Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 33 (19.8.1863)
- Date
- 1863-08-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Ner prsP-nirte Amt« -er SymUsgr jtz n Dr. f. 8vl2l»LcL. I. Eines der ältesten Denkmäler mittelalterlicher Baukunst ist die Synagoge zu Worms, die mindestens ihre 600 Jahre zählt , vielleicht aber auch noch über dieses Alter hinausgeht. Welche Erinnerungen knüpfen sich nicht an dieses Gebärde, ein ganzes Stück Md. Geschichte starrt uns iu den Mauern dieses Gotteshauses entgegen: an. dieser Stätte litten unsere Eltern und starben den Märtyrertod für das heilige Gesetz; wie oft hallten die weißen Kalkwände dieses Hampels wieder von den Klagen der Mütter und Kinder, die sich in der Noth hierher geflüchtet hatten, um hier die Seele für Gott auszuhauchen. Aber hier erhoben sich auch unsere Vorettern im Gebet, kräftigten sich und stärkten sich am Worte Gottes; hier feierten sie ihre Sabbate und.Feiertage, und Frieden zog ein in ihre Seele und ihr Gemüth, mochte es draußen auch stürmen und tosen; hier erquickten? Ke sich an der Freude des Herzens und genossen die Wonne einer Seelenruhe, welche ihnen kein Tyrann rauben konnte. . So steht die alte Synagoge ehrwürdig da, eine Greisin unter den jüngeren Geschlechtern, unberührt vom Wechsel der, Ereignisse, fest ausgcrichtet trotz welterschütternden Revolutionen, die sie umtosten, trotz zerstörender Feuersgewalt, die um sie umher wüthete und vernichtete, und erzählt uns von alten Tagen, wie ihre Söhne noch gebeugt und-verachtet durch die Welt gingen, abgezeichnet durch das Zeichen der Schmach, das der stolze weltgebietende Römer an ihre Kleidung heftete, wie aber nach und nach die Zeiten anders geworden, wie die Parinstrahlen des Kapitols immer schwächer geworden, wie Throne stürzten, Dynastien züsammenbrachen, und wie endlich von der Abendseite has Licht gekommen; wie durch die Verkündigung der Menschenrechte die Welt aus den Fugen zu gehen drohte, endlich aber nach schwerer Krisis die Menschheit zu gesunden begann, so gesund, daß man bald einzujehen anfing, daß auch der Jude ein Mensch sei. Nun freut sie sich, die alte Greisin, einmal ihre Kinder als freie Menschen zu sehen, als Bürger einer freien Zeit, nicht mehr gehetzt, nicht mehr zu Tode gemartert, und , auf die alte Zeit hinweisend, mahnt sie ihre Kinder zur Frömmigkeit, zur Dankbarkeit gegen Gott, gegen die Menschen, zur Liebe zum Vaterlände, das ihnen jetzt eine friedliche Stätte bereitet, zur treuen Anhänglichkeit an die Regierung, unter deren Obhüt sie ruhig wohnen, zur Liebe zu ihren Mitbürgern, mit welchen sie im Verein ihre Pflichten als Staatsbürger erfüllen. — Verstehen aber die Söhne dieser Freiheit die wunderbar ernsten Reden dieser Greisin, fühlen sie sich in ihrem Glücke so glücklich in den Räumen dieses alten Hauses, wie sich chre Vorfahren glücklich trotz ihres Kummers, trotz der sie von alleü Seiten bedrohenden Gefahr hier fühlten? Erkennen sie den Schatz, den sie besitzen, verstehen sie den Werth dieses Denkmals, um welches sie manche andere Stadt beneiden möchte? Nein, die Räume sind ihnen zu eng, zu unbequem, man will — höre und erstaune lieber Leser — mit der alten Synagoge zu Worms einen Umbau vornehmen! Dieses alte Gebäude, depr Juden doppelt werth, werth als Monument seiner Geschichte, werth als Bau-Kunstwerk einer alten Zeit, dieses Gebäude mit seinem schönen Spitzbogengewölbe, getragen von Säulen, in deren Kapitalen! uns ein herrliches Werk alter Skulptur qufbewahrt ist , will man mit neumodisch^ An- und Umbäu verunstalten, — einem Herkules ÄM man die mächtige Keule aus der Hand Nehmen Änd ihm dafür ein Spazierstöckchen mit Elfenbeinknöpfe zwischen die riesigeü Wäger zwängen und dessen Löwenhaut Mit einem Frack nach neuesten! Schnitt vertauschen In der Gemeinde Worms gibt es zwar nun genug Leute, welche Legen die Verstümmelung der Synagoge sind, sie bletben aber dem Vorstande gegenüber in der Minoritätweil ein sehr großer Theil der Gemeinde zu indifferent ist, um diese Angelegenheit zu einer Lebensfrage zu machen und ohne für den Vorstand zu sein auch nicht gegen denselben ist und somit indirect zur Schwächung der Opponenten beiträgt. Der Vorstand ist aber durch alle Vernunftgründe von seiner Lieblingsidee, eine That zu begehen und sich ein trauriges heroftatisches Denkmal in der Geschichte der Juden zu Worms zu setzen, nicht abzubringen; er will um jeden Preis den Beweis liefern, daß er es versteht, npch viel antiker als die alte Synagoge zu sein, indem er sich nicht scheut, einen Vandalismus zu begehen. Wenn aber doch, hören wir sagen, der Andrang zu der Synagoge ein so großer ist, daß sie nicht mehr vermag die Menge der Andächtigen zu fassen, so muß man doch wohl am Ende der schweren Schritt Lhun, mit der alten Synagoge einen Umbau vorzunehmen? Aber das ift's ja eben, die Nothwendigkeit die Räume zu erweitern ist ja durchaus nicht vorhanden; es hat noch Niemand in dieser Synagoge sich über die allzugroße Enge zu beklagen gehabt. Ich habe schon öfter die Gelegenheit gehabt, die Wormser Synagoge an Sabbat- und Feiertagen zu besuchen, und wcchrlich, noch niemals brauchte ich um einen Platz verlegen sein. Nun soll allerdings nach Einigen an den hohen Feiertagen die Synagoge ziemlich angefüllt