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Der Israelit · 1863-07-22 · Heft 29 (22.7.1863) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 29 (22.7.1863)
Date
1863-07-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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349 dessen Forderungen, dessen Gesetze. Die Einen, die Treuesten oder vielmehr die Heroischsten bekämpfen mit Erfolg diese Hindernisse und gehen mehr oder weniger triumphirend daraus hervor, während die Andern in ungeheurer Anzahl unterliegen in diesem Kampfe und verlieren in dieser Schlacht all ihr israel. Blut, wie der unglückliche Soldat, der seine Fahne den Händen des Feindes überläßt. Man beachtet fast nicht mehr den Sabbat und man ist in gewisser Beziehung gezwungen, den Sonntag und die übrigen nichtjüdischen Feste zu feiern. Man läßt mehr und mehr aus seinem Hause die Zeichen und die Erinnerungen unserer heiligen Religion verschwinden und eignet sich die Gewohnheiten fremder Culte an. Man verringert und verengt unaufhörlich, man verbirgt soviel als möglich dieses Gottentstammte Jndenthum, das da sein sollte eine unsterbliches Licht allen Geschlechtern und allen Jahrhunderten! Und dieser beweinenswerthe Stand der Dinge sollte uns nicht stürzen in tiefe Trauer? Aber unsere sociale Lage ist doch wenigstens schön und läßt nichts zu wünschen übrig? Die Wahrheit ist, daß die ganze angeblich civilisirte Welt mit Ausnahme sehr weniger Staaten diese Behauptung Lügen straft und diese Täuschung zerstört. Die Wahrheit ist, daß fast überall und selbst in den Ländern, welche wegen ihrer Fortschritte am meisten gepriesen werden, unsere Brüder noch unterdrückt sind und für ihren Glauben leiden, welchen die Gesetze wie einen Schandfleck betrachten, der den Menschen unwürdig macht, gewisse öffentliche Aemter zu bekleiden und gewisse bürgerliche und politische Rechte ouszuüben. Und selbst in den günstigsten Ländern, die am Meisten ausgezeichnet sind durch ihre gerechten Gesetze, durch die in ihnen herrschende bürgerliche Gleichheit und religiöse Freiheit — ist selbst in diesen unser socialer Zustand ein vollkommener? Auch dort existirt noch das Vorurtheil, das Wort Jude wird als Schimpfwort gehandhabt; Manche wünschen sich Glück wenn ihre Mitbürger die Religion, der sie angehören zu ignoriren scheinen, wie ein unglücklicher Sohn sich glücklich schätzt, wenn man vergißt, daß sein Vater ein zu den Galeeren verdammter Verbrecher gewesen! Wir sind entzückt, stolz, wenn einer der Unsrigen irgend ein Staatsamt erlangt, wir, Israeliten, welche sind der älteste Adel der Erde, die ältesten Söhne der Civilisation, wir, die wir abstammen von der ruhmvollen, unsterblichen Familie Abrahams, Jizchaks und Jakobs, von der königlichen Dynastie Davids, von dem priesterlichen Geschlechts Ahrons, von dem Stamme des göttlichen Sehers Jesaias und so vieler anderer göttlicher Seher und erhabener Sänger; wir, die wir zu den Unsrigen zählen Moses, den Mann, zu dem Gott Angesicht zu Angesicht gesprochen! Und dennoch sind wir glücklich und stolz, daß man aushört uns als Idioten und Cretinen zu betrachten, daß man uns öffnet den Eintritt in die Gesellschaft unter der Bedingung, daß wir unsere ruhmvolle jüdische Nationalcokarde und unsere ganze glänzende, edle Geschichte draußen lassen; und daß man geruht zu vergessen, daß wir sind Israeliten, ein Reich von Priestern, eine heilige Nation, die Kinder des Höchsten, die Streiter der Wahrheit! Ach, wir sind tief gefallen und die Zerstörung unseres Tempels fährt fort zu sein der Fall unseres Ruhmes und unserer Größe unter den Menschen. Dieser traurige Fasttag des fünften Monats wird in tiefer Betrübniß gefeiert; es ist der unglückliche Tag, an welchem unsere Krone gebrochen, unser Ruhm in den Staub getreten, unser Volk zerstreut, unsere Fürsten und Priester an den Siegeswagen des Siegers gefesselt wurden; an welchem der Götzendienst über die Gottesdiener triumphirte! Wahrlich, nicht allein Israel, sondern das ganze menschliche Geschlecht sollte beweinen den Sturz des Tempels, welcher die Welt in ihrem Entwicklungsgänge ausgehalten und den wahren Fortschritt der Menschheit, ihre Vollkommenheit, ihr Glück und ihr Heil um viele Jahrhunderte zurückgeworfen hat. Unsere erleuchteten geistigen Führer haben nicht allein tägliche Gebete eingeführt um die Wiederherstellung Jerusalems und Zions, sondern auch eine Menge Ceremonien und Gebräuche, die da bestimmt sind, uns unaufhörlich, selbst mitten in unserer Freude zu erinnern an den furchtbaren Schlag, der uns getroffen hat durch die Zerstörung unseres Heiligthums, u-rvri es ist gefallen, ruft der Prophet aus, die Krone unseres Hauptes, wehe uns, denn wir haben gesündigt. Damit ist aber auch zugleich der einzige Weg zur Wiederherstellung gegeben: wenn wir aufhören werden zu sündigen. „Zion wird erlöst werden durch Gerechtigkeit und die zu ihm zurückkehren durch Tugend." Durch unfern lebendigen Schmerz um die Zerstörung Jerusalems, durch unsere Rückkehr zu Gott werden wir die Wiederherstellung eines neuen, unzerstörbaren Heiligthums ermöglichen. Wir können nicht glücklich sein, wir können unser Geschick nicht erfüllen, nicht unsere Aufgabe unter den Nationen der Erde, so lange die heilige Stadt weint, wie eine verlassene Wittwe. Gott hat die Zerstörung seines Heiligthums gestattet, aber er hat andererseits nicht erlaubt, daß das heilige Land jemals in den bestimmten und friedlichen Besitz eines andern Volkes übergche. Ströme von Blut sind vergossen worden um den Besitz der Ruinen Jerusalems, welches keine Macht der Welt seit dem Falle Israels hat wieder aufbauen kännen. Palästina, welches einst war das irdische Paradies, hat sich mit Trauer bedeckt, mit Dornen und Disteln, mit einen: düstren Schleier; es hat Widerstand geleistet allen

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