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Der Israelit · 1863-07-29 · Heft 30 (29.7.1863) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 30 (29.7.1863)
Date
1863-07-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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366 Feuilleton. tzS§ Gott witUA Bon ISLÄlLU. Es ist ein alter Brauch, kein Vorhaben auszusprechen, ohne Gott dasselbe anheimstellend, hinzuzufügen: „So Gott will!" oder kurz: „Will's Gott!" Denn, sagt der jüngere Sirah:*) „Die Braut tritt unter den Trauhimmel und kennt das Ende nicht, und vom Morgen bis zum Abend ist eine Welt schon Zerstört worden," und auch Salomo sagt:**) „Rühme Dich des morgenden Tages nicht, denn Du weißt nicht, was der heutige noch bringt." — Es sagte einmal ein Mann: „Morgen werde ich mit meiner Braut unter dem Trauhimmel sitzen."— „Wenn Gott will!" fügten die Leute hinzu. — „Er mag wollen oder nicht," sagte der Mann, „morgen werde ich mit meiner Braut unter dem Trauhimmel sitzen." — Es geschah auch so den andern Tag, der Mann saß mit seiner Braut unter dem Trauhimmel und freute sich ihrer den ganzen Tag und führte sie auch in sein Haus ein; aber den andern Morgen fand man Braut und Bräutigam todt! — Da sagten die Leute: „Wie wahr sagt der jüngere Sirah: „Die Braut tritt unter den Trauhimmel und kennt das Ende nicht." — So lebte auch einmal ein sehr reicher Mann, der ein großes Ackerland besaß, dem es aber gerade an Vieh fehlte, um dasselbe zu ackern. Da steckte der Mann einen Beutel mit hundert Goldgulden zu sich und ging nach einer nahen Stadt, um daselbst die zum Ackern nöthigen Ochsen oder Kühe emzukaufen. Auf dem Wege dahin begegnete ihm der Prophet Eliah, gesegneten Andenkens, in Gestalt eines alten Mannes. „Wo willst Du hin?" fragte ihn Eliah. — „Nach der nächsten Stadt," antwortete der Mann, „um Ochsen oder Kühe einzukaufen." — „Sprich: „Wenn Gott will!" sagte Eliah. — „Er mag wollen oder nicht," antwortete der Mann, „ich habe das Geld bei mir und werde also mein Geschäft vollbringen." — „Aber nicht mit Glück!" sagte Eliah. Der Mann ging seinen Weg fort und dachte eben nur an sein Geschäft; aber da entfiel ihm, ohne daß er's merkte, sein Beutel. Er kam nach der Stadt, *) Len S. 15. — Vergl. auch die Anmerkung im „Rosenöl" Th. 1. S. 291. — **) Spr. Sal. 27, 1. — machte seinen Einkauf und griff nach seinem Beutel, um zu zahlen; doch wie erschrak er, als er denselben nicht fand! Betrübten Herzens kehrte er zurück, holte zu Haus anderes Geld und ging nun zum Einkauf nach einem andern Orte, um dem leidigen Alten nicht wieder zu begegnen. Er war indessen kaum eine kleine Strecke gegangen, da kam ihm abermals ein alter Mann entgegen, doch schien er nicht derselbe, der ihm das vorige Mal begegnet war. „Darf man fragen, wohin du gehst?" frug Eliah, denn er war es wieder, wenn auch in anderer Gestalt. — „Ochsen einkaufen," versetzte kurz der Mann. — „Sprich: So Gott will!" sagte Eliah — „Was, so Gott will!" rief mürrisch der Mann, „er mag wollen oder nicht, ich habe das Geld sicher in meiner Hand und fürchte nichts." — Er ging rasch weiter. Nachdem er aber eine Stunde etwa gegangen war, kam ihm unwiderstehlich der Schlaf, und er setzte sich unter einem Baume nieder und schlief fest ein. Alsbald kam Eliah herbei, nahm ihm den Beutel und ging davon — Als der Mann endlich erwachte, dachte er sogleich an sein Geld. „Abermals fort!" rief er mit Schrecken, als er dasselbe nicht fand. Er stand auf und kehrte noch betrübter als das erstemal nach Haus zurück, nahm zum drittenmal Geld zu sich und machte sich wieder auf den Weg. — Bald kam auch der Alte ihm wieder entgegen und richtete dieselbe Frage an ihn. „Ochsen oder Kühe einzukaufen, wenn Gott will," sagte kleinlaut der Mann. — „So ist es recht, mein Sohn!" sagte Eliah, „gehe hin in Frieden und verrichte Dein Geschäft mit Glück!" — Er ging nach der Stadt und fand da zwei ausgezeichnet schöne, ganz rothe Kühe ohne allen Fehl und Makel. — „Was kosten diese Kühe?" frug er den Besitzer. — „Hundert Goldgulden!" war die Antwort. — „Ich habe eben nur hundert Goldgulden bei mir," sagte der Mann und holte seinen Beutel heraus. Aber siehe, da fand er in dem Beutel dreihundert Goldgulden. Eliah hatte ihm sein Geld unvermerkt genommen, und unvermerkt auch wieder zugestellt. Er kaufte die beiden Kühe, kaufte auch für sich Ochsen zum Ackern und sonst noch Manches, was er brauchen konnte. Als er wieder nach Hause kam, verkaufte er das schöne Paar Kühe dem Könige für vierhundert Goldgulden, und von nun an verfehlte der Mann nie mehr, so oft er von einem Unternehmen sprach, auch hinzuzusetzen: „So Gott will! —" (Hierbei eine Beilage.) Verantwortliche Redaktion: vr. Lehman». — Verlag der Le Ronx'schrn Hofbuchhandlung. — Druck von I. GottSleben in Mainz.

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