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Der Israelit · 1863-07-22 · Heft 29 (22.7.1863) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 29 (22.7.1863)
Date
1863-07-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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352 uud Heiligung für unL nur in denjenigen Wortformen den geeignetsten Ausdruck finden, in welchen die Lehre Gottes uns offenbart worden, in welchen Propheten, heilige Sänger und Lehrer uns ihre Verheißungen, Gefühle und Belehrungen hinterlaffen haben. Je schwieriger es durch die Zeitverhältniffe geworden ist, die Kenntniß der heiligen Bücher, geschweige der später entstandenen Schriften der Tradition im Urtexte allgemein zu machen, um so nothwendiger wird es, die heilige Sprache in den hebräischen Gebeten zu hegen und zu pflegen, da diese noch wenigstens für das religiöse Gefühl im Volke Gemeingut geblieben sind, und es mit Gottes Hilfe auch bleiben werden. Bildet diese Gebet-Sprache ja doch das geistige starke Band, welches in allen Erdzonen und unter allen Völkersprachen die Bekenner des Judenthums zusammen verbrüdert und eng verbindet! Der jüdischen Schule fällt daher die Aufgabe zu, schon bei dem frühesten Unterrichte darauf Bedacht zu nehmen, daß ein Verständniß der Gebete, wenn irgend möglich, Niemandem fehle, sie kann es nicht mehr darauf ankommen lasten, daß die Kenntniß von und die Kenntniß der Gebete von selbst herbeisühre. — Der Fortschritt in der Bildung, daß auch dem weiblichen Geschlechts die möglichste Sorgfalt einer religiösen und socialen Erziehung zngewendet wird, muß unsere Aufmerksamkeit auf das Verständniß der Gebete auch den Schülerinnen zuwenden. Die künftigen Hausfrauen sollen in der Synagoge sich nicht nur an dem deutschen Vortrage erbauen; sondern sie sollen dort wie im Hause das religiöse Gefühl an dem Inhalte der Gebete kräftigen können. Dem Lehrer entgeht auch nicht, mit welcher Freudigkeit sich besonders die weibliche Jugend durch den Inhalt der erhabenen Loblieder in den Gebeten angeregt fühlt; umsomehr werden aber in der Schule die Schwierigkeiten empfunden, welche sich diesem Lehrgegenftande entgegenstellen, wenn er den Mädchen erlheilt werden, soll. Diesen bleibt der eigentlich hebräische Theil des Unterrichtes entfremdet, es sind ihnen also die Quellen verschlossen, aus denen sich ein gutgeschulter Knabe oft ohne große Beihilfe den Sinn der Gebete schöpft. Wenige wöchentliche Schulstunden reichen keinesweges aus, das Vorgetragene in einer zahlreichen Klasse bis zum Erfassen wiederholen zu lassen. Es kann daher weder dem Umfange nach erzielt werden, einen ansehnlichen Theil des Gebetbuches auf diese Weise in der Schule zu bewältigen, noch kann verhütet werden, daß das Erlernte bald wieder vergessen sei, nicht minder wird das Fortschreiten durch jährliche Versetzungen erschwert, wenn nicht gar verhindert. — Sehen wir nach den Hilfsmitteln, um einigermaßen den Schwierigkeiten abzuhelfen, so sind die mannigfachen Übersetzungen weder beim Unterrichte zweckentsprechend anzuwenden, weil sie, beim besten Fleiße der Kinder ihnen nur zu einer oberflächlichen Kenntnißnahme für die bevorstehende Lektion verhelfen; noch können sie das Erlernen der Uebersetzung entbehrlich machen. — Soll die beigedruckte Uebersetzung während des in der Synagoge vorgetrageuen Gebetes durchgelesen werden, so wird die Andacht gestört, welche nnr der verstandene Ausdruck empor zu tragen vermag. Soll man aber dieses Ziel erreichen, daß der Betende mit dem Aussprechen des Wortes sich zugleich seines Inhaltes bewußt sei, so muß die Schule auf die Kenntniß der Sprache und ihren Formbau Hinzielen, und dies wird noch am Besten durch das Benützen der Vocabularien in den Händen der Kinder gelingen. Eine vorbereitende Selbftthätigkeit der Kinder zu dem Gebetstücke, das ihnen aufgegeben wird, regt sie nicht nur im Voraus dafür an, sondern nach der Erfahrung, daß man nur lang Durchdachtes im Gedächtmß behält, kann auf diese Weise dem schnellen Vergessen Einhalt geschehen. Solche Hilfsmittel sind nicht zahlreich, und ich habe mit großer Emsigkeit ein solches in Form eines alphabetischen Lexikons zur Tibsri oder ausgearbeitet, welches ich unter dem Namen eines Hilfsbuches zum Uebersetzen der Gebete zu veröffentlichen beabsichtige. Der Unterricht in fremden Sprachen gibt unsrer Jugend fast überall solche Hilfsmittel in die Hand, so daß sie sich bald mit dessen Gebrauche auch zum Hebräischen bekannt machen können. Ohne irgend eine grammatische Vorkenntniß des Hebräischen vorauszusetzen, habe ich z. B. das Verbum nicht nur unter dessen ersten Radikalbuchstaben notirt, sondern auch unter jedem präformativen Bedienungsbuchstaben. Beiläufige sprachliche Bemerkungen, so wie einige beigegebene Schemata dürften bei einem mehrjährigen Gebrauche dieses Hilfsbuches in der Schule das Verständniß der heiligen Sprache dem Volke mehr zugänglich machen. Das Haupterforderniß eines Schulbuches ist mit Recht dessen billiger Preis,*) deshalb möchte ich meine lieben Amtsgenossen, so wie die Herren Schulvorsteher ersuchen, durch zahlreiche Bestellungen es mir möglich zu machen, diesem Erforderniß zu genügen. Denn weder Literatur-Vereine wollen solchen Schulbüchern beförderlich sein, noch wollen sich Verleger dazu finden, weil sie keinen Absatz erwarten. — Wir müssen uns also selber mit Vertrauen entgegenkommen, billiges und uns brauchbares Lehrmaterial zu verschaffen, um den Weinberg des Herrn mit immer besserm Erfolg bearbeiten zu können. Das Hilfsbuch zum Uebersetzen der Gebete ist druckfertig *) Anmerk.: Von meinem Leitfaden zur Religionslehre OP2 '!)->-! der sich in Nr 50 des zweiten Jahrganges des Israeliten einer sehr empfehlenden Rezension zu erfreuen hatte, können fünfundzwanzig Ex. L 4 Thlr. und zwölf Ex. zu 2 Thlr. 15 Sgr. aus der Vkllagshandlung von Heinrich Wunger in Leivzig bezogen werden.

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