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Der Israelit · 1863-07-01 · Heft 26 (1.7.1863) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 26 (1.7.1863)
Date
1863-07-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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313 der Wahl nur darauf Rücksicht genommen, wer, gleichviel welcher Gesinnung in seinem Privatleben huldigend, für die Gemeinde die religiösen Institutionen unverändert wahren will. Wenn wir deshalb den Ausfall der Wahlen als für hiesige Verhältnisse ziemlich günstig bezeichnen können, so dürfen wir nicht vergessen, daß der Sieg der guten Sache höchstens ein relativer und Berlin der Schauplatz des Wahlkampfes ist. Wir können unmöglich die wohlbegründete Meinung der Welt von der in Berlin herrschenden Jrreligiösität, so gern wir es möchten, als ein Vorurtheil bezeichnen. Wir geben zu, daß die Interessen des Judenthums kaum irgendwo mehr mißachtet werden können als hier, wir erkennen die Widerwärtigkeiten und Schwierigkeiten, die jedem hier verweilenden wahrhaft gesetzestreuen Juden sich entgegenstellen und können sogar die Gefahr, die der hiesige Aufenthalt in religiöser Beziehung namentlich für die Jugend enthält, durchaus nicht in Abrede stellen. Um so mehr aber können wir gerade an Beispielen wie an den vorliegenden der Welt zeigen, wie der Wahn, durch Abwerfen des religiösen Joches sich der Bildung und Aufklärung des Zeitalters würdig zu machen, G. s. D. immer mehr schwindet. Allerdings sehen wir in Berlin die Schwäche des religiösen Eifers, den oft grenzenlosen Jndifferentismus *), wir sehen Leute, deren religiöse Erziehung vernachlässigt ist, gedankenlos, oft auch fast wider Willen dem materiellen Strome der Zeit folgen. Jener beschränkte Geist aber, der Dummköpfe zu Gelehrten stempelte, wenn sie die Bravour zeigten, am Sabbath mit einer brennenden Cigarre sich zu zeigen, jener Blödsinn, der vielleicht zuerst und am kräftigsten Berlin ergriff, wird doch auch hier immer seltener. Müssen wir daher auch wohl berücksichtigen, daß bei all den schönen Nachrichten von hier als Beth hamidrasch, Schaß schiur, Talmudschule häufig nur von einem kleinen Theile der Berliner Gemeinde, hauptsächlich von dem aus dem Herzogthum Posen hinzugezogenen und für Gemeindeangelegenheiten, nicht immer einflußreichen die Rede sein kann, so werden wir doch m. G. H. immermehr *) Wie weit oft die Gleichgiltigkeit bei religiösen Fragen vier geht beweist u. A. der Umstand, daß von 3000 Stimmfäbigen nur 1200 gestimmt haben und ein bei der diesmaligen Wabl mit 22 „Meier" des Scherzes halber ausgefüllter Stimmzettel. auch in unserer Gemeinde die alte Wahrheit bestätigt finden: rr*? 'v. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 13. Juni. Es wird heute ein Aktenstück aus der Verborgenheit der Archive gezogen, welches den ungarischen Juden allerlei über ihre Zukunft zu denken geben mag. Es ist dies ein dienstliches Schreiben d. d. Febr. 1660 des Primas von Ungarn an den damaligen Unterrichtsminister Grafen Leo Thun, der so eben das bis dahin bei den Juden in Ungarn bestehende Verbot des Haltens christlicher Gesellen und Lehrlinge aufgehoben hatte. „Diese Verfügung," schreibt Herr Scitowsky wörtlich, „traf gerade in jener Zeit ein, wo man, in Erwägung der beklagenswerthen 0) Folgen, welche das Halten christlicher Dienstboten und Säugammen von Seiten der Juden für jene in religiös-moralischer Hinsicht immer (?) nach sich zieht, mit dem Vorhaben umging, gestützt auf Art. 1 des Concordats, bei der hohen Regierung einzuschreiten, daß das in Böhmen, Mähren und Galizien bis dahin bestandene Verbot, demgemäß Juden keine christlichen Dienstboten und Ammen halten dürfen, auch auf Ungarn ausgedehnt werden möge. . . Ich kann es Ew. Excellenz nicht verhehlen, wie sehr diese den Juden zum Nachtheil der christlichen Interessen gegen alles Erwarten erwiesene Begünstigung mich schmerzt, und mir die dringende Nothwendigkeit auferlegt, Ew. Excellenz diensthöflich zu ersuchen, daß sollte jene obbeklagte Verfügung nicht rückgängig gemacht werden können, Hochdieselben wenigstens geneigtest dahin wirken wollen, daß nachträglich auch ein Edict ergehen möge, durch welches den Juden strengstens untersagt werde, den bei ihnen bediensteten christlichen Individuen in Erfüllung ihrer religiösen Pflichten irgendwelche Hindernisse und Schwierigkeiten zu bereiten.' *) *1 Anm. der Red.: Cs kann Fever die Erfahrung machen, daß die chr. Dienstboten rc. bei Juden nickt allein keine Hindernisse bei Erfüllung ihrer religiösen Pflichten finden, sondern mehr Freibeit zam Kirchenbesuch rc. als anderswo haben; diese Bemer-! kung ist den abmaknenden Geistlichen von oen Dienstboten selbst schon so oft gemacht worden, daß diese Thatsache den Herren be-! kannt sein sollte und auch wobl bekannt ist. —

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