Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 26 (1.7.1863)
- Date
- 1863-07-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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316 D'rauf Gott der Güt'ge: Nicht nach meiner Macht, „Nach eurer Kraft seid für das Haus bedacht: „Ich bin unsichtbar, ob ich auch Alles sehe, „Das Haus sei euch — ein Abglanz meiner Nähe!"— vr. 8. HamburKer, Landrsddinrr in Emden. - > »> - > - Eine christliche Zeitschrift in Australien über den Sau von Armenk Piigerwohmmgen in Jerusalem. Sydney, den 23. März. Ueber die Mission des Rabbiners Sneersohn*) spricht sich „Ibe HloruiuS Horulä" folgendermaßen aus: Die Allwesenheit des Rabbiners Sneersohn hat eine große Anzahl hervorragender Colonisten mit dem Genius der Israeliten in unmittelbare Verbindung gesetzt und zu einer Kundgebung von Gesinnungen und Hoffnungen von Seiten sehr frommer und gelehrter jüdischer Persönlichkeiten Anlaß gegeben. Wir unterschätzen nicht die Vortheile einer solchen Berührung: es ist wünschenswerth, daß wir die herrschenden Gesinnungen eines Volkes kennen lernen, mit dem wir täglich in Berührung kommen, nicht zu dem Zwecke, um Proselyten zu machen und denselben unsere besonderen Glaubensanschauungcn aufzudrängen, sondern um mit einiger Genauigkeit die Wichtigkeit der Meinungsunterschiede beurtheilen zu können, welche uns als Nation trennen. Aus diesem Grunde haben wir der Mission des Rabbiners Sneersohn ein ganz besonderes Interesse abgewonnen. Diese Mission bietet eine Gelegenheit, den guten Willen zu bethätigen, womit die Christen ihre dankbaren Gesinnungen gegen ein Geschlecht beweisen, welches mit ihren tiefen Gefühlen und Neigungen aufs Engste verwebt ist, und welches sie in der Hoffnung aus den endlichen Sieg, den wir von der Wahrheit und Gerechtigkeit erwarten, zu achten gewohnt sind. Wie wenig sind die Verfolgungen, welche die Nachkommenschaft Abrahams erlitten hat, durch die Thatsachen der christlichen Geschichte gerechtfertigt! Die Behandlung, welche die israelitische Nation erlitten hat, bildet den schwärzesten Fleck in allen Ge schichten, und obwohl England nicht mehr schuldig ist, als irgend ein anderes den Feudalgesetzen unterworfenes Land, so hat es doch seine Geschichte durch ungeheure Verfolgungen beflecke Die ungewöhnlich großen Verleumdungen, welche über die Israeliten verbreitet waren, sind von schlechten Menschen als Mittel benützt worden, uni Vorurtheile und Aberglauben aufzureizen. So sagt man uns, daß die Juden aus Frankreich unter dem Vorwand verbannt worden wären, weil sie einen jungen Menschen zur Feier des Peßachfestes geopfert hätten. Man verurteilte sie in Folge der Anklage wegen des Versuchs der Kreuzigung eines Kindes zu einer Geldstrafe von 2000 Mark. Wenige Jahre später wurden fünfzig Juden unter dem Vorwände, daß sie ein Kind aus Northampton gekreuzigt hätten, gefoltert. Im Jahre l492 wurden sie aus Spanien verbannt, und wer kann sagen, was diese Verbannung zu bedeuten hatte? Während eines langen Zeitraums hatten sie em ähnliches Loos in England. Dem Protector Cromwell gebührt die Ehre, die Juden von dieser Schmach befreit zu haben und zwar ungeachtet des Widerspruchs der damaligen Geistlichkeit. Seit 1886 hat die bürgerliche Freiheit der Juden unablässig Fortschritte gemacht, so daß man sagen kann, sie genießen jetzt einer voll kommenen Gleichberechtigung. Montefiore, ein allen treugesinnten Männern .thenrer Name, weil er die universelle Wohlthätrgkeit repräsemirt, hat die Ehre erhalten, in den Adelstand erhoben zu werden. Baron von Rothschild ist zum Kammermitglied ge wählt worden, und das Unterhaus hat eine Bill angenommen, nach welcher die Juden von der Eidesleistung nach der früheren Formel befreit sind. Das sind eÄe Triumphe der bürgerlichen und religiösen Freiheit. Wenn ein solcher Fortschritt zur vollkommenen bürgerlichen Gleichberechtigung nicht überall stattgefunden hat, so berechtigt das von den großen Nationen gegebene Beispiel zu der Hoffnung, daß die Zeit nicht fern ist, wo sich Juden und Christen auf einer und derselben Hochebene begegne»; werden. Die Mission des Rabbiners Sneersohn bietet eine Gelegenheit für die Kundgebung der herrschenden Gesinnungen der christlichen G-meinde, während die Frommen der israelitischen Nation, denen es die Verhältnisse wahrscheinlich gestatten, ihre Tage aus dem Berge Zion zu beschließen wünschen. In dieser Aufforderung üegt, wofern man nicht schließen will, daß keine Mildthätigkeit bewilligt werden dürfe, wo wesentliche Glaubensverschiedenheit herrscht, Nichts, was die Gewissen verletzen könnte. Menschen, die dem Materialismus ergeben sind, spotten über die Begeisterung, mit welcher Andere die heilige Stadt betrachten. *) Rabbiner Sneersohn reiste als Sendbote von Jerusalem (Schluß M der Beilage.) nach Australien, um daselbst zum Besten des erwähnten Unter- '-- - —" nebmcns Sammlungen zu veranstalten. (Hierbei eine Beilage.) Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Konischen Hofbuchhandlung. — Druck von I. GottSleben in Mainz.