Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 30 (29.7.1863)
- Date
- 1863-07-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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361 mit ihnen (sondern vielmehr denselben auszudehnen auf die übrigen Völker), ich der Ewige, ihr Gott, (der sie stärkt und kräftigt im Sturme.) I. Wären die Israeliten im heiligen Lande geblieben und hätten dort ein Leben der Knechtschaft und der Unterdrückung geführt, so wären sie der Gefahr der Entnervung und Versumpfung ansgesetzt gewesen, wie dieses ein mit den Juden verwandter Stamm deutlich beweist. Es sind dieses die Samaratiner, jenes Mischvolk, das sich aus den Ueberresten des Hauses Israel und den eingewanderten Völkern gebildet hatte. Diese sind niemals vertrieben worden, noch heute leben ihre Ueberreste in Nablus, dem alten OIL'. Aber was ist aus ihnen geworden? Ein Häuflein, gering an Zahl, aber noch geringer an Bedeutung, an Wissen, an religiöser und sittlicher Kraft. Wir aber haben uns jung und frisch erhalten auf unserer langen und weiten Wanderung; wir durften Theil nehmen an jedem Völkerfrühling und wo ein neuer Geist sich regte, ein Geist der Erhebung und Kräftigung, auf welchem Theile und in welchem Winkel der Erde es auch sein mochte, so war Israel dabei, um sich mit zu kräftigen, unr sich mit zu erheben. Unsere Kindheit winde groß gezogen an Egyptens Cultur, wir mußten weiden an Babels Strömen, um der babylonischen Weisheit theilhaftig zu werden und persische und medische Geistesentfaltung mitzuerleben, wir durften uns durchdringen mit griechischer Kunst, und der Endzweck von Rom's Weltmonarchie war die Verbreitung des jüdischen Stammes über den Erdboden, und als nach langen, finstern Jahrhunderten im arabischen Spanien eine neue Sonne ansging, da leuchteten dort auch Israels edelste Söhne, und da in der Neuzeit der germanische und romanische Geist sich in den Besitz der civilisirten Welt theilt, da nehmen auch jetzt die Söhne und Töchter unseres Stammes den hervorragendsten Antheil. Fürwahr, Gott hat uns vertrieben und zerstreut, damit wir uns unsere Geistesfrische bewahren und damit auch in den spätesten Zeiten man von uns sage: .-INI ^-IZ.-I N^.-I PIU OI!1 Op PI weise und vernünftig ist dieses Volk, dieses Volk ist groß. II. Es hat in der jüdischen Geschichte sehr häufig Perioden gegeben, in denen die Verführung zum Abfall vom Gottesgesetze äußerst mächtig wurde. Während unser Volk noch in seinem Lande war, war es der Gefahr im Ganzen und Großen gar oft ausgesetzt und ist auch leider oft genug hineingerathen. Jetzt aber können in derartige Lagen nur immer einzelne Theile unseres Volkes gerathen, während die große Mehrzahl treu bei ihrem Gotte und ihrer angestammten Religion beharrt. Was wäre aps unferm Volke geworden, wenn der Bruch, welchen einzelne Gemeinden Deutschlands mit der Vergangenheit Jeschuruns gebrochen haben, ein allgemeiner geworden wäre! Gerade in unserer Zeit können wir es hinlänglich beobachten, wie Gott in seiner gnadenvollen Weisheit, gerade durch die Zerstreuung vor der allergrößten Gefahr uns bewahrt und schützt Wohl ist es möglich, ja sogar wahrscheinlich, daß dieser Geist des Jrrthums und des Wahnes, den man Zeitgeist nennt, der am Ende des vorigen Jahrhunderts in den jüdischen Kreisen Berlins zum Ausbruch kam und sich von dort aus über ganz Preußen und das übrige Deutschland und ganz Oesterreich verbreitete, auch in andern Ländern Macht gewinnen wird, ja theilweise Macht gewonnen hat. Bis dahin aber werden diejenigen Israeliten, welche die alte Treue bewahrt und bewährt haben, sich wieder ermannt haben und einen Umsckwung im Geiste der Zeiten anzubahnen vermögen. Noch hält die große Mehrzahl der Juden fest an Gottes Pfaden. Halten mir unser Panier hoch empor! Unsere hohe Aufgabe ist es, gerade in diesen Gegenden, in denen die äußeren Einflüsse so verderblich wirken, den: wahren Judenthume eine Zufluchtsstätte in uns und unsern Kindern zu erhalten. Wohl sind Viele in unserer Zeit von Angst und Sorge beklommen, da sie rings um sich Zustände schauen, die nur geeignet sind, den echten Juden mit Trauer und Betrübniß zu erfüllen. Allein es ist immer nur ein verschwindend kleiner Theil der Israeliten, dessen religiöse Gegenwart und Zukunft bedroht ist; die Abgefallenen und Abfallenden zählen zwar nach Tausenden, aber die Treugebliebenen zählen nach Millionen: OO.dOv O^I>^ nd ich habe sie nicht verworfen, sie gänzlich zu vertilgen. III. Als der allmächtige Gott die Nachkommen Abrahams, Jizchacks und Jakob's zu Seinem Volke erwählte, da hatte er nicht nur das zeitliche uud ewige Wohl dieses einen Stammes, dieses kleinsten unter den Völkern im Auge, sondern er wollte und will durch dieses auf das ganze Weltall wirken. Israel, sein auserwähltes Volk, sollte durch die praktische Ausführung der Thora einen für alle Völker mustergiltigen Staat bilden, ein Reich von Priestern, ein heiliges Volk. So singt auch der königliche Sänger im 117 Psalm: „lobet Ihn alle Völker, preiset Ihn, alle Nationen, denn mächtig waltet über uns Seine Güte und die Wahrheit des Allherrn in Ewigkeit, lobet Ihn." Dadurch, daß über uns seine Liebe mächtig waltet, daß er uns erkoren hat zu seinem Volke, hat er das Heil vorbereitet allen Völkern; darob sollen ihn alle Völker loben und preisen, und dadurch gerade bewährt sich die Wahrheit und Gerechtigkeit des Allmächtigen.