Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 26 (1.7.1863)
- Date
- 1863-07-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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314 PreOburg, 18. Juni. (Korah und seine Rotte.) Vielen der geehrten Leser dieses Blattes wird vielleicht unbekannt sein, daß sich in Wien ein Kasino der Klatschsucht gebildet hat, dessen Produkte in der Zeitschrift „die Neu-Zeit" der Oeffentlichkeit übergeben werden; aber es bewährt sich hier der Spruch des weisen Koheleth: „Es erscheint nicht Neues unter der Sonne", indem der Gründer dieses Kasino und Herausgeber des obgenannten Blattes es sich zur Aufgabe gemacht hat, durch Pamphlete und Sarkasmen den Samen der Zwietracht im Judenthume auszustreuen, also blos — ein treuer Nacheiferer des Korah ist. Wir wollen nun die Art und Weise dieses Polemikers ein wenig näher beleuchten, und wir werden den würdigen Zögling des Levitischen Unruhestifters erkennen. Die „Neu-Zeit" bringt einen Artikel „Preßburger Briefe", worin die hiesige Jeschiwah schmählich verleumdet wird, wahrlich, ein Gewebe voll Lng und Trug, um damit einige arme Seelen dem Talmud- Studium abtrünnig zu machen. Verfasser dieser Briefe ging zufällig zum „Schiur"; wir fragen, was machte er beim Schiur? wozu setzte sich derselbe der Gefahr aus, in einer verpesteten Lust zu ersticken, hin- und hergestoßen und zertreten zu werden? vielleicht um zu lernen, Gott behüte! das wäre ja nutzlose Aufopferung für ein nutzloses Ding; derselbe verfolgt einen edleren Zweck, er will die Schattenseiten des ehrwürdigen Institutes der hiesigen Jeschiwa heraussuchen und sie als Kasino-Mitglied durch seinen Herrn Direktor in der ganzen Welt ausposaunen taffen. Ha! dieser Märtyrer der Schmähsucht reißt uns zur Bewunderung und — Verachtung hin. Er schildert die sogenannte Schimstube; leider müssen wir hier der Wahrheit ihren Tribut zollen, der Raum ist wirklich zu klein für drei bis vierhundert Menschen und es herrscht wirklich darin eine dumpfe Atmosphäre, aber hier hat sich Herr Philolelto (so nennt sich der Einsender der Preßb. Briefe) eine Tendenzlüge erlaubt, nämlich daß der ehrwürdige Herr Oberrabbiner aus Pietät gegen das Andenken seines seligen Vaters seinen Lehrsaal nicht anderswohin verlegen wolle; wir sind neugierig von welcher Kaffeeschwester er das erfahren hat, da hier allgemein bekannt ist, daß gleich nach der Sanktion der hiesigen Hochschule der hochgeehrte Herr Rabbiner eine hielt, in welcher derselbe die Gemeinde anfforderte, einen neuen Hörsaal zu bauen; der Gemeinde war es bis jetzt unmöglich, indem sie große Auslagen für den Bau eines neuen Tempels hat; sobald sich dieselbe in pecuniärer Hinsicht ein wenig gehoben haben wird, wird auch ein neuer Lehrsaal gebaut werden. Von wo wirst du dann deine Sarkasmen hernehmen, großherziger Schwätzer? Herr Philolelt beklagt sich ferner, daß beim Schiur so herumgestoßen wird und so verschiedenartige Gesten gemacht werden; wir ersuchen denselben sich einige Elementarkenntnisse im Talmud zu verschaffen und er wird erfahren, daß die schwierigen Probleme, die darin Vorkommen, bloß durch Pro- und Contra-Discussionen, bloß durch Disputation gelöst werden können, und von hitzigen Disputanten Ruhe verlangen, ist Sache der Unmöglichkeit; doch wir fühlen weder den Stoß noch bemerken wir die Gestikulation, indem wir uns an der Debatte betheiligen, aber armer Philolelto! entschuldige, wenn wir Dich in der Hitze gestoßen haben! (Fortsetzung folgt.) P a l ü st i n a. Jerusalem, im Siwau Herr Rabb. Elias Guttmacher aus Gr ätz (Prov. Posen) hat an den ehemaligen Oberrabbiner von Ka lisch, Herrn Maier Auerbach, der seit einer Reihe von Jahren in Jerusalem lebt, eine Anfrage über die Zweckmäßigkeit des ColonisationsVereins f. d. h. L. in Frankfurt a. d. Oder gerichtet. Die. Zeitschrift „Halebanon" veröffentlicht in ihrer Nr. 4 die Antwort, welche derselbe in Verbindung mit mehreren andern Rabbinen, die scimmtlich das heilige Land seit langer Zeit aus eigener Anschauung kennen, gegeben hat; wir geben hier einen Auszug aus derselben: „Ans die von Ew. Ehrwürden an uns gerichtete Anfrage, ob es wohl zweckmäßig feilt würde, im heil Lande Felder und Weinberge anzukausen, um jüdische Colonien daselbst zu gründen, erwiedern wir, daß wir allerdings Diejenigen glücklich preisen möchten, denen es gelingen würde, den heiligen Boden in jüdische Hände zu bringen und die Erfüllung der göttlichen Gebote zu veranlassen, die sich an das heil. Land knüpfen. Allein, außerdem, daß wir den öden und dürren Boden kennen, außerdem daß wir wissen welchen Unfällen besonders der Jude in diesem Lande ausgesetzt ist, wäre doch erst die Frage zu erörtern, ob auch die hiesige jüdische Bevölkerung die Feld-