Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 30 (29.7.1863)
- Date
- 1863-07-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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360 auf. Wenn aber die Israeliten sich versammeln in den Synagogen und Lehrhäusern und die Thora heri vornehmen aus dem heiligen Schrein und darin lesen > und finden, daß in ihr geschrieben steht: „und ich! werde mich zu Euch wenden und werde Euch frucht- « bar machen und werde meinen Thron aufschlagen in j Eurer Mitte und werde wandeln unter Euch" — > Dann sind sie getröstet. — Morgen, wenn herbeikömmt das Ende der Erlösung, dann spricht der Heilige, gelobt sei Er, zu Israel: „Fürwahr, wie habt Ihr es nur vermocht, all die vielen Jahre auf mich zu warten?" und die Israeliten erwidern: „Herr der Welt, wäre nicht die Thora gewesen, die Du uns gegeben, so hätten die Nationen uns zur Verzweiflung getrieben." Daher heißt es: vp '2v btt 2'^tt ritt? y'iwtt p dieses nehme ich mir zu Herzen, daher harre ich." 'Ltt^ ttbtt rin pn und also hat David auch gesprochen: „wäre Deine Lehre nicht mein Entzücken, so wäre ich längst zu Grunde gegangen in meinem Elende. So aber harren wir auf Ihn und verkünden zweimal täglich die Einheit Seines Namens und sprechen: „Höre Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig. —" Wahrlich, wir haben dicses Vertrauen und diese Hoffnung gebraucht für die lange, fast nach Jahrtausenden zählende Zeit bittrer Verbannung! Gar viele Nationen hat bereits im langem Verlaufe der Weltgeschichte das Unglück des Falles und der Erniedrigung getroffen; doch keine Nation so hart, wie die unsrige. Wenn andere Völker vom Gipfel ihrer Macht von fremden Eroberern herabgcstürtzt wurden, so blieben sie doch größtentheils in ihrem Vaterlande, und die heimathliche Stätte ist ihnen geblieben, ließ sie das Elend der Knechtschaft nicht so bitter empfinden. Wir aber mußten hinauswandern in die Ferne, uicht zu hilfreichen Brüdern und stützenden Freunden, sondern in die Länder der Feinde und Verfolger. Und mit uns aus unserer mühseligen Wanderung nahmen wir die ganze Wucht der ^Gesetze, die uns dauernd scheiden von den Völkern, zu denen wir kamen, deren Speisen wir nicht genießen, mit deren Töchtern wir uns nicht vermählen, deren Feste wir nicht feiern: und deren Götter wir nicht anbeten durften. Als Fremdlinge kamen wir, als Fremdlinge ließen wir uns nieder, als Feinde wurden wir betrachtet und verfolgt, und Fremdlinge sind wir geblieben überall, allüberall. Ja, selbst das Einzige, was wir gerettet aus dem zerstörenden Sturme, die Thora selbst, die uns erhalten, die aber auch jene dauernde Scheidung vollbracht und alle Verfolgungen und Unterdrückungen uns zugezogen hat, selbst diese konnten und können wir nicht gebührend beobachten im fremden Lande. Durch die Sitten und Verhältnisse der fremden Länder wird uns die Ausführung fast jedes Gebotes erschwert; auch sind wir der Verführung der fremden Nationen ausgesetzt, die da wünschen, daß wir lassen von unserem Gotte; auch liegt es in der menschlichen Natur, daß der Sklave dem Herrscher, der Arme dem Reichen, der Geringe dem Vornehmen nachahmt. Daher die traurigen religiösen Zustände unserer Tage: „Warum verletzest du den Sabbat?" „Ich kann nicht anders; mein Geschäft würde zu Grunde gehen; Sonntags muß ich es schließen, daher muß ich es Samstags öffnen." " „Warum genießest Du verbotene Speise?" „„Ich kann nicht anders, meine Gesundheit würde untergraben werden, da ich auf meinen Reisen oft Wochenlang nicht jüdisch bereitete Speisen erlangen kann."" „Warum läßt Du Deine Kinder nicht in der Religion der Väter unterrichten?" „„Ich kann cs nicht; es gibt so wenige jüdische Familien in meinem Wohnorte, daß sie für den jüdischen Unterricht der Kinder nicht sorgen können."" Also könnten wir die Fragen und Antworten bis ins Unendliche vermehren und meistens würde das Galut, die Verbannung, das vereinzelte Wohnen unter andern Völkern als der Grund der Verletzung göttlicher Gesetze und des Aufgebens des jüdischen Geistes dargestellt werden. N'wp riritt '2 Du selbst, o Gott, hast es gethan! Aber warum hat Gott uns dieses gethan? warum hat Er bei den vielen eigenthümlichen Pflichten, die das Gottesgesetz uns auflegt, uns unter die Völker zerstreut, in deren Mitte uns die Rückkehr zu Ihm so schwer wird? Haben wir Strafe verdient, warum hat Er sie nicht in unserem Lande über uns verhängt? In Seiner Macht hätte es sicherlich gestanden, die Strafe schwer und fürchterlich genug zumachen, ohne daß durch die Zerstreuung die Beobachtung der Gebote selbst in Frage gestellt wird, ob deren Verletzung die Strafe uns zuerkannt worden! Wir haben auf diese gewiß berechtigten Fragen eine vierfache Antwort: wären wir im heiligen Lande geblieben und wären dort der göttlichen Bestrafung ausgesetzt gewesen., so würde 1) unser Zustand ein Zustand der Erstarrung geworden sein; wir hätten 2) wenn wir allesammt aufs Neue gesündigt hätten, sämmtlich Vernichtung verdient, während so in verschiedenen Ländern die Sünde nur von Einzelnen begangen wird und die Strafe nur Einzelne betrifft; wir hätten 3) den Einfluß auf die übrigen Nationen nicht gewinnen können, den wir dem göttlichen Plane gemäß gewinnen sollen, und endlich 4) sollten wir in den vielen Stürmen, die nur die Verbannung über uns bringen konnte, erstarken. Also hat auch Gott gesprochen (lH. Buch Moses Cap. 27, Vers 44) Ü2ri'2'i>>r ^^'^2 '^tt '2 'rin 'r>'i2 'rib2b tt^>i ll'riOttQ ^ri'ibtt und auch dieses, da sie sein werden in dem Lande ihrer Feinde, habe ich sie nicht verachtet (sie erstarren zu lassen) und habe sie nicht verworfen, sie zu vernichten, zu stören meinen Bund