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Der Israelit · 1863-08-05 · Heft 31 (5.8.1863) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 31 (5.8.1863)
Date
1863-08-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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379 als der unmittelbare Anlaß Hiezu ein geringfügiger war. Die hiesige Verzehrungssteuer ist seit einem Jahre an die Brüder Weiß, welche Israeliten aus Ungarn sind, verpachtet, und von welchen man bisher nie hörte, daß sie die gesetzlich ihnen zustehenden Befugnisse irgendwie überschritten hätten. Vorgestern schon gab es eine Scene mit einem Weibe, welches einen Korb Heidelbeeren (welche schwerer wogen, als die steuerfreie Quantität) nicht verzollen wollte. Gestern Abends passirte wieder ein Weib mit Heidelbeeren die Brücke. Es wird vielseitig behauptet, es sei dasselbe von vorgestern, und der ganze Auftritt vorbereitet gewesen. Das Weib soll dem zolleinhebenden Individuum, welches es fragte, was es in seinem Korbe habe, geantwortet haben: „Schmeckt Jud!" oder so etwas dergleichen. Darüber kam es zu einem Wortwechsel, der immer hitziger wurde, und endlich das Herabfallen des Korbes von dem Kopfe des Weibes zur Folge hatte. Mittlerweile hatte sich Publikum gesammelt, welches zum großen Theile aus Individuen bestand, von welchen allerdings nicht zu begreifen wäre, wie zu solcher Stunde und so schnell sie sich hätten versammeln können, wenn nicht eine Verabredung vorausgegangen wäre. Der Schullerberg, üblen Leumundes, soll ein bedeutendes Contingent dazu gestellt haben. Die Menschenmenge wuchs immer mehr an, und dex Tumult ebenfalls. Es fielen Schimpfreden auf die Juden, und man schrie sich immer mehr in die Hitze hinein. Die Ermahnung des herbeigekommenen Bürgermeisters, auseinanderzugehen, war gänzlich fruchtlos. Da kam man auf die Idee, die Finanzwache aufzubieten, und diese, ich glaube sechs Mann stark, fällte das Bajonnet, um die Tausende, die nun schon beisammen waren, auseinanderzutreiben. Man spricht voll Verwundungen; ich konnte jedoch der Wahrheit oder Unwahrheit dieser Behauptung bis jetzt nicht auf den Grund kommen. So viel ist gewiß, daß durch diese Maßregel die Erbitterung vergrößert wurde. Es flogen Steine, die Fenster klirrten, und die Finanzwache wurde zurückgedrängt und dadurch die Gefahr für das Amtsgebäude und die darin befindlichen Personen vergrößert. Mittlerweile war die Garnison allarmirt worden, und es kamen zwei Compagnien Infanterie, welche die Menge zerstreuten und alle Zugänge besetzten. Es sollen auch Verhaftungen von mehreren Tumultuanten vorgenommen worden sein. Daß bloße Neugierige mit Schuldigen verwechselt und mitunter hart angelaffen würden» darüber ist wohl nicht sehr zu verwundern. Dar Weib, welches die unmittelbare Veranlassung gewesen, soll sich ebenfalls Ln polizeilichem Gewahrsam befinden. Es wurde mir erzählt, daß in Gaffen, wo Jsraelitm wohnen, zwischen diesen und Vorübergehenden Schimpfreden gewechselt wurden, wie denn der süße Pöbel, mag es der von Preßburg oder Prag oder irgend ein anderer sein, eine solche schöne Gelegenheit nicht vorübergehen lassen kann. Es find die nöthigen Vorkehrungen getroffen, daß heute Abends nicht etwa der gestrige Scandal sich wiederhole. Die Behauptung, welche man hie und da hört, daß die Heildelbeeren in früherer Zeit nicht verzollt worden seien, und der Zoll erst jetzt von den israelitischen Pächtern gefordert werde, ist nicht richtig. Eine andere Frage aber ist es, ob es der Mühe lohnt, die Paar Groschen Zoll für diese im Wald von armen Leuten zusammengesuchten miserablen Beeren (der ganze jährliche Ertrag dieser — Steuer soll 5 bis 6 fl. sein/) einzutreiben und das Odium der Besteuerung einer solchen Bagatelle auf sich zu laden. — Leider fand dieser bedauerliche Vorfall am ersten Tage nicht sein Ende, nnd schon am folgendem Abend sammelte sich nach 8 Uhr an der Donaubrücke abermals ein Haufen Leute, welcher im Verlaufe einer Stunde zu ein Paar Tausenden anschwoll. Der active Theil dieser Versammlung bestand aus einem Knäuel Lehr- und Gassenbuben, welche unmittelbar vor dem Gebäude Posto faßten und dort ihren Jux trieben. So oft Jemand, einen Korb oder sonst einen steuerbaren Gegenstand tragend, ohne daß dre Mautbeamten ihn aufzuhalten sich getrauten, vorbeipassirte, erhoben sie ein lautes Halloh und Hohngelächter. Die Menge stand herum und wartete der Dinge, die da kommen sollten. Müßiges Volk, darunter hie und da auch Baffermann'sche Gestalten (an der Spree würde man dermalen sagen „catilinarische Existenzen"), lungerten herum, einer angenehmen Beschäftigung gewärtig. Natürlich fehlte es auch nicht an einer zahlreichen Betheiligung von Seiten der Dienstmägde 2c. In bescheidener Entfernung sah die anständige und neugierige Welt von Linz dem Schauspiele so gemütlich zu, wie etwa neulich der Abreise der Würtemberger, nur daß nicht „Was ist des Deutschen Vaterland!" gesungen wurde. Aus einzelnen Gruppen hörte man

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