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Der Israelit · 1863-08-12 · Heft 32 (12.8.1863) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 32 (12.8.1863)
Date
1863-08-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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367 Unparteiische Organ des ehemaligen Rabbiners von Magdeburg? Ist es möglich bei den gegenwärtigen religiösen Kämpfen im Schooße des Judentums „unparteiisch" zu sein? Vielleicht, jedoch „parteilos" sicherlich nicht. Denn „unparteiisch" heißt, jeder Richtung Gerechtigkeit widerfahren zu lasten, keine zu verfolgen und keine zu begünstigen; das ist die Sache des Richters, vor den die Parteien treten und von dem sie emUrtheil erwarten. Der Einzelne aber als Mensch und Jude muß irgend einer Partei angehören; gehört er nicht zu den Extremen, so muß er sich den Vermittelnden zugesellen, wo nicht, so gehört er zu den Indifferenten oder Charakterlosen. Gehört aber Jemand einer Partei an, so ist er auch ganz von selbst parteiisch und kann dem Gegner unmöglich vollkommen gerecht werden — das widerstreitet der menschlichen Natur rivpvpQ „Die Zeitstimme" gibt sich namentlich als ein Local- und Proviuzialblatt für Prag und Böhmen und scheint mit Geschick redigirt zu werden. Wir entnehmen der uns vorliegenden zweiten Nummer die erfreuliche Nachricht, daß „in Böhmen der religiöse Jndifferentismus nicht mehr zu finden sei;" Achnliches wird aus Ungarn berichtet. Wollte Gott, es wäre wahr. In derselben Nr. 2 wird ein Vorschlag zur Errichtung eines Rabbinerseminars für Böhmen gemacht; die Cardinalfrage, woher das Geld nehmen, wird mit seltener Naivität und Gemüthlichkeit beantwortet: von den 80,MO isr. Einwohnern Böhmens sollen 10,000 einem desbezüglichen Vereine willig und freudig beitreten und Jeder nebst einer mäßigen Beitrittsgebühr 1 fl. jährlich zahlen. Das erinnert uns an das bekannte Recept des Kladderadatsch: „wie bekömmt man i 00,000 Thaler geborgt? — fünf Silbergroschen sind eine unbedeutende Summe, die kein Freund dem andern zu leihen versagen wird. Man schließe demnach mit den Einwohnern Berlins (600,000) Freundschaft und borge von Jedem 5 SIbgr.; das gibt gerade die runde Summe von 100,000 Thalern." „Die Zeitstimme" erscheint monatlich zweimal und ist in ihren Mittheilungen recht mannigfaltig. Ueber von Rabbiner N. M. Wer ist wohl durch die Erfahrung nicht mehr als hinreichend belehrt, daß die allgemeine Wurzel der in unserer Zeit häufiger als früher hervortretenden Abirrungen von unserer in ewiger Gesetzeskraft bestehenden h. Religion das ungenügende Studium der göttlichen Lehre ist, wie dies schon das heilige Prophetenwort verkündet: „Warum geht das Land zu Grunde? weil sie meine Lehre verlassen." Wie so Mancher unserer heutigen Rabbinen und Lehrer täuscht die an religiösen Kenntnissen gänzlich baare Menge, und sind es insbesondere die sogenannten Reformrabbinen, die es als ihre Aufgabe zu betrachten scheinen, entweder Schauspiele zu dichten, oder — was noch weit schlimmer — unjüdische, geist- und gedankenleere Tendenz-Romane zu schreiben, worin Religion und Gesetzestreue verhöhnt und verspottet und in den Augen der Menge, insbesondere der lesebegierigen Jugend, ihrer göttl. Würde und Majestät zu entkleiden gesucht wird. Doch — man verzeihe diese kleine Exkursion — ein schöneres Bild soll dem geschätzten Leser dieser Blätter aufgerollt werden. Das Werk „Wegweiser für die Schochtim" wie es die Bescheidenheit des hochverehrten Verfassers, des Herrn Oberrabbinen S. B. Bamberg er zu Würz bürg nennt, wird seit seiner vor einigen Wochen erfolgten Erscheinung allseits mit regem Interesse studirt und erlaubt man sich Folgendes darüber zu äußern. Wenn auch die ausgezeichnet gediegenen, sowohl diesals jenseits des Oceans vielverbreiteten früheren Werke die hohe Meisterschaft, die eminente Gelehrsamkeit und höchstseltene Gediegenheit der logischen Jdeeuverbindungen und der eben so faßlichen wie prägnanten Ausdrucksweise des gefeierten Herrn Verfassers bekunden, so hat uns dennoch die sowohl in Form als Inhalt höchst gelungene Arbeit des jüngsten Werkes, welches alles in diesem Fache früher Erschienene bei Weitern überragt, freudigft überrascht und zu innigsten! Danke gegen den so edlen und höchstuneigennützigen Lehrer verpflichtet; wir können deshalb nicht umhin, den verehrlichen Lesern dieses für die hochwichtigen Interessen des wahren Judenthums so wacker kämpfenden Blattes einen kleinen Auszug aus dem ersten Abschnitte des herrlichen Werkes hier in deutscher Uebersetzung mitzutheilen: 8. 1. „Welch' unendlicher Gnadenstrom entfluthete dem „Schöpferworte, als es der ewigen Nacht ihre Grenze „stellte, und das „Es werde Licht" alle Erd- und Wel- „tenräume durchzitterte! Da trat auf das majestätische" Sonnengestirn, die Herrschaft des Tages zu „gründen, die Finsterniß der bisher nie geendeten „Nacht zu verscheuchen; die Lichtesfittige breiteten „sich aus über das Universum und erleuchteten die „Augen der Erdenbewohner; ihre Lichtströme ergossen „sich bis in die entlegensten Bergeshöhen und steilsten „Hügelgipfel, erreichten die tiefsten Erdenthäler, Nichts „wiederstand dem vordringenden Sonnenstrahle; durch „dieses Sonnenlicht kleideten sich die Berge in grüne „Flur, schmückten die Hügel sich mit allen Kleinodien „des Segens, die Erde gibt ihren Ertrag, der Baum „seine Frucht, der Garten seine Gewächse, das Men- „schenherz sättigt sich mit Brod, sein Auge wird mit

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