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Der Israelit · 1863-08-19 · Heft 33 (19.8.1863) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 33 (19.8.1863)
Date
1863-08-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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genoffenschast, ngch Einsichtnahme der vom 2. und 3. HM 1863 datirten Beschwerden aargapischer Jsraellsey gegen die Vollziehung des Gesetzes des Kantons Aargau vom 27. Juni 1863 betreffend ihre öffentlichen Rechtverhältnisse, nach Einsichtnahme der Botschaft des Bundesrgthes vom 17. Juli 1863, nach , Einsichtnahme, in Beziehung, auf die politischen Suchte der aargauischen Israeliten, des Bundesbeschluffes vom 24. September 1856, und, bezüglich ihres Bürgerrechtes, des aargauischen Gesetzes vgm 1.5. Mai 1862, der Art 43 und 56 der Bundesverfassung^ sowie des Bundesgesetzes vom 3. Dezember 1850 über die Heünathlofigkeit, beschließt: 1. Per Bundesrath wird eingeladen, gemäß dem Beschlüße der B und eso ersammlrmg vom 24, September 165H, die Vollziehung des aargauischen Gesetzes vom 27. Juni 1863, so weit es mit jenem Beschlüsse im Widerspruche steht, zu fistiren und darüber zu wachen, daß der Kanton Aargau den daselbst seßhaften schweizerischen Israeliten die Ausübung der politischen Rechte in eidgenössischen und kantonalen Angelegenheiten nicht länger vorenthalte. 2. Der Bundesrath wird ferner eingeladen, zu untersuchen, ob nicht den aargauischen Israeliten durch das Gesetz des Kantons Aargau vom 15. Mai 1862 das dortige Bürgerrecht in vollgiltiger und unwiderruflicher Weise zugesichert worden sei, und bejahendenfalls dafür zu sorgen, daß ihnen dieses Recht ungeschmälert erhalten bleibe, verneinendensalls aber ihre Einbürgerung gemäß Bundesgesetz vom 3. Dezember 1850 Mer die Heimathlysigkeit zu bewerkstelligen." F e rr L l l e O o n. Polnische SkyM aus -er Gegenwart. (Von einem deutschen Augenzeugen.) Der polnische Jude. (Fortsetzung und Schluß.) Der polnische Jude verlaugnet nicht seine orientalische Abstammung, und Tracht; gelbliche Gesichtsfarbe, markirte Backenknochen, großer Bart, der nie geschoren wird, langer, bis an die Füße reichender Rock charakterisketr ihn. UnZer dem Rocke trägt er kurze Hose» und bis an dw Knies reichende Stiefel. Ich habe Juden gesehen, die diesen Anzug Tag und Nacht nicht vom Leibe bekamen, namentlich auf Reisen. Der reisende Jude kehrt bei Untergang der Simne in irgend eine Hütte eines andern Juden ein, wird dort stets wie ein Bruder empfangen und kann bleiben so lange es ihm gefallt. Ein Bett existirt nicht, aber ein Gebund Stroh oder eine barte Bank genügen zum Lagex; er zieht seinen langen Rock aus, rollt ihn zusammen und legt ihn unter den Kopf; ein alter, abgeschabter, sandfarbiger Mantel, gewöhnlich von russischer Naturwolle gefertigt, ist seine Decke im Winter, auch wohl ein alter, langer Schafspelz: Die Gastfreundschaft wird streng geübt, auch an Nichts jüden, und diese schöne Sitte fiihnt uns einiger Maßen wieder aus mit dem Schmutz und den Entbehrungen aller Art, denen man in den Dörfern ausgesetzt ist. ' Merkwürdig ist es, daß die Umgangssprache der Juden in Polen und Rußland ein verdorbenes Deutsch, das sogenannte Jüdischdeutsch ist; gewiß eine interessante Untersuchungsaufgabe für Philologen. Sie sprechen unter sich diesseit und, wie man mir sagt, aüch jenseit des Ural ein Deutsch, das, wenn auch sehr verdreht und gemischt mit slawischen und hebräischen Wörtern, doch für den Deutschen, wenn er einige Wochen unter ihnen weilt, verständlich ist. Sie sind übrigens nicht nur für die Reisenden in diesen rmwirthbaren Gegenden ganz unentbehrlich, sondern selbst der polnische und russische Edelmann kann ohne sie gar nicht eriftiren. Der Jude besorgt alle Geschäfte, schafft Gelder herbei, ist überall und nirgends, Dolmetscher, Gastwirth, Milchpächter, Unternehmer für die Krone, Lieferant der Armee, Makler für Getreide und Holz, Unterhändler des Gutsbesitzers für den Absatz des Ertragens von Feldern und Waldungen, kurzum er ist die Lebensader des Landes. Deßhalb ist gegenwärtig die Androhung der Todesstrafe bei Lieferung von Lebensmitteln an die russische Armee durch die Juden eine der gefährlichsten Maßregeln der geheimen Nationalregierung für die Russen. Die Armee ist nur gewohnt, von Juden bedient und versorgt zu werden; aber schon mancher Sohn Jakob's hat die so sehr verlockende, gewinnbringende Spekulation jetzt mit dem Tode büßen müssen, und daher herrscht die große Furcht unter ihnen, den Russen zu dienen, obwohl sie im Ganzen dem Kaiser zugethan sind, weil derselbe ihnen in den letzten Jahren mannigfache Freiheiten verliehen hat. Der Zwang, in den Städten nur besondere Viertel bewohnen zu dürfen, ist aufgehoben, sie können Offiziere werden und Staatsämter bekleiden, haben also mehr Rechte, wie bei uns. Ich lernte einen russischen Offizier kennen, welcher Jude war, -und ebenfalls einen jüdischen Capellmeister eines In-

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