Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 30 (29.7.1863)
- Date
- 1863-07-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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369 und wollen nicht für undankbar gehalten werden, daher äußern wir hiermit „der Neuzeit" unfern Dank, daß sie uns durch diese Kundmachung als gefühlvolle, auf ihre Nationalität haltende Israeliten darstellt; nur ein Ausdruck ist falsch, statt gegründet sollte es heißen erhalten, denn dieser Verein ist weit ältern Ursprungs; man beschuldige uns nicht, daß wir den Titel Gründer usurpiren wollen, der mit Recht dem von heiliger Begeisterung durchdrungenen Psalmisten gehört. Es heißt Kapitel 137: 'uwv dp rix .->dpr< x> ox '2'->2ix xd vx '2N> roxi die Zunge möge mir am Gaumen kleben, wenn ich mich je der Erinnerung an Dich entäußern, wenn ich nicht auch am Gipfel des Glückes deiner entschwundenen Größe, o Jerusalem, gedenken sollte. Diese Worte stellt der Psalmist als Motto seiner Stiftung auf und täglich bei der Tafel wiederholt sie jeder religiöse, gefühlvolle Jude, doch wir hören schon die Antwort der Neuzeit: dieser Psalm entstand zu einer Zeit, da die Juden zum erstenmale den Druck der Fremdherrschaft fühlten, aber jetzt da dieser Druck aufgehört hat, wo die Israeliten von einer gerechten Regierung emancipirt sind, ist es überflüssig, Klagelieder anzustimmen; doch die Bemerkung ist unrichtig, denn eben diese Gleichstellung weckt in uns die Erinnerung ehemahliger Größe; indem uns der AUgütige mit einem so gnädigen Landesvater, mit einer so gütigen konstitutionellen Regierung beglückt hat, deren Grundprincip religiöse Toleranz ist, um so mehr übermannt uns die Erinnerung an die Zeit, da wir als selbstständige Nation diesem Principe huldigten, da wir diese - Toleranz im größten Maßstabe ausübten, da wir mit freudiger Hingebung den Worten 212271x1 22.-1 r>x, liebet den Fremdling, Nachkommen konnten; aber auch '222^ L»X2 ^>p, sagt der Gott begeisterte Sänger, auch auf dem Gipfel der Freude sollst Du der jammervollen Lage gedenken, in welcher sich Deine Vorfahren bei Zerstörung des Tempels befanden, Du sollst Dich an die Ursache der Zerstörung erinnern, Du sollst immer vor Augen haben, daß nur Uneinigkeit und Zwistigkeit nur Bruderhaß den Fall Zions herbeiführten, nur durch Korachitische Umtriebe mußten die Juden ins Exil wandern, Du sollst also tolerant sein und auch Andersdenkenden liebevoll entgegenkommen. Aus derselben Quelle schöpft die Mikwah ihre Weihe; wenn wir nämlich an unsere ehemalige Selbstständigkeit erinnert sind, da wir die göttlichen Gebote im vollsten Maße ausüben konnten, so finden wir auch, welcher wohlthätige Einfluß der Mikwah beigelegt wird; jede Unreinheit wurde durch dieselbe beseitigt, Jedermann durch diese befähigt, in das Heiligthum einzutreten, Proselyten empfingen durch ihr die Weihe des Judenthums, der Hohepriester mußte sogar während des heiligen Dienstes am Versöhnungstage fünfmal die Mkwah besuchen. Ist es also nicht lobenswerth, durch die Mikwah, die solche Gefühle in uns weckt, in eine feierliche Stimmung versetzt, der Gott geweihten Sabbatruhe entgegenzugehen; doch eine solche innere Weihe zu empfangen, da müssen alle irdische Leidenschaften in den Hintergrund treten, jeder Haß, jede Zwietracht muß da aufhören — kann also die Mikwah beim Herrn Redakteur der Neuzeit ihren Zweck erfüllen? — derselbe kann daher mit vollem Rechte dieselbe als überflüssiges Cermoniell verdammen, doch die Ironie ist dabei vergeblich angewendet. Aber das war schon zu viel Wahrheit^ die Neuzeit muß also noch ein drittes, ein eigenes Phantasie- Bild hinzufügen, sie fand das Passendste im Peahverein; doch die Lüge in ihrer Simplicität genügte derselben nicht, sie mußte also mit einer Ehronique Scandaleuse geschmückt sein, nämlich, daß ein Talmudjünger, der sich Peahs verkürzte, aus dem Vereine ausgestoßen und in der Folge für unwürdig erklärt wurde, die Spenden der Wohlthätigkeitsanstalten der hiesigen Jeschiwah zu empfangen; eine prächtige Fabel, aus welcher die Cassinomitglieder die Lehre ziehen sollen: wessen Größe du nicht erreichen kannst, den suche zu dir in den Schlamm hinab zu ziehen; wir hätten noch vielen Beschimpfungen und Beschuldigungen der Preßburger Briefe zu entgegnen, doch wir erachten es ferner nicht der Mühe werth, und wir schließen mit dem Gebete des Psalmisten 12p rix 122' cnvLO der Ewige erhalte uns den inneren Frieden, die Eintracht der Jeschiwahmitglieder untereinander, so werden wir solchen Anfeindungen von Außen mit stolzem Muthe entgegenstehen. U«86de L ^ion. Butfchorvr'H in Mähren. Der durch Ihr geschätztes Blatt rühmlichst bekannte Herr vr. Herrmann Lipschitz aus A. Szanto in Ungarn wurde