Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 28 (15.7.1863)
- Date
- 1863-07-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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337 Herr Bamberger, unser Rabbiner, welcher durch seine Predigten die Zuhörer immer zu fesseln weiß und von diesen durch seine gehaltreichen Vorträge ungeteilten Beifall jedesmal erlangt, predigte über den Text : und paßte dem Inhalte seiner Predigt theilweise das freudige Ereigniß und theilweise die hohe Mission des . gefeierten Fremden in rein objectiver Art an, ohne auch nur einen einzigen Laut von Schmeichelei hören zu laßen. Nach der Predigt sprach der Herr Rabbiner ein von ihm eigens abgefaßtes hebräisches Gebet, dessen Hauptinhalt war „daß Gott diesem großen Israeliten, so wie seiner hohen Mission seinem uneigennützigen, edlen, opfervollen Streben und Wirken seinen Segen verleihen und daß der Hochedle Baron in seinem thatenreichen, großen Leben und Wirken einen Trost um den herben, allgemeinen beklagten Verlust seiner frommen, edlen und hochverehrten Gemahlin Lady Judith Montefiore .-i"p finden möge." Die zahlreichen Anwesenden waren sämmtlich bis zu Thränen gerührt und Sir Moses .... weinte. Der Herr Baron, welcher bis zum gänzlichen Schlüsse, des Gottesdienstes und noch zum w'ip in der Synagoge verblieb, ging, bevor er sich entfernte, von dem ihm angewiesen gewesenen Ehrenplätze zum Herrn Rabbiner und wünschte demselben unter dem herzlichsten Händedruck den bekannten Gruß und einen solchen allen Andern freundlichft wünschend, verneigte er sich wiederholt aufs ehrfurchtvollste und demüthigfte zum Gegen 11 Uhr begab sich der wohllöbliche Vorstand, bestehend aus den Herren: Jacob Woog, Joseph Leoboldti, Moses Marcus, Joseph Stern und Heinrich Scheyer in Begleitung des Herrn Rabbiners in das Hotel des verehrten Fremden. Der Herr Baron nahm die Deputation auf das freundlichste und herzlichste auf. Herr Heinrich Scheyer, der englischen Sprache sehr mächtig, begrüßte in solcher den Baron aufs Würdevollste und Sir Moses ließ sich herab, über das Resultat seiner Mission beim Sultan, wie glücklich und gelungen solches ausgefallen, zu sprechen. Freudestrahlend war das Auge des greisen Gotteskämpfers, als er des Sultans Worte referirte, die ungefähr so gelautet haben sollen: „„Nicht der I „Pflicht allein wegen, sondern auch weil es meinem „Herzen Äedürfniß ist und es mir zum Vergnügen „gereicht, will ich die jüdischen Unterthanen meines „Reiches meinen sämmtlichen übrigen gleich gestellt! „halten." Nachdem Sir Moses dem Herrn Rabbiner für seine belehrende und sehr erbauende Predigt gedankt > und sich dann noch aufs freundlichste mit allen Herren unterhalten hatte, verabschiedeten sich dieselben endlich! nach Ablauf einer Zeit von beinahe einer Stunde. Sonntag gegen 12 Uhr erhielt der Rabbiner ein Schreiben von Sir Moses, worin derselbe von ihm und der verehrlichen Gemeinde unter den besten Segenswünschen sich verabschiedete. Der Rabbiner schrieb sogleich eine entsprechende Antwort und begab sich mit Herrn Heinrich Scheyer an den Bahnhof, um dort von dem Großen in Israel noch einen Händedruck entgegenzunehmen. Sir Moses Montefiore reiste um 1 Uhr von hier nach Paris ab. Die Anwesenheit des Barons Montefiore wird allen hiesigen Gemeindegliedern eine ewig bleiben de und wohlthuende Erinnerung gewähren. Möge der allgütige Gott diesen gesetzestreuen Israeliten und großen Mann i noch lange, lange Jahre dem Judenthume! und seinen Bekennern erhalten! , Entschuldigen Sie gefälligst hochgeehrtester Herr - Redakteur, wenn ich meine Mittheilung vielleicht etwas! zu groß gemacht, allein diesen Fehler wollen Sie mir! übersehen, zumal Ihnen von hieraus äußerst selten i Nachrichten zu Theil werden. > lleinried 8eüIe8ivKer. Königsberg, 30. Juni Die preußische strenge Preßverordnung vom 1. d. M. hat doch wiederum den Vortheil für uns Juden, daß jetzt endlich die maßlosen Angriffe der feudalen Blätter auf dieselben hoffentlich aufhören werden, da jene Verordnung, welche verbietet, anerkannte Religionsgesellschaften dem Haß und der Verachtung preiszugeben, unterschiedslos erlaffen ist. Wenigstens können wir dies