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Der Israelit · 1863-07-29 · Heft 30 (29.7.1863) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 30 (29.7.1863)
Date
1863-07-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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362 Da nun Israel seine Aufgabe als Mustervolk nicht erfüllt hat, da es in seiner Vereinigung in Sünde und Laster verfallen war, so hat es der allmächtige Gott in die ganze Welt zerstreut und sy es nicht allein von! vielen Schlacken gereinigt, sondern auch jeden einzelnen! Israeliten unter die Völker als Verkünder der Wahrheit und als lebendigen Träger des Gotteswortes gesandt! lvmx ^XIV' NX N"2PN Nv2N x'? :mp^x 'n N2X > N'NZ-NN ^X^L^ O'N) ILO'N'N '12 x7x! .122 .1^22 ^2.1^ X^X .1X2 PIN 21X 2)^2 ,s-1X2 '2P Xdd 1112X1 .1211 X^> NX 112111 ^212 12X '"11 nnx '2P. Rabbi Elasar sagte: „der Heilige, gelobt sei Er, hat die Israeliten nur deßhalb unter die Völ-! ker getrieben, damit sich ihnen Andere anschließen, > denn also heißt es (Hoscheah 2,24) „und ich habe sie! gesäet auf der Erde; man säet nur deshalb, um mehr! zu ernten." Rabbi Jochanan folgert es aus dem! Schlüsse des Verses: „und ich werde mich erbarmen Derer, die bisher nicht Erbarmen gefunden und werde sprechen zu denen, die nicht mein Volk waren, du bist mein Volk." *) l Wenn es auch nicht unsere Aufgabe ist, Prosely- > ten zu machen, die Bekenner anderer Religionen durch! Ueberredung oder durch andere Mittel zur Annahme i des Judenthums zu verleiten, ja wiewohl sogar das > jüdische Religionsgesetz alle Proselytenmacherei streng j verbietet und Denjenigen, der das Judeuthum anzu-! nehmen gewillt ist, zurückzuweisen gebietet, so haben wir doch die Aufgabe selbst manchmal wider unser! Wissen und Wollen, einen bedeutenden Einfluß auf die Völker zu üben, in ihrer Mitte den Namen Gottes zu heiligen durch die erhabenen Beispiele tugendhaften und gottgefälligen Lebens, und die Kenntniß zu mehren und zu verbreiten dadurch, daß wir unser eigenes Wissen fördern und so nicht allein lernen, sondern, uns selbst unbewußt, lehren. Es ist ja gar nicht mögi lich, daß der Mensch den ^Schatz seines Wissens in sich verschließe; er muß davon spenden den Nahen und den Fernen; und wenn der Nichtjude die jüdischen Stammestugenden der Barmherzigkeit, der Schamhaft I *) Bor «Niger Zeit ist uns von den Missionären in Breslau eine Broschüre zugesandt worden, in welcher Vieles, was wir in dieser Zeitschrift veröffentlicht haben, in einer Weise bekämpft wurde, die uns verhinderte, uns mit diesen Herren in eine Diskussion einzulassen. Unter Ar.derm wurde auch der eben dargestellte Gedanke, daß Israel die Mission habe, den Namen Gottes auf Erden zu verkünden und durch edles Beispiel und gotterfüllte That den Völkern gleichsam zu predigen, den wir schon öfter in diesen Blättern dargestellt haben, verhöhnt. Man fragte uns höhnisch (wir erinnern uns des betreffenden Wortlautes nicht genau und haben die Broschüre nicht zur Hand), woher denn Israel das Manvat hierzu habe. Die Sache an sich ist selbstverständlich und so tief im Wesen des Judenthums begründet, daß wir nicht nöthig zu haben vermeinten, die Quelle jedesmal anzugeben. Die oben angeführte Talmudstelle (Pesachim F. 87l>) wird wohl auch jenen Herren genügen. Sie mögen daraus entnehmen, woher unser Mandat stammt. tigkeit und der hingebungsvollen aufopfernden Liebe bewundert, so wird er auch in Bewunderung gerathen für die Gotteslehre, die da diese erhabenen Tugenden hervorbringt, und für Gott, der diese berrliche Lehre gespendet hat. Fürwahr, Gott wollte nicht allein den Bund, den er mit uns geschlossen, durch die Zerstreuung nicht zerstören, er will ihn vielmehr dadurch erweitern und Fremde in ihn einschließen. IV. Wenn wir die Geschichte Israels aufmerksam betrachten, so werden wir finden, daß all die Leiden und all die Noth, denen es vom Anbeginn an ausgesetzt war, nur dazu gedient haben, dieses Volk zu kräftigen und erstarken zu lassen. Der Gründer unserer Nation war ein einzelner Mann, der zur Familie heranwuchs. Inmitten der egyptischen Knechtschaft wurde diese Familie zum Volke: als dieses Knechtesvolk seine Freiheit erlangte und ein Vaterland, da lebte es in immerwährendem Kriege mit seinen Nachbarn, durch welche Unterdrückung auf Unterdrückung folgte. Das war die Zeit der Richter und Könige —Israels Jünglingsleben. Zum Manne reifte Israel erst heran in der babylonischen Gefangenschaft, in welcher jedes Gelüste zum Götzendienst, das ehedem am Marke des Volkes zehrte, völlig verschwand. Seitdem hat Israel den Dienst des einzigen und wahrhaften Gottes nicht mehr aufgegeben; es hat vielfach gekämpft für die Erhaltung desselben und hat sein Herzblut dafür geopfert. Diese Grundlage unserer heiligen Religion ist uns darum unantastbares Eigenthum geworden. Aber sie soll nicht blos unser Eigenthum sein, sondern sie soll auch Eigenthum der ganzen Welt werden, Tip-; pixi 'xv2i und voll wird sein die Erde der Erkenntniß. Das ist ein erhabenes, großes Ziel, das gar langer Vorbereitung bedarf. Deßhalb darf uns nicht lange währen der weite Weg, den wir zurückzulegen haben. Und dieser Weg führt nicht gerade zum Ziele; dazu ist das Menschenherz zu schwach. So scheinen wir denn manchmal zurückzuschreiten, doch nur um nachher wieder höherer Entwickelung entgegenzugehen. Das haben wir in den letzten Jahrzehnten erfahren, in den Zeiten des trübsten Abfalls von jüdischer Sitte und jüdischem Geiste. Aber schon haben wir das Schlimmste überstanden, schon wird der Geist des Bessern lebendig in Israel. Gott Hilst. Heil Denen, die sich für Gott und Gott für Israel bewahren, 'i'ibx 'i ^x ich bin und bleibe der Ewige, ihr Gott.

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