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Der Israelit · 1863-07-22 · Heft 29 (22.7.1863) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 29 (22.7.1863)
Date
1863-07-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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351 über an, warum eben solch ein hochherziger Act seitens unserer, die Gleichberechtigung aller Confessionen in so glorreicher Weise zur Wahrheit gestaltenden hohen Regierung nur durch die drängenden Umstände provocirt, nicht positiv principiell geltend proclamirt, ja warum die eigentliche Veranlassung sogar wiederholt prononcirt werden sollte; wir maßen uns hierüber kein einseitiges Urtheil an, und vertrauen auf die vielen factischen Acte der gerechtesten Humanität viel mehr als auf die hochtönendsten schönsten Phrasen. Allein wir müssen vor Allem der Wahrheit die Ehre geben. Es folgt aber aus dieser Andeutung über das Motiv unmittelbar, daß die zu wählenden Schulinspectoren die offen gewordene Lücke ausfüllen und daher dieselben Functionen ausüben, nach denselben Instruktionen (?) ihr Amt handhaben, insbesondere aber auch, daß dieselben in unveränderter Dependenz von den entsprechenden Regierungsorganen bleiben sollen, wie H. M. Ehrentheil, Redakteur der „jüdischen Volksschule" in einer Anmerkung in Nr. 2 sehr richtig voraussetzt; wir werden hierauf weiter unten noch einmal zurückkommen, und glaubten dieß nur schon hier bei der Analyse des Schriftstückes vorläufig konstatiren zu müssen. Die Schulinspektoren sollen unmittelbar aus der Mitte der Israeliten gewählt werden." Die Interpretation dieser mehrdeutigen Worte ist von großer Wichtigkeit. Was heißt „unmittelbar aus der Mitte der Israeliten?" Sind das Urwähler:? Wünscht die Negierung die unmittelbarste Unmittelbarkeit, nämlich direkte Urwahlen sämmtlicher Gemeindemitqlieder des Bezirkes wie dies der Wortausdruck zunächst zu sagen scheint; oder würde dieser Unmittelbarkeit auch dadurch genügt, oder ist gar dieses die einzig richtige Interpretation, daß die Inspektoren vor: den betreffenden Vorstehern selbstständig gewählt werden? Daß aber Klarheit über diesen Punkt von der größten Wichtigkeit ist, kann Niemandem entgehen, der mit den Verhältnissen irgendwie veillraut ist. Es thut! nimmer gut zu vertuschen und zu verschweigen, wo > offenes Reden heilige Pflicht, wo Gefahr im Verzüge! ist. Ungarn steht zwar wohl durchaus nicht isolirt l in der geringen Würdigung der Heiligkeit guten, echt jüdischen und gutbürgerlichen Jugendunterrichtes! da, auch anderswo waltet der deprimirende Geist der! Engherzigkeit, des Jndifferentismus, der relativen! Gleichgiltigkeit rücksichtlich dieses hochwichtigen Jnstititntes vor. Auch „draußen im Reich" sind wohl der Fälle Legionen zu verzeichnen, daß die Schule nun einmal als eine nicht zu eliminirende Last des Ausgabenetats getragen, übrigens aber kaum dem Bedürftnß einer Gemeinde, einen Synagogendiener zu besitzen, ebenbürtig geachtet wird. Bei den weit größern Dimensionen aber, welche diese traurigen Zustände in diesem nach Hunderttausenden Jehudim zählenden Kronlande annehmen, muß noch weit mehr Rücksicht auf dieses Moment genommen werden, damit nicht die Rechnung ohne dm Wirth gemacht werde. Wohl zählen bereits die Annalen Ungarns auch nach dieser Seite hin viele Züge echt jüdischen Herzens, nicht wenige Data, daß die Unterrichtsanstalt als eine echte, als die erste und wichtigste Gemeindeanstalt angesehen, daß alles, was sie betrifft, von einem höhern universellen Standpunkte erfaßt, angeregt, ausgeführt und in Athem gehalten wird. Wohl hat sich bereits in vielen Gemeinden die berühmte, sprichwörtlich gewordene, unfern höchsten Stolz und unsere höchste Würde ausmachende jüdische Opferfähigkeit auch nach dieser Richtung hin, ihrer würdigsten, drängendsten und erhebendsten, Bahn gebrochen, und zwar nicht nur in modernen, wie Kanizsa, sondern auch in ganz antiken wie z. B. Neustadt an der Waag und Neutra; und nicht nur in größeren, welche im Grunde alles viel leichter effectuiren, sondern auch in kleinern Provinzialgemeinden wie z B. Dunaföldvar unter den Auspicien meines hochverehrten innigst geliebten, wackeren Freundes des dortigen Hrn. Rabbiners, und so haben sich >i"p"2 schon viele andere ein solches dauerndes Denkmal gesetzt. — Aber-im Allgemeinen? erfaßten die Gemeindevorstände im Allgemeinen mit der ganzen unsäglichen Gründlichkeit dies universelle Bedürfniß jeder jüdischen Commune, können wir ohne daß unser Gewissen ein mehr oder weniger lautes Pochen seine Demonstration kundgibt, ruhig die Frage bejahen, ob ein Gemeindevorstand, dessen Mitglieder vielleicht ohne Ausnahme, vielleicht auch nur der entscheidenden Majorität nach ohne schulfähige Kinder, diese Frage im Allgemeinen als eine ganz ebenso brennende Lebens- und Existenzfrage der Gemeinde betrachten und demgemäß handeln wird, wie die Ge meindemitglieder, denen das eigene Bedürfniß die Frage näher rückt? Dürfen wir diese Frage im Allgemeinen zu bejahen wagen? — Ich wage es nicht! Die Interpretation dieser Worte halte ich für unaussprechlich wesentlich. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Bericht. Unter den Lehrgegenständen «in der jüdischen Re ligions- oder Elementarschule nimmt jetzt mehr als früher das Uebersetzen der Wochen- und Festgebete eine unabweisliche Stelle auf dem Schulplane ein. Es wird von allen Seiten anerkannt, daß unsre Gebete nur in der uralten hebräischen Sprache beibehalten werden müssen, indem ihre Herzensanregung

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