Berlag der Le Roux'schen Hosduchhandlung. — Druck von I. GottSleben in Mainz

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