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Der Israelit · 1863-07-22 · Heft 29 (22.7.1863) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 29 (22.7.1863)
Date
1863-07-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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350 Anstrengungen des Arbeiters, allen Versuchen der Cultur und der Wiedererhebug trotz des Goldes, der Wissenschaft und des Geistes der Nationen. „Niemals", singt ein großer englischer Dichter (Byron), „werden die Götter der Heiden den Tempel bewohnen, in welchem Gott eines Tages refidirte." Der Gottgesandte Erlöser allein wird die heilige Stadt wieder Herstellen können und die Heiligthümer des Höchsten; dann werden wieder blühen Libanon und Hermon, dann werden sich wieder bevölkern Tabor und Carmel, dann werden sich wieder beleben die gesegneten Ufer des Jordan und des Kidron. Bis dahin aber wird Kanaan die Trauer bewahren; es wird eine Wüste bleiben, bis zu dem Tage, wo es wieder in Besitz nehmen wird der rechtmäßige Erbe — Israel! Der Friede und das Glück werden nicht eher dauerhaft in der Welt sein, bis Jerusalem wieder aufs Neue sein wird ihre Hauptstadt, das Heiligthum und die Leuchte Gottes. — Weber das qaästionirte jüdische Schutmspectorat in Ungarn, von Rabb. Ar. LZraSL LLtläsLU-LrNsi'. Die hohe königliche ungarische Negierung hat bekanntlich vor einigen Wochen Hunderttausende von Ungarn israelitischer Confession mit dem erhebenden Gefühle der autonomen Selbstständigkeit in der wichtigsten Angelegenheit hochgehoben und beglückt: sie hat ihnen die Selbstverwaltung ihres heiligsten Institutes, der Volksschulen, übergeben, resp. zurückgegeben. Es liegt in der "Natur der Sache, daß ein Act von so unendlicher Tragweite die lebhafteste Controverse Hervorrufen, je nach dem verschiedenen Standpunkte des Correspondenten die verschiedensten Beurtheilungen erfahren, zahllose Federn in Bewegung setzen, Wünsche vielerlei Art erregen, Hoffnungen weitgreifendster Natur erwecken mußte. Ueberzeugt nun, daß Sie, H. Redakteur, einer von unserem Standpunkte ausgehenden Beurtheilung dieser in das ganze jüdische Leben in Ungarn tiefeingreifenden Frage gern die Spalten Ihres geschätzten Blattes öffnen, will ich möglichst erschöpfend diese Lebensfrage der jüdischen Gemeinden betrachten; ich ersuche Sie umsomehr um die Aufnahme dieser Corresp., als ich, durch viele Briefe um die Veröffentlichung meiner unmaßgeblichen Ansicht ersucht, annehmen muß, daß mein geringes Urtheil unserer Partei nicht ganz gleichgiltig sei. Die Bemerkungen nun, welche ich heute meinen Freunden zur Beurtheilung vorlege, betrachten 1) die Analyse des Actes und die Ventilirüng desselben, 2) die Tragweite desselben und endlich 3) unfern Standpunkt zu demselben, resp. unser pflichtschuldiges Verhalten in Bezug auf denselben. Seitens der k. Ungarischen Stadthalterei ist vor eimgen Wochen folgendes Reskript durch Vermittelung der Comitatsbehörden sämmtlichen isr. Cultusgemeinden zugestellt worden: (Folgt das Reskript, das wir bereits in voriger Nummer veröffentlicht haben. Red.) Dieses Reskript hat sicherlich bei allen unfern Glaubensgenossen, zunächst den unmittelbar Betheiligten des Inlandes, nicht weniger aber wohl auch des entfernsten Auslandes die freudigste Sensation erregt. Nirgends wohl hat die Commune, die Gemeinde selbst, solch große Wichtigkeit wie in der jüdischen Gemeinschaft, nirgends scheidet sich aber auch die Individualität der einzelnen Gemeinden, nirgends tragen selbst ganz nah aneinander gerückte Comunitäten eine so verschiedene, ja so entgegengesetzte Phisiognomie wie bei uns, nirgends ist daher das möglichst große Selbst- Gouvernement derselben solch großes Bedürfniß, die Störung desselben von so unheilbarem, galoppirend verzehrendem Einflüsse wie hier. Und wenn jeder Jehudi, nicht nur der orthodoxe, in loyaler Tr le der hohen Regierung für jeden Act der Gnade und Gerechtigkeit tiefen Dank zollt; so sind besonders diesesmal unzählige Gefühle und Worte tiefgefühltesten Dankes um dieser Freude willen zürn himmlischen Vater emporgestiegen und haben sich in Hunderttausenden die heißen Wünsche wiederholt, daß unserer milden liebevollen und gerechten Negierung auch dieser Act edler Gerechtigkeitsliebe seine schönen Früchte zum Glück und Segen des Staates überhaupt tragen möge. Je hochwichtiger nun aber diese Entschließung der hohen Regierung ist, desto mehr scheint es geboten, sich dieselbe genau zu analysiren, bannt wir uns nicht Illusionen hingeben, denen bittere Enttäuschungen Nachfolgen könnten. Dies aber ist. wenigstens in den mir zu Gesicht gekommenen, diesbezüglichen Betrachtungen bis jetzt keineswegs geschehen. — Zunächst ist, was für das Prinzip sehr wichtig, zu konstatiren, daß dein einfachen Wortlaute der Verordnung nach das Motiv derselben keineswegs so sanguinische Handhabe bietet, wie solche allseitig darin gefunden. Nach den einleitenden Worten ist die Creirung jüdischer Schulinspektoren unabweisliches Bedürfniß geworden, weil „in einigen Kirchendiözesen die katholische Geistlichkeit sich von der bisher von ihr über die isr. Schulen ausgeübten Beaufsichtigung fast gänzlich zurückgezogen hat," ja gleichsam um der Vermeidung falscher Illusionen auf's Allerkräftigste vorzubeugen, wird sofort nochmals nachdrücklichst betont „wurde in Folge dieses Umstandes in Vorschlag gebracht rc." Nun maßen wir uns durchaus kein Urtheil dar-

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